Trotti statt Taxi

Mit dem Flitzer an die Fasnacht: Die E-Mobilen machen mobil

Ist dieser Morgestraich-Teilnehmer noch fahrtauglich? Falls nicht: Finger weg vom Fasnachts-E-Trotti.

Ist dieser Morgestraich-Teilnehmer noch fahrtauglich? Falls nicht: Finger weg vom Fasnachts-E-Trotti.

Dieses Jahr buhlen nun zum ersten Mal E-Mobil-Verleiher um die Gunst der Fasnächtler. Und so wollen sie von den müden Fasnächtlern profitieren.

Man kennt es. Es ist spät, sehr spät, eigentlich ist es ja schon wieder früh, und der Fasnächtler will nur noch nach Hause. Fährt bereits das erste Tram: umso besser, das ist die günstigste Lösung, wenn auch unattraktiv wegen des grellen unfasnächtlichen Lichts. In der Regel fällt die Wahl auf Marschieren oder klassisch auf ein Taxi. Doch das kostet, und je nach Distanz sogar ziemlich viel.

Dieses Jahr buhlen nun zum ersten Mal E-Mobil-Verleiher um die Gunst der Fasnächtler. Nach dem vorläufigen Aus für die Verleih-E-Scooter von «Lime» stürmten die Anbieter «Tier» und «Flash» die Stadt. Beide bieten ebenfalls E-Trottis an, die von «Flash» sind mit zusätzlichen Schikanen wie Stossdämpfer und Handyhalter ausgerüstet. Perfekt also für den schnellen Ritt an die Fasnacht oder von der Fasnacht nach Hause, wie von einigen Unternehmen auf Facebook geworben wurde? Nicht ganz.

So sagt der Basler Polizeisprecher Martin Schütz: «Es gelten für diese Fahrzeuge während der Fasnacht dieselben Regeln wie vor und nach der Fasnacht.» Das heisst auch: nichts mit betrunken fahren. Benutzen darf ein Fahrzeug nur, wer in fahrtauglichem Zustand ist. Zudem sind auch die temporären Signalisationen während der drei Tage zu beachten.

Kommt hinzu, dass sich die gesamte Basler Innenstadt trotz der nach wie vor geltenden Verkehrsregeln in einem absoluten Ausnahmezustand befindet: Besonders an den Nachmittagen ist sie so stark bevölkert wie selten das Jahr hindurch, der Boden ist mit Räppli und Abfällen bedeckt – und praktisch alle Veloabstellplätze sind aufgehoben. So wird nicht nur das Manövrieren mit den Gefährten zu einer gefährlichen Herausforderung, auch das simple Abstellen ist schwierig.

«Pick-e-Bike» meidet Innenstadt

Das ist mit ein Grund, weshalb einer der grössten E-Mobilitäts-Anbieter der Region die Innenstadt während der Fasnacht meidet. Die Firma «Pick-e-Bike», Verleiher von Elektrovelos, hat während der Fasnacht sogar einen speziellen «Fasnachts-Perimeter» definiert, in dem die Fahrzeuge gar nicht erst abgestellt werden können. Technisch ist das so gelöst, dass die übers App gebuchte Miete innerhalb des Perimeters nicht beendet werden kann. Wer das E-Bike dennoch stehen lässt, berappt jede Minute Wartezeit.

So sagt auch Micha Rink, Betriebsleiter von «Pick-e-Bike», dass Zufahrten zur Fasnachtszone zwar möglich seien, doch wer innerhalb der Zone eines mieten will, muss den Perimeter erst einmal verlassen. «Das hat vor allem damit zu tun, dass die Veloabstellplätze aufgehoben sind und wir somit keine Parkiermöglichkeiten in der Innenstadt anbieten können», erklärt Rink. Daher habe sich das Unternehmen entschieden, eine Grenzlinie zu ziehen. Und zwar vom Samstag vor der Fasnacht bis am Donnerstagmorgen um acht Uhr. Rink aber versichert, dass entlang der Zonengrenze in der Regel ausreichend Bikes für die Kunden bereitstehen würden.

Stephan Brode, Geschäftsführer von «Pick-e-Bike», ergänzt mit einer gewissen Kenntnis der lokalen Verhältnisse: «Die Basler Innenstadt ist während der Fasnacht schlicht zu voll. Schliesslich gibt es gute Gründe, weshalb die Veloabstellplätze aufgehoben sind.» Der «Fasnachts-Perimeter» reicht entsprechend vom Petersgraben über die Heuwaage dem Aeschengraben entlang bis zur Messe und zurück an den Totentanz.

Am Rande warten die Chauffeure

Ebenfalls einen Perimeter definiert hat das Transport-Dienstleistungsunternehmen «Uber», einer der schärfsten Konkurrenten auf dem Basler Taxi-Markt. Die Firma macht es sich während der Fasnacht einfach und bietet sogenannte Abholorte an. Diese befinden sich just an jenen Orten, wo wankende Fasnächtler traditionellerweise einem regulären Taxi zusteigen.

Da auch «Uber» nicht in die Innenstadt fahren darf, heisst es auf Facebook: «Während dieser Zeit empfehlen wir dir ein paar Abholorte in der Innenstadt und entlang der Cortège-Routen, damit du bei einer Bestellung mit der Uber App deinen Fahrer schnell finden kannst.» Dazu wählt man in der App einen von 13 Orten entlang eines ähnlichen Perimeters wie demjenigen von «Pick-e-Bike» an, die von «Uber»-Fahrern bevorzugt angesteuert werden.

Den müden Fasnächtlern bleibt also unter dem Strich nicht erspart, zumindest einen Teil des Heimwegs zu Fuss zurückzulegen. E-Trottis dürften mangels Abstellplätzen und wegen des Menschenandrangs kaum aufzufinden sein, andere Anbieter gelangen nur bis an den Rand der Zone, die etwas über die ohnehin autofreie Innenstadt hinausreicht.

Dafür hat sich dort dank den Markteintritten und Marketingmassnahmen das Angebot gegenüber bisher geradezu vervielfacht. Und sollte man die Fasnachtszone sogar fahrtauglich, also nüchtern, verlassen, eröffnen sich dank E-Mobil-Verleihern ganz neue Möglichkeiten. Vorausgesetzt, das meist doch etwas aufwendigere Kostüm lässt die Benützung dieser Gefährte zu.

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