Kunstmuseum Basel

Neu, aber schon am Anschlag – Kunstmuseum in Schieflage

Kann das Kunstmuseum Basel seinen Leistungsauftrag weiterhin erfüllen?

Erweiterungsbau des Kunstmuseums Basel

Kann das Kunstmuseum Basel seinen Leistungsauftrag weiterhin erfüllen?

Das erweiterte Basler Kunstmuseum kämpft mit strukturellen Finanzproblemen. Das schlägt immer mehr auf den Betrieb durch.

Wo Rauch ist, ist auch Feuer, sagt der Volksmund. In diesem Falle sind es Gerüchte rund um das Kunstmuseum Basel. Es gäre Unzufriedenheit im Personal. Die kaufmännische Direktorin Annette Schönholzer habe bei dessen Führung eine unglückliche Hand, Kündigungen würden sich häufen. Schönholzer selbst weilt in den Ferien.

Die Abteilung Kultur des Präsidialdepartements Basel, zuständig für das Museum, geht auf Tauchstation. Auf sieben konkrete Fragen antwortet der Leiter Philippe Bischof: «Das Präsidialdepartement äussert sich grundsätzlich weder zu Gerüchten noch zu personellen Fragen. Selbstverständlich steht die Abteilung Kultur in regelmässigem Austausch mit dem Museum. Die Inhalte dieser Gespräche sind vertraulich.»

Professioneller kommuniziert Josef Helfenstein, Direktor des Kunstmuseums. Er stellt sich, wie es sich für einen Chef gehört, vor seine Angestellten: «Es wäre eine Verzerrung der Tatsachen, dass bei uns eine schlechte Stimmung herrscht», sagt er im direkten Gespräch. Im Gegenteil: Die Stimmung sei insgesamt gut, vor allem angesichts der Tatsache, dass alle sehr gefordert seien. «Unsere Mitarbeiter leisten grossartige Arbeit. Insbesondere die kaufmännische Direktorin Annette Schönholzer hat in den vergangenen Monaten einen unheimlichen Effort geleistet.»

Der Betrieb unter Druck

Nichtsdestotrotz räumt Helfenstein Probleme ein. Rund zehn Stellen wurden im laufenden Jahr ausgeschrieben, diese jedoch nur zum Teil nach Kündigungen. «Manche befristete Verträge sind ausgelaufen. Die Kündigungen erfolgten zudem aus den unterschiedlichsten Gründen. Eine junge Mitarbeiterin suchte eine neue Herausforderung, jemand entschied sich für die Frühpensionierung», erklärt Helfenstein.

Aufhorchen lässt Helfensteins Begründung für den Druck, dem seine Mitarbeiter und er selbst seit der Eröffnung des Erweiterungsbaus ausgesetzt sind: «Ich möchte gar nicht leugnen, dass das erweiterte Museum uns alle vor grosse Herausforderungen stellt. Und es gab die vergangenen Jahre eine gewisse Unruhe», sagt er.

Kaum sei er angekommen, habe der kaufmännische Direktor, Stefan Charles, gekündigt. Helfenstein führt aus, warum der Rauch über dem Museum eben doch einen Brand als Grundlage hat. Nur sieht der Direktor diesen nicht bei seiner Betriebsführung: «Auch Charles konnte gewisse Probleme nicht lösen, für die er auch nicht verantwortlich war. Diese hängen mit der Finanzierung zusammen. Mittlerweile ist es bekannt und ich möchte es hier gerne nochmals betonen: Das erweiterte Museum ist unterfinanziert. Und das verursacht Stress.»

Vogel-Strauss-Taktik

Das problematische Finanzierungsmodell für das erweiterte Museum wurde lange vor Helfensteins Antritt aufgegleist. Eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2010 sagte einen Mehraufwand bei den Betriebskosten von 4,8 Millionen Franken voraus. Dazu wurde bereits damals erkannt, dass das vergrösserte Haus auch für den Ausstellungs-Etat statt der bisherigen 4,4 ab 2016 8,3 Millionen Franken benötigen würde. Bis dato war klar: Die Betriebskosten trägt Basel Stadt, die Kosten für die Ausstellungen die Stiftung für das Kunstmuseum Basel.

Angesichts des engen Zeitrahmens, den die Schenkung der Familie Oeri für den Neubau setzte, wurde unter der Ägide des damaligen Stadtpräsidenten Guy Morin und dem Präsidenten der Stiftung, Markus Altwegg, ein neues Konstrukt hervorgezaubert. Die Stadt zahlt 2,3 Millionen an den Betrieb, die Differenz zu den budgetierten 4,8 Millionen sollte die Stiftung erbringen. Deren Präsident Altwegg zeigte sich 2015 noch zuversichtlich. Es sei «absolut machbar».

Denkfehler in der Konstruktion

Ausbaden muss dieses waghalsige Konstrukt nun Helfenstein. «Der Denkfehler bei der Konstruktion ist, dass wir ohnehin wesentlich mehr Mittel generieren müssen für das Ausstellungsprogramm.» Zudem sei es so, dass diese Drittmittel gar nicht für das Betriebsbudget verwendet werden dürfen. Der Stiftungszweck sieht das nicht explizit vor. «Die Geldgeber haben kein Interesse daran, den Betrieb, also beispielsweise die Stromrechnung, zu bezahlen. Sie wollen Ausstellungen finanzieren. Der Betrieb ist Sache des Staates. Das Problem ist, dass die strukturelle Unterfinanzierung, sagen wir mal, elegant übersehen worden ist.»

In die Fundraisingqualitäten von Helfenstein wurden vonseiten der Stiftung und der Stadt grosse Hoffnungen gesetzt. Aber dem erfahrenen Museumsmann fehlen selbst dazu die Mittel. Um die fünf Millionen Franken für das jährliche Ausstellungsprogramm zu generieren, konnte bisher nur eine 80-Prozent-Stelle besetzt werden, und selbst die muss drittfinanziert werden.

Beim Präsidialdepartement sei das Bewusstsein vorhanden, dass das Museum unter sehr schwierigen Voraussetzungen geführt werden muss, sagt Helfenstein. «Mein Wunsch ist, dass jetzt die nötigen Schritte unternommen werden, damit sich die finanzielle Situation langfristig stabilisiert. Tatsache ist, dass es ziemlich schnell schwierig wird, wenn wir das Problem nicht lösen können!» Es löse sich sicher nicht mit Totsparen. «Dann müssen wir auch den Leistungsauftrag über Bord werfen.»

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