Das Podium im Foyer des Basler Schauspielhauses war am Dienstag bereit für ein Stück mit froher Botschaft. Der trockene Titel lautete «Jahresabschluss 2017/18». Auf der Bühne sassen Samuel Holzach in der Rolle des Verwaltungsratspräsidenten, Guy Starck als interimistischer Verwaltungsdirektor und Andreas Beck als Intendant.

Die ersten beiden durften durchweg Positives berichten. Das Theater Basel verzeichnet in der genannten Saison einen Zuschauerzuwachs von 8 753 Besuchern. Insgesamt waren es 180 766, wobei das Schauspiel und das Ballett etwas zulegen konnten, die Oper etwas weniger Publikum als im Vorjahr verzeichnete. Unter dem Strich konnte die Auslastung von 68 Prozent im Vorjahr auf 70,5 Prozent angehoben werden. Es resultiert aus diesem Erfolg ein kleiner Gewinn von 16 000 Franken.

Höhepunkt der Saison 2018/19 sind aber nicht Zahlen, sondern Auszeichnungen und Preise. Zuvorderst die Krönung zum «Theater des Jahres», der Oscar der deutschsprachigen Bühnenwelt. Damit aber nicht genug. Zum Stelldichein der Besten, dem Berliner Theatertreffen, wurde zum dritten Mal infolge eine Basler Produktion geladen: Ulrich Rasches «Woyzeck». Simon Stones «Hotel Strindberg», eine Koproduktion mit dem Burgtheater Wien, kommenden Januar in Basel zusehen, rangiert auf Platz 2 in der Kategorie «Inszenierung des Jahres». Ewald Palmetshofer «Vor Sonnenaufgang» landete im Kritiker-Ranking auf Platz 2, Ballett-Chef Richard Wherlock erhielt für seinen Kulturaustausch mit dem Seoul Ballet Theatre den Korean Culture Award.

«Das sind Preise und Würdigungen, die zum Ausdruck bringen, welche überragende Qualität dieses Haus beweist», sagt Holzach zu diesem Rundum-Erfolg des Theaters. Dass es nicht nur bei Lob und Würdigung blieb, dafür sorgte dann Intendant Beck.

Geschlachtete Cashcows

Präsident Holzach übergab Beck das Wort, damit dieser Näheres zur vergangenen und laufenden Saison sage. Beck jedoch mochte sich nicht in den positiv gestimmten Chor der anderen beiden einklinken. Er erklärte viel mehr, warum er nicht ganz so fröhlich sei: «Ich habe es an anderer Stelle bereits gesagt, aber ich werde nicht müde, es immer wieder zu betonen: Dieses Haus hat ein systemisches Problem.»

Die Minen seiner Mitspieler verdunkelten sich doch kurz, ob diesem schroffen Einstieg. Auch wenn in der Folge klar wurde, dass der Verwaltungsrat sehr wohl Kenntnis hat von diesem «systemischen Problem» und es im derzeit laufenden Subventionsgesuch beim Kanton Basel Stadt auch benennt.

In Theaterfachsprache formuliert besteht das Problem darin, dass das Haus nach dem Stagione- und nicht nach dem Repertoire-System aufgestellt ist. Stagione bedeutet, dass die Stücke über einen relativ kurzen Zeitraum gespielt und dann vom Spielplan gestrichen werden. Repertoire bedeutet, dass erfolgreiche Stücke über Jahre hinweg gezeigt werden können. Dazu braucht es jedoch gewisse technische Voraussetzungen.
Was Stagione real bedeutet, erklärte Beck am Beispiel von «König Arthur». Die Grossproduktion, an der alle drei Sparten beteiligt sind, eröffnete im September die Saison. Kritik und Publikum zeigten sich begeistert, die Besucherzahlen blieben jedoch zu Beginn unter den Erwartungen. «Wegen des langen Sommers mussten sich die Leute entscheiden, ob sie im Rhein schwimmen oder ins Theater gehen wollten», so Beck.

Kaum wurde es kühler, begannen die Zahlen zu steigen. Nun sind die Vorstellungen voll, aber das Stück wird am 16. Dezember zum letzten Mal gespielt. «Danach muss ich das Bühnenbild zersägen», so Beck. Denn das Theater verfüge gar nicht über die Lagermöglichkeiten für die aufwendige Ausstattung. Ein Stück kann deshalb nur so lange gespielt werden, wie das Bühnenbild in den Werkstätten neben der Bühne Platz hat. Kommen neue Stücke, muss es weg.

Könnten die Erfolgsstücke jedoch weiterhin gespielt werden, würde dies andere Spielräume bei der Budgetierung eröffnen, so Beck. Derzeit müsse er Cashcows schlachten, bevor sie Gewinn abwerfen würden. Basel sei eine verwöhnte Stadt, gewohnt auch im Theater in der Champions League zu spielen. Wolle man das so beibehalten, müsse nun investiert werden.

«Bevor der Kollateralschaden da ist», so Beck. Konkret möchte das Theater von der Stadt eine halbe Million Franken mehr pro Jahr, um Becks Nachfolger Benedikt von Peter nicht mit dem selben Problem konfrontieren zu müssen. Damit sollen für den Repertoire-Betrieb benötigte Lagerräume und Stellen finanziert werden. Für die Saison 17/18 zahlte die Stadt rund 40 Millionen Franken an das Theater. Entschieden über den Antrag wird laut Holzach im ersten Halbjahr 2109.

Nach Becks flammendem Appell gab es noch einen ruhigen Epilog: Holzach verkündete, dass für die per Ende Jahr abtretenden Verwaltungsräte Hanspeter Gass und Verena Herzog bis Ende Januar eine Nachfolge bestimmt sein werde.