Vandalismus
Monatelange Schilderplage nach Basler Frauenstreik – der Staat zahlt immer noch Reinigung und Ersatz

Überklebte Strassenschilder sorgten für Erheiterung und Aha-Effekte während des Frauenstreiks. Doch die Kleber auf den Strassenschilder waren hartnäckig – und hingen monatelang in Basel. Die neuen Schilder bezahlt der Staat.

Andreas Schwald
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Frauenstreik-Schilder
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Kurz nach Recherche-Anfrage ersetzt: Das brandneue Schild am Tellplatz.
Am 14. Juni angebracht: Hier die überklebte Utengasse im Kleinbasel.
Von der Fasnacht bekannt: Kleber auf Strassenschildern wie am Frauenstreik auf der Mittleren Brücke.

Frauenstreik-Schilder

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Die Aktion sass. Anlässlich des Frauenstreiks vom 14. Juni wurde nicht nur der Basler Roche-Turm mit einem gigantischen Logo bestrahlt, Aktivistinnen überklebten in der Nacht auf den Streiktag auch diverse Strassenschilder in Gedenken an Figuren der Frauengeschichte. So hiess der Tellplatz im Gundeli neu Heidiplatz, aus der Mittleren Brücke wurde die Streikallee und aus der Utengasse die Goegg-Pouchoulin Gasse. Das sorgte für zusätzliche Aufmerksamkeit für die Anliegen der aktuellen Frauenrechtsbewegung.

Doch so unterhaltsam bildungsbürgerlich die Schilderaktion war, so zäh war sie: Der Kleber hält gut, die papiernen Beschriftungen überlebten die Hitze und ein paar Regentage im Sommer. Sehr zum Leid einiger Anwohner: Das zum Hausarbeitsberg deklarierte Imbergässlein im Herzen der Innenstadt nervte einen Nachbarn mit der Zeit derart, dass er sich auch bei der Redaktion der bz beschwerte. Zumal sichtlicher trotz Entfernungsversuche die Reminiszenz an den Frauenstreik einfach nicht weichen wollte.

Vandalismus zu Lasten der Basler Staatskasse

«Wenn ein Schild stark verklebt ist, lohnt es sich, dieses ganz zu ersetzen», sagt Martina Hilker, Sprecherin des Basler Bau- und Verkehrsdepartements (BVD), auf Anfrage der bz. Was im Zug der Recherche auch gleich getan wurde: Kurz nach Eintreffen der Antworten waren die Schilder am Imbergässlein und am Tellplatz sogleich durch neue ersetzt worden.

Frauenstreik 2019 (Basel)
12 Bilder
Dieses Motiv geht in die Annalen ein: Das am Vorabend auf den Roche-Turm projizierte Logo des Frauenstreiks, aufgenommen per Drohne.
So blickte die Basler Bevölkerung auf das abendliche Spektakel am Rhein.
Die Kundgebenden trafen sich am Nachmittag auf dem Basler Theaterplatz – es kamen Hundertschaften.
Der Frauenstreik manifestierte sich nachmittags in einer Blockade auf dem Claraplatz.
Besonders im Kleinbasel wurden Strassenschilder – hier die Utengasse – temporär einflussreichen Frauen gewidmet.
Die weibliche Regierung spricht: SP-Finanzdirektorin Eva Herzog am Rednerpult, Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) lauscht.
Am Käppelijoch auf der Mittleren Brücke: Fahne, BH, Liebesschlösser.
Für Streikteilnehmende gibts in Basel eine Kita im «Unternehmen Mitte».
Am frühen Morgen war der Verkehr beim Spalentor blockiert, als Zeichen des Streiks.
Feminines Halteverbot am Basler Marktplatz.
Bereits am 1. Mai gingen die Frauen in Basel mit dem violetten Banner auf die Strasse.

Frauenstreik 2019 (Basel)

Franziska Zambach

Das kostet – und zwar den Staat. Denn, so Hilker: «Vandalismus führt immer zu Folgekosten für die Staatskasse, es sei denn, die Verursacher sind bekannt und können belangt werden.» Nach dem Frauenstreik sei eine bereichsübergreifende Equipe mit der Beseitigung der Schäden durch den Frauenstreik beauftragt worden. Gereinigt oder ersetzt wurde nach Prioritäten der Verkehrssicherheit. «Generell können wir sagen, dass neben dem Frauenstreik auch während der Basler Fasnacht Schilder beklebt werden.» Dasselbe gelte für FCB-Kleber. Auch hier wird in der Regel zulasten der Steuerzahler aufgeräumt.

Das BVD sei froh um jeden Hinweis, wo es noch veränderte respektive überklebte Tafeln habe, damit diese «relativ zeitnah» gereinigt werden können. Grundsätzlich sei nach einer Meldung allerdings mit bis zu zwei Wochen zu rechnen, bis die Schilder gereinigt sind. Gemessen an den bis zu vier Monaten, die einige Streikschilder überdauerten, also eine relativ kurze Zeit.

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