Basel
Nach Gauguin-Verkauf gibts drei Glückspilze und zwei Steuerzahler

300 Millionen Dollar Einnahmen – vermutlich steuerfrei: Der Rekordverkauf von Ruedi Staechelin bewegt die Schweiz. Die bz zeigt mit drei fiktiven Beispielen, weshalb nicht jeder Glückspilz gleich viel Glück hat.

Samuel Hufschmid
Drucken
Teilen
Am Sonntag öffnet die grosse Ausstellung «Paul Gauguin» in der Fondation Beyeler ihre Tore

Am Sonntag öffnet die grosse Ausstellung «Paul Gauguin» in der Fondation Beyeler ihre Tore

Keystone

«Ich gehe davon aus, dass beim Gauguin-Verkauf durch den Staechelin Family Trust keine Steuern fällig werden. Es gibt zumindest Möglichkeiten, mithilfe ausländischer Konstrukte die Besteuerung in solchen Fällen zu vermeiden», sagt ein Basler Steuerexperte, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Grundsätzlich sind solche Steuerkonstrukte nicht einmal nötig, um beim Verkauf eines Bildes aus Privatbesitz nicht zur Kasse gebeten zu werden. «Nur was zum geschäftlichen Vermögen gehört und gewinnbringend verkauft wird, unterliegt der Einkommenssteuer. Privatvermögen mit Gewinn zu verkaufen, ist in der Schweiz steuerfrei», bestätigt Christian Mathez, stellvertretender Leiter der Basler Steuerverwaltung. Für den Basler SP-Grossrat und alt Nationalrat Rudolf Rechsteiner ist das ein unhaltbarer Zustand.

«Ein Vermögenszuwachs ist nichts anderes als Einkommen. Gemäss Bundesverfassung müsste ein solcher Verkauf besteuert werden», sagt Rechsteiner, der 1998 die Initiative ‹für eine Kapitalgewinnsteuer› mitlanciert hatte. Diese wurde 2001 vom Volk abgelehnt. Wäre sie angenommen worden, hätte Staechelin beim Verkauf des Gauguin-Kunstwerks ‹Nafea› für 300 Millionen Dollar nach Schweizer Recht Gewinnsteuer bezahlen müssen, mutmasst Rechsteiner. «Zumindest wäre dies im Sinne der Initiative gewesen.»

Weil im Falle Staechelin Vieles unklar ist, sind Steuerberater mit Einschätzungen zurückhaltend. Aus diesem Grund erzählt die bz die Lebensgeschichte von drei fiktiven Personen, die Glück hatten und viel Geld verdienten.

Drei Beispiele, ein Gewinner

Zwei von ihnen, der Bauer und der Kunsthändler, mussten ihre Gewinne versteuern. Nur der Millionenerbe kam ohne Rechnung vom Steueramt davon.

Der Bauer Bauer E. W. (Name frei erfunden) hat in den 1950er-Jahren den Hof seines Vaters übernommen, baute Getreide an, eröffnete einen kleinen Hofladen und kümmerte sich gemeinsam mit seiner Frau, den Kindern und einem Angestellten um die 40 Kühe seines Betriebs. Im September 1981 brachte seine beste Milchkuh, nennen wir sie Blüemli, ein kräftiges Kalb zur Welt, das sich zu einem ausserordentlich potenten Zuchtstier entwickelte. Plötzlich strömten bei Bauer E.W. die Einnahmen, denn er konnte den Samen seines Zuchtstiers dosenweise zu hohen Preisen verkaufen. Die so erzielten Einnahmen rechnete er zum Gewinn aus Getreide- und Milchverkauf dazu, trug sie in der Steuererklärung ein und zahlte darauf Steuern. Im Januar 1986, sein Zuchtstier war damals fünf Jahre alt, unterbreitete ihm ein international tätiges Unternehmen ein Kaufangebot in der Höhe von 100'000 Franken. Bauer E.W., mittlerweile kurz vor dem Pensionsalter, ging den Handel ein, versteuerte den Gewinn und ging mit dem restlichen Geld gemeinsam mit seiner Frau auf eine mehrmonatige Reise.

Der Bauer Bauer E. W. (Name frei erfunden) hat in den 1950er-Jahren den Hof seines Vaters übernommen, baute Getreide an, eröffnete einen kleinen Hofladen und kümmerte sich gemeinsam mit seiner Frau, den Kindern und einem Angestellten um die 40 Kühe seines Betriebs. Im September 1981 brachte seine beste Milchkuh, nennen wir sie Blüemli, ein kräftiges Kalb zur Welt, das sich zu einem ausserordentlich potenten Zuchtstier entwickelte. Plötzlich strömten bei Bauer E.W. die Einnahmen, denn er konnte den Samen seines Zuchtstiers dosenweise zu hohen Preisen verkaufen. Die so erzielten Einnahmen rechnete er zum Gewinn aus Getreide- und Milchverkauf dazu, trug sie in der Steuererklärung ein und zahlte darauf Steuern. Im Januar 1986, sein Zuchtstier war damals fünf Jahre alt, unterbreitete ihm ein international tätiges Unternehmen ein Kaufangebot in der Höhe von 100'000 Franken. Bauer E.W., mittlerweile kurz vor dem Pensionsalter, ging den Handel ein, versteuerte den Gewinn und ging mit dem restlichen Geld gemeinsam mit seiner Frau auf eine mehrmonatige Reise.

Visionsi - Fotolia
Der Kunsthändler Kunsthändler O. D. (Name frei erfunden) kaufte bereits während seines Studiums in den 1940er Jahren Kunstwerke von damals noch wenig bekannten Künstlern. Im Lauf seines Lebens kaufte und verkaufte er hunderte Gemälde und brachte es damit zu einem beträchtlichen Vermögen. Am Ende jedes Jahres füllte er als professioneller Kunsthändler seine Steuererklärung aus und versteuerte damit den Verkauf der Bilder. Sein Lieblingsbild, 1949 mit den ersten Einkünften aus seinem Kunsthandel auf einem Pariser Flohmarkt für 120 Francs erstanden, hing jahrzehntelang über seinem Schreibtisch. Der Maler des Bildes wurde in den 1970er-Jahren zu einem gefragten Künstler, dessen Werke an Auktionen Millionenerträge erzielten. Kurz vor seinem 65. Geburtstag erhielt er ein Angebot über 15 Millionen Franken. O. D. dachte lange nach, ob er sein Lieblingsbild verkaufen und sich und seiner Frau einen schönen Lebensabend ermöglichen soll. Schliesslich sagte er zu, füllte ein letztes Mal seine Steuererklärung aus, kaufte sich im Berner Oberland ein Chalet, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Der Kunsthändler Kunsthändler O. D. (Name frei erfunden) kaufte bereits während seines Studiums in den 1940er Jahren Kunstwerke von damals noch wenig bekannten Künstlern. Im Lauf seines Lebens kaufte und verkaufte er hunderte Gemälde und brachte es damit zu einem beträchtlichen Vermögen. Am Ende jedes Jahres füllte er als professioneller Kunsthändler seine Steuererklärung aus und versteuerte damit den Verkauf der Bilder. Sein Lieblingsbild, 1949 mit den ersten Einkünften aus seinem Kunsthandel auf einem Pariser Flohmarkt für 120 Francs erstanden, hing jahrzehntelang über seinem Schreibtisch. Der Maler des Bildes wurde in den 1970er-Jahren zu einem gefragten Künstler, dessen Werke an Auktionen Millionenerträge erzielten. Kurz vor seinem 65. Geburtstag erhielt er ein Angebot über 15 Millionen Franken. O. D. dachte lange nach, ob er sein Lieblingsbild verkaufen und sich und seiner Frau einen schönen Lebensabend ermöglichen soll. Schliesslich sagte er zu, füllte ein letztes Mal seine Steuererklärung aus, kaufte sich im Berner Oberland ein Chalet, wo er bis zu seinem Tod lebte.

shotsstudio - Fotolia
Der private Kunstsammler Kunstsammler A. B. (Name frei erfunden) erbte von seinem Grossvater, einem Kunstliebhaber, mehrere wertvolle Gemälde, die dieser den damals unbekannten, mittellosen Malern Pablo Picasso und Vincent van Gogh abgekauft hatte. Zeit seines Lebens wurden die wertvollen Gemälde des Erben zunächst zu sehr wertvollen und später zu unglaublich wertvollen Bildern. Um seinen ausschweifenden Lebensstil zu finanzieren, verkaufte er in den 1960er-Jahren ein erstes Bild für 2 Millionen Franken. Steuern musste er dafür keine bezahlen, da er kein professioneller Kunsthändler ist und die Gewinnsteigerung des Bildes im Privatbesitz in der Schweiz steuerfrei ist. Lediglich sein zusätzliches Vermögen musste er versteuern. Als das Geld, sagen wir mal Ende 2014, aufgebraucht war, entschloss er sich, ein weiteres Erbstück zu veräussern. Eines, das mittlerweile zur Kategorie «unglaublich wertvolles Gemälde» gehört und, sagen wir mal, 100 Millionen Dollar einbrachte. Auch bei diesem Kauferlös handelt es sich nach Schweizer Recht um ein steuerfreier Kapitalgewinn.

Der private Kunstsammler Kunstsammler A. B. (Name frei erfunden) erbte von seinem Grossvater, einem Kunstliebhaber, mehrere wertvolle Gemälde, die dieser den damals unbekannten, mittellosen Malern Pablo Picasso und Vincent van Gogh abgekauft hatte. Zeit seines Lebens wurden die wertvollen Gemälde des Erben zunächst zu sehr wertvollen und später zu unglaublich wertvollen Bildern. Um seinen ausschweifenden Lebensstil zu finanzieren, verkaufte er in den 1960er-Jahren ein erstes Bild für 2 Millionen Franken. Steuern musste er dafür keine bezahlen, da er kein professioneller Kunsthändler ist und die Gewinnsteigerung des Bildes im Privatbesitz in der Schweiz steuerfrei ist. Lediglich sein zusätzliches Vermögen musste er versteuern. Als das Geld, sagen wir mal Ende 2014, aufgebraucht war, entschloss er sich, ein weiteres Erbstück zu veräussern. Eines, das mittlerweile zur Kategorie «unglaublich wertvolles Gemälde» gehört und, sagen wir mal, 100 Millionen Dollar einbrachte. Auch bei diesem Kauferlös handelt es sich nach Schweizer Recht um ein steuerfreier Kapitalgewinn.

Mumpitz - Fotolia

Aktuelle Nachrichten