Basel
Multiplex statt Aquarium? Tierschützer lancieren Gegenvorschlag zu Ozeanium

Das geplante Ozeanium des Zolli Basels stösst auf Widerstand: Nun hat die Fondation Franz Weber eine andere Idee. Ein Multimedia-Zentrum wäre die Lösung, denn Grossaquarien würden den Tieren schaden.

Céline Feller
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Das Ozeanium passt den Tierschützern der Fondation Franz Weber überhaupt nicht.

Das Ozeanium passt den Tierschützern der Fondation Franz Weber überhaupt nicht.

Architektur: Boltshauser Architekten / Visualisierungen: nightnurse images, Zürich

«Bahnbrechend, innovativ und neuartig» sei das Projekt «Vision Nemo» von der Fondation Franz Weber (FFW), verspricht Vizepräsidentin Vera Weber gestern bei der Präsentation gegenüber den Medien. Der Gegenvorschlag zu dem vom Zolli geplanten Ozeanium kann als eine Art interaktives Multiplex-Kino verstanden werden, welches sich modernster Mittel wie Computeranimationen, Imax- und XD-Technologie und Projektionen bedient.

Das Ozeanium hingegen sei «aus dem letzten Jahrhundert und passt nicht in das innovative Basel und in das 21. Jahrhundert», sagt Weber. Die Initianten sprechen dem Ozeanium jegliche Nachhaltigkeit und jeden pädagogischen Nutzen ab: «Einen Ozean in einem Aquarium wiederzugeben entspricht etwa dem Versuch, die Vielfalt des Regenwaldes in einem Blumentopf aufzuzeigen. Es ist schlicht ein schlechter Nachbau», erklärt die Meeresbiologin von der FFW, Monica Biondo.

Im Jahre 2020 soll das Ozeanium auf der Heuwaage seine Türen öffnen. Aussenansicht
14 Bilder
Das Ziel der Projektträger des Basler Zoo ist klar: Es wird ein Zentrum für Umweltbildung entstehen, welches ein markantes Zeichen setzt für Naturschutz und Nachhaltigkeit. Eingang
Der Zoo Basel wird die Finanzierung und den Betrieb ohne jede behördliche Unterstützung sicherstellen. Quallen-Aquarium
Das geplante Ozeanium wird reich sein an Attraktionen. Schwarm-Aquarium
Spektakuläre Aquarien mit Korallenriffen... Korallen-Aquarium
...eine faszinierende Abfolge von Lebensräumen, von denen jeder seine eigene Geschichte hat... Korallen-Aquarium
...eine endlos lange Schwimmbahn für Pinguine... Pinguine von unten
...Schwärme von Leuchtfischen... Schwarm-Aquarium
..Haie, Seeotter und ein spektakulärer Riesenoctopus werden alle Platz finden. Offener Ozean Aquarium
Der Zoo Basel sieht das Ozeanium als perfekte Ergänzung zum bestehenden Vivarium. Offener Ozean Aquarium
Das Ozeanium wird so wenig Energie, wie nur möglich, verbrauchen; alle Ressourcen werden mehrfach genutzt. Längsschnitt
Neben Solaranlagen und der Abwärme von Pumpen wird auch die Abwärme der Besucher rezykliert. Querschnitt
Die Erstellungskosten werden knapp über 100 Millionen Franken betragen. Querschnitt
Das Geld soll vor allem über Spenden zusammenkommen. Querschnitt

Im Jahre 2020 soll das Ozeanium auf der Heuwaage seine Türen öffnen. Aussenansicht

Zur Verfügung gestellt

«Vision Nemo» hingegen erfülle den Bildungsauftrag mit seinen «sinnlichen, interaktiven Reisen durch bewegte, bewegende, dreidimensionale Bild- und Klangwelten». Der Besucher tauche mit einer virtuellen Box in die Welt des Ozeans ein, als wäre er mittendrin. Einziger Schönheitsfehler: es fehlen sowohl Wasser als auch Tiere. So viel zum Thema mittendrin.

Alles noch sehr vage

So blühend die Fantasie der Initianten ist, was den zukünftigen Inhalt angeht, so unkonkret sind die bisherigen Schritte der FFW. «Bis jetzt war Nemo streng geheim. Wir haben die Idee erst jetzt lanciert, deshalb suchen wir erst jetzt Partner», versucht Weber zu erklären, wieso noch keine Partner bereitstehen.

Dass neben Partnern aber auch noch sämtliches Geld fehlt, gibt Weber erst auf Nachfrage zu. Während das Projekt des Zolli schon fortgeschritten ist und vom Investitionsvolumen für das Ozeanium bereits zehn Prozent vorhanden sind, ist die Vision Nemo insgesamt noch sehr vage. 80 Millionen könnte der Bau zirka kosten, wo er hinkommen soll, ist ungewiss. «Wir könnten uns auch vorstellen, das Gebäude, welches für das Ozeanium geplant wird, zu übernehmen», so Weber. Genauso unklar ist die Antwort auf die Frage, wer diese grosse Summe bereitstellen soll. «Wir werden Stiftungen anfragen und auf die reichen Leute von Basel zugehen», so Weber.

«Korallenfische sind Wegwerfware»

Doch wieso macht sich die FFW überhaupt die - scheinbar sinnlose - Mühe, gegen den Bau des Ozeaniums vorzugehen? «Bis zu 80 Prozent der Fische sterben beim Fangen. Und nur einer von 50 gefangenen Korallenfische überlebt das erste Jahr in einem Aquarium. Die Korallenfische sind Wegwerfware. Stirbt einer, wird er einfach ersetzt. Die Aquarien bedienen sich im Selbstbedienungsladen Meer», kritisiert Biondo das Vorgehen der Grossaquarien.

Nichtsdestotrotz schaffen es die FFW-Vertreter bis zum Schluss nicht, mit ihrer Präsentation zu überzeugen. Um der Dringlichkeit der Umsetzung ihrer «Weltpremiere» Nachdruck zu verleihen, betont Weber: «Wenn es Basel nicht macht, macht es jemand anderes». Seis drum.

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