Homophobie
Nach Angriffen im Schützenmattpark: Trifft neue Gewaltwelle die Schwulen?

In den letzten zwei Monaten mehrten sich die Überfälle auf Männer im Basler Schützenmattpark.

Dominique Waldmann
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Juri Junkov

Der Schützenmattpark ist nicht der sicherste Ort in Basel, vor allem nicht in der Nacht. Aktuell spitzt sich die Lage zu: In den vergangenen beiden Monaten verzeichnete die Staatsanwaltschaft vier Überfälle im Schützenmattpark, davon ereigneten sich drei mitten in der Nacht und einer um 7.30 Uhr morgens. In allen Fällen sind die Opfer männlich. Von ihnen sind drei über 50 Jahre alt und beim Übergriff verletzt worden. Das Jahr zuvor erfasste die Staatsanwaltschaft bloss einen Überfall. Der Schützenmattpark ist seit Jahren als Schwulentreff bekannt.

«Es gibt keine Hinweise, die besagen, dass Delikte gegen eine bestimmte Bevölkerungsschicht begangen werden», sagt René Gsell, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. Zwischen den Vorfällen sehe die Staatsanwaltschaft noch keinen Zusammenhang. Neben dem Alter und der Uhrzeit gibt es aber den: Drei Überfälle haben sich in der Nähe der Toilette beim Kiosk des Parks zugetragen. «Männer aller Art treffen sich in der Nacht gerne bei der Toilette, um sich zurückzuziehen. Das ist bekannt», sagt Peter Thommen, Betreiber der auf homosexuelle Literatur spezialisierten Buchhandlung Arcados. Gerade diese Toilette sei gefährlich, da sie nur einen Ausgang hat. Er kennt die Schwulenszene und hat die homophoben Gewaltwellen der Neunzigerjahre miterlebt.

Der umstrittene Treffpunkt

Thommen könne sich gut vorstellen, dass sich die Überfälle gegen Schwule richten. «Solche Wellen gibt es immer wieder, dafür muss man nicht nach Orlando gehen. Die jungen Leute müssen in jeder Generation aufgeklärt und informiert werden», sagt er. In den letzten Jahren habe er die gewaltbereite Schwulenfeindlichkeit zwar weniger gespürt. «Von den Überfällen habe ich aber gehört», sagt er. Für ihn und sein homosexuelles Umfeld sei klar: Der Schützenmattpark ist ein Treffpunkt für Schwule, aber eben ein gefährlicher. Vor allem diejenigen, die selten den Park besuchen würden, seien gefährdet. «Wer selten da hingeht, kennt die Leute nicht und weiss nicht, wer zur Szene gehört», sagt Thommen. Jeden Sommer werde der Park zum stark genutzten Begegnungsort für Schwule. Thommen geht von einer jüngeren Täterschaft aus. Tatsächlich sucht die Polizei in einem der vier Fälle einen 15- bis 25-jährigen Täter.

Mario de Feo, Betreiber des Schützenmatt-Pavillons, hat von den Überfällen nur wenig mitbekommen. Er wisse aber, dass die Sommermonate heikel sind: «Seit neun Jahren arbeite ich hier. Wenn es dunkel ist, wird der Park zu einem gefährlichen Ort.» Etwa um
23 Uhr gehe er nach Hause. In den letzten zwei Monaten habe er jeden Abend eine Männergruppe im Park patrouillieren gesehen. «Was die genau wollen, weiss ich nicht», sagt er. Einzelne Männer sehe er auch immer wieder abends im Park stehen.

Basel zeigt sicht intolerant

Heike Bittel, im Vorstand des Quartiervereins Bachletten-Holbein, weiss auch nichts von den Vorfällen. Auf das Thema angesprochen, sagt sie: «Basel wirkt für mich intolerant, die Gesellschaft muss sich stärker öffnen.» Jeder, der wegschaue und solche Überfälle ignoriere, sei schuldig. «Ich als Frau würde bei einer Streiterei zwar nicht intervenieren», sagt sie. Aber man könne immer etwas unternehmen.

Johannes Sieber, Geschäftsführer von Gay Basel, kennt den Schützenmattpark als Schwulentreff und dessen Gefahr und sagt: «Von Bekannten habe ich auch schon Geschichten über den Park gehört.» Auch an anderen Orten würde er sich nicht mit seinem Partner blicken lassen. «Vor dem ‹Fame› würde ich keinem schwulen Pärchen raten, zu knutschen.» Laut Sieber fallen tendenziell an Orten, die von «Proleten» aufgesucht werden, «dumme schwulenfeindliche» Sprüche. Da die Homosexualität aber nicht sichtbar ist, halte sich die spürbare Homophobie in Grenzen. «Auf politischer Ebene ist Basel eher schwulenfreundlich», sagt er. Gay Basel setzt sich als Non-Profit-Organisation für die homosexuelle Kultur ein.

Das Statistische Amt erstellt Stadtkarten, auf denen die Delikte der letzten Jahre eingetragen sind. Die Karten machen deutlich: In Basel gibt es «Gefahren-Zonen» (Stand 2014). Das Rotlichtquartier im Kleinbasel, der untere Rheinweg und der Schützenmattpark gehören dazu. «Wo sich bei schönem Wetter mehr Leute treffen, können sich auch mehr Straftaten ereignen», relativiert Gsell. Das könne zu entsprechenden statistischen Häufungen führen. Die Polizei registriere alle Überfälle und wisse somit, wo sich mehr Delikte ereignen. Für die Schwulen aber dürfte klar sein: Der Schützenmattpark ist und bleibt unsicher.