Nach «Mitte»-Skandal
Sexuelle Übergriffe im «Hirscheneck»: «Wir stehen erst am Anfang des Prozesses»

Nach schweren Vorwürfen gegenüber einem Koch des «Unternehmen Mitte» meldet nun auch das «Hirscheneck» sexuelle Belästigung und Übergriffe auf Mitarbeitende. Die beschuldigte Person wurde freigestellt.

Aimee Baumgartner, Silvana Schreier
Drucken
Teilen
Das Kollektiv des «Hirscheneck» wendet sich in einem Facebookpost an die Öffentlichkeit. Im Restaurant am Lindenberg 23 sei es zu sexuellen Übergriffen gekommen.

Das Kollektiv des «Hirscheneck» wendet sich in einem Facebookpost an die Öffentlichkeit. Im Restaurant am Lindenberg 23 sei es zu sexuellen Übergriffen gekommen.

Nicole Nars-Zimmer

«Wir sind wütend, betroffen und traurig», ist einem Facebook-Post des Restaurants Hirscheneck im Kleinbasel vom Mittwochabend zu entnehmen. Der Grund: Mehrere Mitarbeitende hätten berichtet, dass sie im Verlauf des vergangenen Jahres von einer Person des Kollektivs sexuell belästigt wurden und sexuelle Übergriffe im «Hirschi» erlebt haben.

«Es schmerzt uns und tut uns für alle Betroffenen sehr leid, dass auch das Hirschi nicht zu jeder Zeit ein sicherer Ort sein kann – so sehr wir uns das wünschen.»

Das «Hirscheneck» ist als Gastronomie- und Kulturbetrieb so organisiert, dass sämtliche feste Mitarbeitende Teil des Kollektivs sind. Die knapp 20 Mitglieder haben alle dasselbe Mitspracherecht und denselben Lohn, Vorgesetzte gibt es keine. Die übergriffige Person soll ebenfalls Teil dieses Kollektivs gewesen sein – laut der Mitteilung wurde sie mittlerweile freigestellt und hat ein unbefristetes Hausverbot erhalten. Strafanzeige wurde bisher nicht erstattet.

Lob ist nett, aber Änderungen müssen folgen

Nun will das Team die Betroffenen unterstützen und die Situation langfristig verbessern, heisst es in der Mitteilung. Es brauche nun Mut und Willen, die eigenen Strukturen zu hinterfragen, um Veränderungen zu ermöglichen.

«Wir wollen und können uns nicht aus der Verantwortung nehmen, da uns bewusst ist, dass auch wir Teil und Multiplikatoren der Missstände sind.»

Auf Anfrage sagt ein Mitglied des Kollektivs: «Wir werden uns nun überlegen müssen, ob wir externe Hilfe brauchen und welche Schritte nötig sind.» In den sozialen Medien erhält das «Hirschi» nun viel Lob für die offene Kommunikation. Gleichwohl mahnt das Kollektiv, man befinde sich noch im Prozess.

Erinnerung an «Mitte»-Skandal

In den vergangenen zwei Wochen sorgte das «Unternehmen Mitte» für einen ähnlichen Skandal. So soll es zu einem sexuellen Übergriff des Koch an einer Mitarbeiterin gekommen sein. Am Mittwoch veröffentlichten die Führungspersonen des «Unternehmen Mitte» eine Stellungnahme. Die Neuorganisation habe begonnen. Zudem soll eine Wirtschaftsprüfung in Auftrag gegeben worden sein.

Das «Hirschi»-Kollektiv hat die Berichterstattung zur «Mitte» verfolgt. «Die erste betroffene Person meldete sich aber vor mehreren Wochen bei uns, noch bevor die Berichterstattung über sexuelle Übergriffe bei der <Mitte> losging», so ein Mitglied gegenüber der bz. Damals seien schon mehrere Gespräche geführt und der Prozess gestartet worden.

Aktuelle Nachrichten