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Nachrichten auf Züridütsch: Bei «Energy» ist immer weniger Basel drin

Beim Basler Ableger von Energy führt ein Berner: Nik Eugster. Die Debatte, ob der Sender den Konzessionsauftrag erfüllt, dürfte wieder aufflammen, denn immer öfter werden die Energy-Hörer von einem Moderator auf Züri- oder Bärndütsch begrüsst.

Pascale Hofmeier
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Die Programmleitung von Energy Basel hat seit rund einer Woche Nik Eugster inne, der bisherige Programmleiter von Energy Bern.

Die Programmleitung von Energy Basel hat seit rund einer Woche Nik Eugster inne, der bisherige Programmleiter von Energy Bern.

key / zvg

Energy Basel kommt nicht zur Ruhe. Der Lokalradiosender hat schon wieder einen neuen Programmleiter. Nach nur zehn Monaten muss Benjamin Schmid gehen. Hintergrund sind offenbar Meinungsverschiedenheiten, die trotz mehrerer Gespräche nicht beigelegt werden konnten.

Schmid und der Geschäftsleiter von Energy Schweiz, Dani Büchi, betonen, die Trennung sei im «gegenseitigen Einvernehmen» erfolgt. Sie lassen die Frage nach den Gründen unbeantwortet. Die Formulierung von Energy allerdings lässt keine Zweifel: Schmid geht nicht freiwillig. Energy habe sich von Schmid getrennt, steht in der Mail-Antwort.

Die Programmleitung von Energy Basel hat seit rund einer Woche Nik Eugster inne, der bisherige Programmleiter von Energy Bern. «Das ist für uns eine ideale Lösung», sagt Büchi. Eugster werde künftig für beide Standorte verantwortlich sein.

Der erneute Wechsel und die Berner Leitung werfen die Frage auf, wie viele Inhalte aus Basel noch über den Äther gehen. Denn immer öfter werden die Energy-Hörer von einem Moderator auf Züri- oder Bärndütsch begrüsst. Und die Zahl der redaktionellen Beiträge aus Basel scheint stetig zu sinken.

Konzessioniert ist der Sender aber als lokal-regionales Radioprogramm mit dem Auftrag, relevant zu informieren und journalistische Qualität zu garantieren.

Nik Eugster

Nik Eugster

Zur Verfügung gestellt

Kaum Unterschiede zu «Basilisk»

Bereits 2012 überprüfte das Bundesamt für Kommunikation (Bakom), ob Energy Basel nach Übernahme von Radio Basel die Konzession noch erfüllt. Grund war eine Interpellation des Baselbieter SP-Ständerats Claude Janiak im Bundesparlament. Er äusserte den Verdacht, Radiokonzessionen würden zur Handelsware.

Im Dezember kam das Bakom zum Schluss, der Auftrag sei gewährleistet, Energy Basel verletze die Konzession nicht. «Energy Basel verfügt über knapp genügend personelle Ressourcen zur Umsetzung des Leistungsauftrags», so die kurze Zusammenfassung der Untersuchung. Auch die Qualität wurde nicht beanstandet.

Bakom-Mediensprecherin Deborah Murith erklärt auf Anfrage: «Das Bakom kam aufgrund von Stichproben-Aufzeichnungen zum Schluss, dass das Programm von Energy Basel im Vergleich zu Radio Basilisk keine grossen Unterschiede in Bezug auf die Dauer und die Inhalte der lokal-regionalen Informationen zur Primetime aufweist.»

Das Resultat der Untersuchung konnte Janiaks Zweifel nicht ausräumen: «Meine Bedenken wurden nicht zerstreut.» Aufgrund der jüngsten Entwicklungen beim Lokalsender könne er sich durchaus vorstellen, im Rahmen der Debatte über die Revision des Radio- und TV-Gesetzes in der Sommersession nochmals nachzufragen, welche Minimalstandards es zur Erfüllung von Lokalradiokonzessionen brauche.

Keine Auskunft zu Mitarbeiter-Zahl
Im Rahmen der Konzessionsüberprüfung 2012 wies Energy 12,4 Vollzeitstellen für Basel aus, 4,6 davon in der Nachrichtenredaktion. Sicher ist, dass es seither immer wieder zu Kündigungen kam. Die Frage, wie viele Angestellte Energy Basel derzeit hat, beantwortet Büchi, ohne konkrete Zahlen zu nennen: «Die Anzahl der Mitarbeiter von Energy Basel hat sich in den letzten zweieinhalb Jahren kaum verändert.»

Allerdings seien die Nachwehen des Relaunchs noch spürbar, es gebe viele Wechsel, sagt Büchi. In den nächsten Monaten würden drei neue Mitarbeiter in Basel angestellt, weitere würden folgen, obwohl es schwierig sei, in Basel Leute zu finden.

Ab 1982: Betulicher Anfang, ein Jahr vor dem Sendestart.
10 Bilder
1983–1985: Das Logo für den Sendestart am 1. November.
1985–1987: Der Baselbieterstab ist verschwunden.
1987–1989: BL und das Wappen rücken wieder auf das Logo.
1989–1993: Kuschelradio.
1993–1995: Der Stempel verspricht professionelles Radio.
1995–2003: Adieu Raurach.
2003–2009: Eine Kampfansage an «Radio Basilsik».
2009–2012: Christian Heeb verspricht, das Radio neu zu erfinden.
Ab 2012: Austauschbar.

Ab 1982: Betulicher Anfang, ein Jahr vor dem Sendestart.