Politik
Nach Männerdominanz bei der SP: Diese bürgerlichen Frauen wollen auch in die Regierung

Bei der Basler SP dominieren die Männer die Kandidatenliste für den Regierungsrat. Das lässt den Bürgerlichen Spielraum für eigene weibliche Kandidaturen. Dementsprechend gibt es bereits prominente Interessentinnen. Mit klaren Aussagen halten sich die Bürgerlichen bezüglich der Kandidaturen aber noch zurück.

Ayse Turcan, Silvana Schreier
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Die Basler SP tritt im Herbst (von links) mit Tanja Soland, Kaspar Sutter, Beat Jans und Elisabeth Ackermann von den Grünen an.

Die Basler SP tritt im Herbst (von links) mit Tanja Soland, Kaspar Sutter, Beat Jans und Elisabeth Ackermann von den Grünen an.

zVg

Die Basler Sozialdemokraten machten am Montagabend, 27. April 2020, Nägel mit Köpfen. Zwei Männer und eine Frau werden für die SP ins Rennen um die Regierungsratssitze gehen. Zusätzlich verkündete die Partei erneut ihre Unterstützung der Grünen-Kandidatin und amtierenden Regierungsratspräsidentin Elisabeth Ackermann.

Die Sozialdemokraten halten damit die Frauenquote von 60 zu 40 Prozent ein und präsentieren mithilfe der Grünen gar ein ausgeglichenes Ticket. Trotzdem wird Kritik aus den eigenen Reihen laut. «Ich habe mir einen anderen Ausgang der Nomination gewünscht», macht Jessica Brandenburger klar. Sie sitzt für die SP im Grossen Rat und präsidiert die SP Frauen in Basel. «Es ist frustrierend und zeigt, dass die SP noch lange nicht so fortschrittlich ist, wie sie zu sein glaubt.»

Entscheid der Bürgerlichen fällt demnächst

Auf Twitter wurde die Frage laut, ob nun eine Kandidatin der Bürgerlichen den entscheidenden Regierungssitz gewinnen könnte. Brandenburger sagt: «Mir sind die Bürgerlichen egal. Sie waren noch nie unsere Verbündete in der Frauenfrage.» Gleichzeitig macht CVP-Präsident Balz Herter in einem Tweet deutlich, dass seine Partei und die Bürgerlichen über eine Frauenkandidatur nachdenken. «Wir Bürgerliche haben diverse Frauen im Gespräch. Wir präferieren eindeutig eine Frau, die zusammen mit den drei Bisherigen antritt», sagt Herter zur bz.

Bei der Basler LDP käme Parteipräsidentin Patrizia von Falkenstein infrage. Eben erst ist sie aus dem Grossen Rat ausgetreten. «Wir werden in den nächsten Wochen Nägel mit Köpfen machen», sagt sie gegenüber der bz. Für die LDP sei klar, dass als vierte Person auf dem bürgerlichen Ticket eine Frau stehen müsse. Sie selbst werde dies aber nicht sein.

Auch bei der FDP wird Zurückhaltung geübt. Karin Sartorius, Vorstandsmitglied der FDP und der FDP Frauen von Basel, ist gerade in den Grossen Rat nachgerückt. «Ich möchte mich jetzt zuerst im Kantonsparlament ausleben», sagt sie. Darum käme eine Regierungsratskandidatur zum jetzigen Zeitpunkt nicht infrage. Für sie wäre aber Nadine Gautschi eine geeignete Kandidatin. Die FDP-Politikerin versuchte bereits vergangenes Jahr den Sprung in die Basler Regierung. Ob sie erneut für eine Kandidatur zur Verfügung steht, ist unklar. Zur bz sagt Gautschi: «Ich möchte immer noch Regierungsrätin werden. Für eine Kandidatur müssten aber die Strategie und die Rahmenbedingungen stimmen.» Die Diskussionen darüber liefen noch.

Auch CVP-Grossrätin und Fraktionspräsidentin Andrea Elisabeth Knellwolf könnte für die Bürgerlichen antreten. Im Herbst 2019 verpasste sie die Wahl in den Nationalrat. Für die bz war sie gestern nicht erreichbar.

«Noch ist nichts entschieden. Ich wurde angefragt.»

(Quelle: Gianna Hablützel-Bürki, SVP-Grossrätin)

Bleibt die Basler SVP: Im Kantonsparlament ist die Partei mit Daniela Stumpf und Gianna Hablützel-Bürki vertreten. Daneben vertritt Jungpolitikerin Laetitia Block in letzter Zeit öfters die Interessen der Partei. Auf die Frage, ob sie sich eine Kandidatur für den Regierungsrat vorstellen könnte, sagt sie: «Nein, das wäre für mich zu früh.» Erstens stecke sie mitten in den Anwaltsprüfungen, zweitens möchte sie zuerst Erfahrungen im Grossen Rat sammeln.

Positiver beantwortet Gianna Hablützel-Bürki die Frage nach der Kandidatur: «Noch ist nichts entschieden. Ich wurde angefragt, aber kann heute noch keine verbindliche Antwort geben.» 2019 habe sie Erfahrung sammeln können während ihres Wahlkampfs für die Ständeratswahlen. Persönlich und politisch sei sie an der Aufgabe gewachsen. Die Entscheidung über ihre Kandidatur werde in den nächsten Tagen gefällt werden.

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