Beschwerde
Nach Fan-Beschwerde: FC Basel prüft ein Rauchverbot im St. Jakob-Park

Ein FCB-Anhänger kündigt sein Jahresabo wegen dauerqualmender Sitznachbarn. Jetzt fasst der FC Basel ins Auge, im Joggeli ein generelles Rauchverbot einzuführen – oder zumindest Sektoren auszuscheiden, in denen nicht mehr geraucht werden darf.

Benjamin Wieland
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Der FC Basel zählte im vergangenen Jahr rund 24 000 Jahreskarten-Besitzer. Auch Robert Forcella war einer von ihnen – bis vor fünf Tagen: Da schickte der Arlesheimer seine Karte zurück, ebenso diejenige seiner Frau.

Der Grund: die Raucher im St. Jakob-Park. Regelrecht einnebeln würden diese ihn, seine Frau und seine beiden Söhne auf dem Balkon im Sektor C1. «Wir sind umzingelt von einer Art Kettenraucherclub», klagt Forcella. «Viele Sitznachbarn qualmen von An- bis Abpfiff ununterbrochen. Das nehmen wir nicht mehr hin.» Auch die Söhne würden mit dem Gedanken spielen, die Karten Ende Saison zu retournieren.

Bereits im Januar forderte Forcella die Clubleitung dazu auf, im Joggeli Nichtraucherzonen einzurichten. Dies als Kompromiss gegenüber der Radikallösung, einem allgemeinen Rauchverbot. Der damalige Mediensprecher Josef Zindel antwortete kurze Zeit später mit einem langen E-Mail. Er habe Verständnis für das Anliegen, teilte er Forcella mit. Das Thema beschäftige den Club schon lange – ein generelles Rauchverbot werde ins Auge gefasst.

Rauchen: Nur Thun kennt Totalverbot

Ein Rauch- und Alkoholverbot in Fussballstadien forderte Fifa-Boss Sepp Blatter im Dezember 2012. Seither ist die Diskussion immer wieder aufgeflammt, zumindest um die Glimmstängel. In den Spielstätten der Super League ist das Rauchen mit Ausnahme von einigen rauchfreien Zonen erlaubt. Nur die Arena Thun setzt ein generelles Rauchverbot durch. In Grossbritannien ist das die Regel: Dort wurden Zigaretten generell aus Fussballstadien verbannt. Und einige deutsche Clubs erklärten den Innenraum ihrer Stadien zur rauchfreien Zone. Nicht jedoch Freiburg: Im Dreisam-Stadion des SC Freiburg darf weiterhin geraucht werden. (bwi)

Nun wird sich der Verwaltungsrat demnächst mit der Einführung des Verbots oder aber rauchfreien Sektoren beschäftigen. Das bestätigt Mediensprecherin Andrea Roth. «In einer der nächsten Sitzungen wird das diskutiert», verspricht sie.

Guerilla-Aktion abgeblasen

Vor einer Umsetzung zögert der FCB offensichtlich noch. Die Clubleitung fürchtet, dass viele Fans ein Verbot nicht akzeptieren würden. Der Club könnte «wertvolle Jahreskartenbesitzer verlieren», hiess es in Zindels Antwort von Anfang Jahr. Forcella war des Wartens bereits im November überdrüssig. Er gestaltete Anti-Raucher-Plakate. Diese wollte er am letzten Spiel vor der Winterpause Mitte Dezember im Stadion verteilen – als «Akt der Notwehr», wie er es beschreibt. Forcella kündete seine Guerilla-Aktion dem FC Basel an. Dieser teilte ihm mit, dass er die Plakate als Veranstalter nicht billigen könne. Daran hielt sich Forcella.

Beim FCB ist das Rauchverbot nicht zum ersten Mal aufs Tapet geraten. Bereits 2008 erwog er die Verbannung der Glimmstängel – kurze Zeit, nachdem der FC Vaduz sein Stadion, mit Ausnahme eines kleinen Bereichs, zur rauchfreien Zone erklärt hatte. Auch Sepp Blatter forderte 2012 ein Tabak- und Alkohol-Verbot in Fussballstadien (siehe Kasten).

Fans sind gespalten

Die Meinungen der Fans gehen beim Thema Tabak auseinander. Der Präsident eines grösseren offiziellen Fanclubs, der namentlich nicht erwähnt werden möchte, sagt auf Anfrage, es sei nur eine Frage der Zeit, bis das Verbot komme. «Vor zwanzig Jahren hätte auch niemand geglaubt, dass man dereinst in Restaurants nicht mehr rauchen darf.»

Eve Morel, Vorstandsmitglied des Fanclubs «Earthquake1356», glaubt, dass ein Rauchverbot einigen Mitgliedern den Matchbesuch vergraulen würde: «Für viele gehören ein Bier und eine Zigi einfach dazu.» Sie plädiert für mehr Toleranz. Mit den Rauchern sollte das Gespräch gesucht werden.

Genau das hatte Forcella auch schon getan. Doch die Angesprochenen hätten sich stur gezeigt. Auf andere Plätze ausweichen sei auch keine Option – vor allem nicht bei gut besuchten Begegnungen: «Wir möchten die Spiele als Familie geniessen. Meistens ist es gar nicht möglich, vier andere Sitze nebeneinander zu finden. So ist uns nichts anderes übrig geblieben, als sitzen zu bleiben im Qualm.»