Ein Forschungsteam hat nun das Rätsel um den mysteriösen Papyrus gelöst, wie die Universität Basel am Donnerstag mitteilt.

Beim unbekannten, beidseitig in Spiegelschrift beschrieben und einzigartigen Papyrus handle es sich um eine "unbekannte medizinische Schrift aus der Antike". Der Text stamme wahrscheinlich "aus der Feder des berühmten griechischen Arztes Galen".

Noch viel erstaunlicher: Erst durch die vom Basler Digital Humanities Lab angefertigten Ultraviolett- und Infrarot-Aufnahmen habe jetzt festgestellt werden können, dass es sich bei diesem 2000 Jahre alten Dokument gar nicht um einen einzigen Papyrus handle, sondern um mehrere ineinander verklebte Papyrusschichten. Für die Trennung der Lagen sei ein spezialisierter Papyrusrestaurator nach Basel geholt worden. Darum habe das griechische Schriftstück nun erstmalig entziffert werden können.

Ein literarischer Papyrus

«Das ist eine sensationelle Entdeckung», so Sabine Huebner, Professorin für Alte Geschichte an der Universität Basel. «Bei der Mehrheit aller Papyri handelt es sich um dokumentarische Schriftstücke, wie Briefe, Verträge und Quittungen. Hier handelt es sich allerdings um einen literarischen Text und die sind ungleich wertvoller».

Komme hinzu, dass er einen bislang unbekannten Text der Antike überliefere. «Wir können jetzt sagen, dass es sich um eine medizinische Schrift aus der Antike handelt, die das Phänomen des ‹hysterischen Atemstillstands› beschreibt», fährt Huebner fort. «Und wir gehen davon aus, dass es sich entweder um einen Text des griechischen Arztes Galen handelt oder aber um einen unbekannten Kommentar zu dessen Werk.»

Galen (circa 129–216 n.Chr.) gilt nach Hippokrates als der bedeutendste Arzt des Altertums.

Der Hinweis aus Italien

Der entscheidende Hinweis sei aus Italien gekommen. Ein Experte habe Parallelen zu den berühmten «Ravenna Papyri» aus der Kanzlei der Erzdiözese Ravenna gesehen.

Unter diesen fanden sich viele antike Handschriften des Galen, bei denen später die Handschrift abgeschabt wurde. Somit konnte das Papier wiederverwendet werden, wurde also überschrieben. Ein ähnliches mittelalterliches Recycling könnte auch dem Basler Papyrus wiederfahren sein, der aus mehreren zusammengeleimten Lagen bestand und vermutlich als Bucheinband genutzt wurde.

Auch ein zweiter Basler Papyrus in lateinischer Schrift soll aus der Erzdiözese Ravenna stammen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden diese dann aus dem Archiv entwendet und von Kunstsammlern als «Kurosität» gehandelt.

Digitale Möglichkeiten für die Forschung nutzen

Die Entdeckung ist Huebner im Zuge eines vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Editionsprojektes gelungen. Seit drei Jahren erforscht sie zusammen mit einem interdisziplinären Team und in Zusammenarbeit mit dem Digital Humanities Lab der Universität Basel die Papyrussammlung, die unterdessen digitalisiert, transkribiert, kommentiert und übersetzt wurde. In einer Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel hatte das Projektteam im vergangenen Jahr bereits die Geschichte der Papyrussammlung vorgestellt. Die Veröffentlichung sämtlicher Ergebnisse ist für Anfang 2019 geplant. (jk)