Basel
Neue Bars: In der Steinen gibts bald wieder Partys

Mit dem «Soho» und dem Umbau des Club 59 zieht ein neues Flair in die Steinenvorstadt – eine Strasse befindet sich im Wandel.

Benjamin Rosch und Mark Walther
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So teuer wie ein Einfamilienhaus: Gastronom Arton Krasniqi hat viel Geld investiert und will mit dem «Soho» der Steinenvorstadt mehr Nachtleben einhauchen.

So teuer wie ein Einfamilienhaus: Gastronom Arton Krasniqi hat viel Geld investiert und will mit dem «Soho» der Steinenvorstadt mehr Nachtleben einhauchen.

Juri Junkov

Vorbei sind die Zeiten von Turnschuhklauerei und Zockerhöllen. Die Steinenvorstadt ist längst brav geworden (siehe Box). Zu brav, finden einige. «In den letzten Jahren ist die einstige Ausgehmeile gestorben. Das Kleinbasel hat der Steinen den Rang abgelaufen», sagt Antigon Ajroja, Geschäftsleitungsmitglied des Clubs 59.

So lief es früher

Nachos verdrücken, Cocktails schlürfen und die Nächte durchfeiern – nicht in der Steinenvorstadt der 1980er-Jahre. Homeboys und Flygirls tummelten sich damals in der Steinen, die Hip-Hop-Szene hatte die Strasse fest im Griff. Breakdance-Akrobaten und Rap-Artisten suchten das Battle, manche auch die Schlägerei. Einige Eltern verboten ihren Kindern, sich in der Steinen aufzuhalten: zu gefährlich. Wer in Bomberjacke und Turnschuhen unterwegs war, mied die Strasse auch ohne elterliche Weisung, denn die Gefahr war gross, der damals hippen Kleidung beraubt zu werden. Das Schweizer Fernsehen berichtete 1989 in einer Live-Sendung über die Steinenvorstadt. Mitte der 90er-Jahre wandelte sich die Strasse zur autofreien Vergnügungsmeile, die Hip-Hop-Szene wich Lokalen mit Aussenbestuhlung.

Doch nun erobert das Nachtleben die Steinen zurück. Das bezeugen mehrere Baustellen auf beiden Seiten der Strasse. Wo momentan noch Handwerker mit Fräse und Schaufel hantieren, sollen bald Nachtschwärmer in neuen Restaurants und Bars tafeln, trinken und tanzen. Zum Beispiel im Club 59. Das Lokal gehört zur Steinen wie die Kinos. Die Zahl im Club-Namen bezieht sich auf das Eröffnungsjahr. Neu ist allerdings, dass der Club kein Hinterhof-Dasein mehr fristen muss. Die Besitzer der Bar haben den Kiosk gekauft und bauen die Räumlichkeiten gerade zu einer Bar um. Der Club 59 wird damit auch von der Steinenvorstadt zugänglich. «Wir bieten eine Bar mit über 400 Spirituosen», sagt Ajroja. Im September soll die Eröffnungsfeier stattfinden.

Antigon Ajroja will neue Besucher in den Club 59 locken. bro

Antigon Ajroja will neue Besucher in den Club 59 locken. bro

Bro

Edelschuppen mit London-Flair

Eine solche fand vergangenes Wochenende im «Soho» statt, mehr oder weniger am anderen Ende der prominenten Strasse. Über 700 Personen zählte Arton Krasniqi. Auch er hat grosse Erfahrung im Nachtleben. Früher führte er unter anderem den Club «The Venue». Diesen hat er verkauft und das Geld in sein neues Projekt gesteckt. «Von dem Geld, das ich in das ‹Soho› investiert habe, könnte man sich ein Einfamilienhäuschen kaufen», sagt Krasniqi. Das sieht man dem Club aber auch an. Das Lokal wirkt nicht so billig und lieblos, wie einige andere Stationen zwischen Heuwaage und Barfüsserplatz. Designer aus London zeichnen sich verantwortlich für das Interieur des dreistöckigen Etablissements. Im oberen Stock mixt der Barkeeper direkt am Tisch, während im Untergeschoss getanzt wird. Um Lärmklagen vorzubeugen, hat Krasniqi den Raum schalldicht bauen lassen. Eine Reaktion auch auf zwei Einsprachen gegen das Bauvorhaben. Die Wände sind bis auf das Wandbild einer Geisha schwarz.

Links zieht eine Fitnesskette ein, rechts ein China-Restaurant. bro

Links zieht eine Fitnesskette ein, rechts ein China-Restaurant. bro

Bro

Zwei neue Restaurants

Zwar plant Krasniqi keinen Electro-Tempel wie etwa den Hinterhof oder das Nordstern (neu auf dem Schiff). Doch auch im «Soho» sollen von Donnerstag bis Samstag die Plattenteller drehen. Gut möglich, dass in Zukunft auch Studenten dort verkehren, auch wenn sich der Edel-Schuppen zumindest optisch an ein älteres Publikum richtet. Schon seit längerem ziehen in Torkeldistanz «Balz» und «Baltazar» die Nachtschwärmer an wie das Licht die Motten.

Auch sein ehemaliges Lokal hat seine Türen bereits wieder geöffnet. Allerdings nicht mehr als Club, sondern als mexikanisches Restaurant. Schräg gegenüber hingegen befindet sich ein chinesisches Restaurant in der Entstehung. Dort, wo früher der Kleiderladen «Metro» beheimatet war. Und auch gleich daneben gibt es eine Neuerung: Aus dem Kino «Eldorado» wird ein Fitnessstudio. Das «Kieser Training» zieht in die Räumlichkeiten.

Schon wieder zu einer Veränderung kommt es am Ende der Vorstadt. Jahrelang befand sich dort das «Red Rocks». Vor ziemlich genau einem Jahr machte der Laden dicht, das «Five» zog ein. Jetzt aber scheint auch dies wieder vorbei: Aktuell sind Bauarbeiten im Gang.