Konzert

Melancholische Cello-Eleganz in der Martinskirche am «Concerto en Sol»

Dirigent Silvain Cambreling fügte Sol Gabetta und Kammerorchester zusammen.

Dirigent Silvain Cambreling fügte Sol Gabetta und Kammerorchester zusammen.

Die Cellistin Sol Gabetta und das Kammerorchester Basel boten innige Momente mit Wolfgang Rihms neuem Konzert.

Es passiert in der ersten solistischen Cello-Kadenz von Wolfgang Rihms Konzert «Concerto en Sol»: Der andauernde musikalische Fluss wird plötzlich unterbrochen, das Publikum lauscht gespannt und die Cellistin Sol Gabetta hüllt mit «ihrem» Solo den Kirchenraum ein. Und zwar so, wie man es von ihr kennt: Mit kraftvoller Linienführung und ausreichend melancholischer Eleganz.

Dass sich zum Solo für kurze Zeit ein Martinshorn gesellt, bereichert den innigen Moment sogar eher, als dass er ihn stört. Es kommt einem vor, als hätten Solistin, Orchester und Dirigent auf genau diese Passage hingearbeitet. Auch die Ein- und Ausleitung dieser und der anderen Kadenzen gelingt vortrefflich. Ganz behutsam wirken das Kammerorchester Basel (KOB) und Gabetta da miteinander – «sonst eher nebeneinander», wie eine junge Berufsmusikerin im Publikum kommentiert.

Diese Meinung kann man vertreten, ihr aber auch widersprechen: Tatsächlich fliessen Solistin und Orchester im Stück neben- und miteinander, auf und ab. Zu Beginn vielleicht etwas zu zaghaft und unausgeglichen, gegen Ende mit mehr Selbstvertrauen. Jedoch: Es ist die Hörinterpretation eines neuen Werks, ohne Vergleichsmöglichkeiten – und das ist das Schöne an Uraufführungen. Auch das Publikum begrüsst das Werk gebührend mit anerkennendem Beifall.

Führung des Orchesters mit reduzierten Gesten

Sylvain Cambreling passt gut zu diesem Cello-Konzert. Rihms Musikstil ist Cambreling aus seiner Zeit beim SWR Sinfonieorchester bestens vertraut. Seine Führung des Orchesters mit reduzierten Gesten funktioniert gut. Im Gegensatz zu Strawinskys «Concerto in Re» für Streichorchester, welches den Abend eröffnet: Hier wirkt alles etwas zu trocken, zu behäbig.

1947 wurde jenes als Auftragswerk durch das KOB uraufgeführt und wenig später sogar für Ballett choreografiert. In der Martinskirche bleibt die Komposition natürlich konzertant, aber so ganz will sich der dem Stück inhärente wendige und tänzerische Charakter nicht einstellen. Besser funktioniert der zweite Satz, der dem barocken Concerto grosso und dem Orchester näher scheint. Technisch spielt der Basler Klangkörper einwandfrei und klanglich tritt es homogen auf; trotz gelegentlicher intonatorischer Störungen in den Violinen und den Blechbläsern.

Strawinskys Werk und die Interpretation des KOB bereiten jedenfalls eine adäquate Einleitung zu Rihms Cello-Konzert und Mendelssohn Bartholdys 3. Sinfonie, die nach der Pause eine wuchtige Ausleitung bildet.

Hier spielt das sinfonisch aufspielende Kammerorchester geradezu befreit und mit ausreichend Pathos, das insbesondere von den Streichern zelebriert wird. Das passt ausgezeichnet in den letzten Satz, in welchem Mendelssohn ein lebendiges Allegro einem majestätischen Schlussfinale gegenüberstellt.
An anderen Stellen des Werks führt das überschwängliche Spiel der Streicher zu einem dynamischen Ungleichgewicht zu den Bläsern, welches Cambreling nicht korrigiert. Im melancholischen Adagio gibt es dafür mit einer sensibel gespielten Passage von Cello und Querflöte eine schöne Erinnerung an diesen besonderen Moment von Rihms Cello-Konzert.

Das Scherzo aus Mendelssohns «Sommernachtstraum» gibt es gratis dazu, und hier darf das Kammerorchester Basel technisch nochmal brillieren.

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