Nähkästchen
Neuer Basler Markt-Chef Manuel Staub am Weihnachtsmarkt: «Hinter den Kulissen gibt es viel zu tun»

Manuel Staub, Leiter des Büros Messen und Märkte in Basel, plaudert über geheime Glühweine, konzentrierte Vorfreude – und Hektik.

Rahel Koerfgen
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Manuel Staub und das Nähkästchen sind in Weihnachtsstimmung. Er hat den Begriff «Gefühl» erwischt.

Manuel Staub und das Nähkästchen sind in Weihnachtsstimmung. Er hat den Begriff «Gefühl» erwischt.

Kenneth Nars

Herr Staub, welchen Begriff haben Sie aus dem Nähkästchen gefischt?

Manuel Staub: Gefühl.

Seit einem Jahr sind Sie der Leiter des Büros Messen und Märkte in Basel. Und damit für den Weihnachtsmarkt verantwortlich. Was ist das für ein Gefühl, wenn Sie über den Markt streifen?

Ein herrliches, und ich empfinde eine gewisse Befriedigung. Die Organisation dauert fast ein Jahr. Wenn es soweit ist, ist das wunderbar. Die Emotionen sind da, man weiss, wofür man gearbeitet hat! Das gefällt mir an dem Job, man kann das Resultat anfassen, spüren ‐ und sehen, wie es ankommt bei den Leuten.

Und wie kommt der Weihnachtsmarkt heuer an?

Es ist ein sehr guter Jahrgang. Ich habe das Gefühl, wir werden wieder um die eine Million Besucher zählen. Matchentscheidend ist nicht, ob es kalt oder warm ist. Nur bei Regen bleibt die Kundschaft aus. Die Witterung ist uns ziemlich wohlgesonnen, die Standbetreiber sind zufrieden. Denn, bei allem Glanz und Glamour: Es geht auch ums Geld.

Der Basler Weihnachtsmarkt gilt als einer der schönsten in Europa. Woran liegt das?

Das hat sicher mit der Dekoration und Beleuchtung zu tun; jeder Stand muss ‐ ja, muss ‐ komplett dekoriert sein, dazu gehört auch das Dach. Dann ist auch die Location in der Innen- und Altstadt einzigartig. Ausserdem achten wir darauf, dass man sich nur an einem Drittel der Stände verpflegen kann. So verhindern wir, dass der Weihnachtsmarkt, salopp gesagt, zu einer Fressmeile verkommt.

Können Sie den Markt persönlich überhaupt geniessen? Oder sind Sie konstant gestresst?

Die Adventszeit sollte ja eigentlich eine ruhigere Zeit sein. Voller Gefühl, im Kreise der Liebsten. In der Realität ist es oftmals hektisch, auch für mich, klar. Solange der Weihnachtsmarkt noch dauert, habe ich immer eine gewisse Grundanspannung in mir. Das ist eine grosse Eventkiste, täglich gilt es, Probleme zu lösen. Hinter den Kulissen gibt es viel zu tun.

Sind Sie meist vor Ort?

Ja sicher, zusammen mit den Platzmeistern. Ich will draussen sein, mich nicht im Büro verkriechen. Bei diesem Job muss man nahe an den Standbetreibern dran sein, ich suche den Kontakt sehr bewusst. Nur so bekomme ich ein Gefühl dafür, wie es läuft, wo allenfalls der Schuh drückt.

Sie sagen, täglich müssen Probleme gelöst werden. Geben Sie uns ein paar Beispiele.

Etwa den Nachschub für die Weihnachtstassen sicherstellen. Da gibt es täglich eine Tassenausgabe bei den Standbetreibern. Stellen Sie sich vor, wenn es plötzlich keine Tassen mehr hätte und man keinen Glühwein trinken könnte! Manchmal funktioniert irgendwo der Strom nicht, ein Nachbar reklamiert, zwei Standbetreiber haben Krach... Dann bin ich zur Stelle, bin der Troubleshooter. Ich habe auch schon dem Verkehrsdienst geholfen, ein Absperrgitter zu installieren. Man darf sich nicht zu schade sein, auch mal selber Hand anzulegen. Draussen geht die Post ab.

Für all jene, die noch nicht am Weihnachtsmarkt waren: Was ist dieses Jahr ein Must?

Man sollte eine der vier gemütlichen Weihnachtsstuben besuchen; zwei davon stehen auf dem Barfi, je eine auf dem Münster- und Claraplatz. Die sind so liebevoll dekoriert, da geht einem das Herz auf. Mein zweiter heisser Tipp für Familien ist der Märliwald der Robi-Spiel-Aktionen auf dem Münsterplatz. Jedes Jahr wird das Konzept angepasst, von dem her gibt es stets Neues zu entdecken. Der Märliwald ist ein riesiger Erfolg. Wenn ich Kinderaugen strahlen sehe, nachdem die Kleinen einen Lebkuchen dekoriert haben, ist das der schönste Lohn für meine Arbeit.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten?

Als ich noch nicht das Büro Messen und Märkte leitete, trank ich meinen Glühwein gerne in einem geheimen «Eckli» und beobachtete die Menschen, sog die Stimmung auf. Das ist die Vorfreude auf Weihnachten, konzentriert an einem Ort. Das möchte ich auch in diesem Jahr machen, es wird allerdings ein wenig schwieriger: Sobald ich über den Markt laufe, kommen Standbetreiber auf mich zu, wollen etwas besprechen oder auch einfach nur ein wenig plaudern. Anonym bleibe ich nicht lange.

Sie scheinen sich nach nur einem Jahr in diesem Job bereits etabliert zu haben. Was ziehen Sie selber für eine Bilanz nach dem ersten Jahr?

Eine sehr gute, mein Bauchgefühl hat mich nicht getäuscht. Kommunikation hat sich wie ein roter Faden durch all meine früheren Tätigkeiten gezogen. Mein Lieblingsbereich waren aber immer Events, da kann man Emotionen generieren, das ist viel greifbarer, als wenn man einfach eine Medienmitteilung verschickt. Von dem her bin ich hier am richtigen Ort, ich gehe voll dabei auf, obwohl es eine grosse Herausforderung ist.

Sie waren in den vergangenen Jahren in erster Linie national engagiert, etwa bei der Pfadibewegung Schweiz. Was war das für ein Gefühl, nach Basel zurückzukehren?

Ich finde es grossartig, für meine Heimatstadt etwas bewegen zu können. Ein super Gefühl, das mich jeden Tag aufs Neue motiviert.

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