DB-Rangierareal
Naturschützer erheben Einsprachen gegen Neat-Zubringer

Schlingnattern und die Behaartfrüchtige Plattererbse: Auf dem ehemaligen Rangierareal der DB lebt eine einzigartige Flora und Fauna. Umweltverbände kritisieren, die ökologischen Ersatzmassnahmen für den geplanten Gleisausbau seien zu wenig definiert.

Daniel Haller
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Das ehemalige Rangierareal der Deutschen Bahn ist ein bedeutendes Naturgebiet.

Das ehemalige Rangierareal der Deutschen Bahn ist ein bedeutendes Naturgebiet.

Kenneth Nars

Da staunt der Laie: Bahngleise sind nicht nur ein Ökosystem, sondern sogar ein besonders wertvolles. Daran entbrennt in Basel Nord ein Konflikt zwischen Projekten, die der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Bahn dienen einerseits, und dem Schutz der Ökofunktion der Gleisfelder andererseits. Konkret gehts um den Vierspur-Ausbau der Gleise der Deutschen Bahn (DB) zwischen Landesgrenze und den Rheinbrücken. Dieser ist «ein zentraler Baustein zum Ausbau des Korridors, um die Kapazitäten für den nördlichen Neat-Zulauf bereitzustellen», erklärt Andreas Windlinger, Leiter Kommunikation des Bundesamts für Verkehr (BAV).

Gegen den Vierspurausbau haben WWF und Pro Natura Einsprache erhoben. Das Projekt sei zurückzuweisen. «Wir wollen dort Bahnbetrieb haben», erklären die Geschäftsführer der Basler Sektionen von WWF und Pro Natura Jost Müller und Thomas Schwarze, unisono. Doch sei die ökologische Ausgestaltung des Projekts ungenügend.

Paradies für Pioniere

Darum gehts: Die vom Rost gebräunten Schotterfelder eines Gleisareals bieten Lebensraum für Hitze und Trockenheit liebende Tiere und Pflanzen. Dass unter anderem mit Herbizid der Bewuchs verhindert wurde, ersetzt die Hochwasser, mit denen früher die Flüsse ebenfalls Tabula rasa machten und von grossen Pflanzen befreite Schotterbänke zurückliessen: Beides schafft Raum für Pionierpflanzen. Nicht zuletzt durchziehen die Gleise Städte und Landschaften und bieten so zusammen mit den Bahnbords Korridore, denen entlang sich die speziellen Tiere und Pflanzen ausdehnen können.

So wurde das ehemalige DB-Rangierfeld zum Lebensraum für Schlingnattern, die Behaartfrüchtige Plattererbse, Sandmohn und sogar anderswo in der Nordwestschweiz ausgestorbene Arten wie die Schuppenhaarige Kegelbiene oder die Italienische Schönschrecke. Dabei ist der Bahnbetrieb so wichtig für dieses Ökosystem, dass man seit Einstellung des Rangierbetriebs das Areal pflegen und mithilfe von Schulklassen von Sommerflieder und ähnlichen Sträuchern freihalten muss. Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel, die auch für Natur und Landschaftsschutz zuständig ist, spricht von einem «einzigartigen Lebensraum», der auch nationalen Schutz geniesst.

Zu wenig Ersatzflächen

Jost Müller vom WWF kritisiert, dass für den Ausbau der Gleise grosse Flächen des gepflegten Areals nebenan von nationaler Bedeutung als Zwischenlager für Aushub und Installationsplatz für den Bau vorgesehen sind. Zudem sei der ökologische Ersatz für den Eingriff nicht angemessen. Auch sei im Projekt nicht ausgewiesen, wie man die wichtige Vernetzungsfunktion von der Oberrheinebene zum Hochrhein aufrechterhalten will.

Darauf verweist auch Schwarze von Pro Natura: Lärmschutzwände seien nicht durchlässig und eine Stützmauer zwischen den neuen Gleisen und dem geplanten Containerterminal Gateway Basel Nord verunmögliche die Ost-West-Vernetzung. Zudem seien Flächen als Ausgleich ausgewiesen, die bereits als Ersatz für die Zollanlage Peza dienen. «Man kann eine Fläche nicht als ökologischen Ersatz für zwei Projekte angeben.» Weitere Ersatzflächen in einem Bereich, wo Güterzüge abgestellt werden, seien ungeeignet, da die stehenden Waggons zu viel Schatten für dieses lichtsensible Ökosystem werfen.

Einig sind sich beide Verbände, dass die Öko-Ausgleichsmassnahmen für das Gateway Basel Nord und den DB-Gleisausbau als Gesamtpaket erarbeitet und beurteilt werden müsste.

Grundsätzlich lösbar

In dicht bebauten Basel gibt es kaum Räume, die man als ökologische Ersatzflächen nutzen könnte: die Quadratur des Kreises. Trotzdem zeigt sich Stadtgärtner Trub zuversichtlich, dass es möglich sei, sowohl die national und international erwünschten Infrastrukturen zu bauen, als auch die ökologische Funktion des Areals zu erhalten. «Voraussetzung ist, dass Fachleute schon an den den ersten Planungen beteiligt werden und dafür sorgen, dass man die technischen Anforderungen mit den Funktionen hochsensibler Naturräume unter einen Hut bringt. So habe man in Zürich ein ähnliches Problem mit Schotterkörben an Wänden gelöst. «Wir werden mit unserer Platznot in Zukunft sowieso jedes Bauerwerk so ausgestalten müssen, dass es ökologische Zusatzfunktionen erfüllt.»

Noch ist man nicht so weit: Über die Einsprachen wird das Bundesamt für Verkehr entscheiden und dafür auch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) konsultieren.