Wirtschaft

Mehr schlechte Nachrichten für Touristiker: Roche und Novartis sicher bis Ende Jahr ohne Geschäftsreisen

Während die Arbeiten auf der Basler Baustelle von Roche schnell vorangehen, stehen die Büros nach wie vor praktisch leer.

Während die Arbeiten auf der Basler Baustelle von Roche schnell vorangehen, stehen die Büros nach wie vor praktisch leer.

Sie kommen nur allmählich wieder zurück: Roche und Novartis haben Geschäftsreisen bis Ende Jahr praktisch eingestellt. Vor Ort stehen nach wie vor viele Büros leer, nur etwa ein Viertel bis ein Drittel der Belegschaft arbeitet wieder auf den Arealen.

Es gibt da diese Szene am Schluss des Films «Demokrat Läppli», als Alfred Rasser in der Figur des Theophil Läppli vor einer Fabrik sitzt und kommentiert: «Sie kömme am Säggsi und göhn am Zwai, sie kömme am Zwai und göhn am Zähni, sie kömme am Zähni und göhn am Säggsi...». Das ist im Coronajahr weitgehend überholt, da sich die meisten Arbeitnehmenden im Homeoffice befinden – auch und besonders bei den Basler Pharmariesen. Ausnahmen sind Mitarbeitende in der Forschung, also in den Labors, oder in der Produktion.

Die Vor-Ort-Arbeitenden befinden sich allerdings in Unterzahl, auch wenn die Homeoffices allmählich verlassen werden. So gibt Novartis auf Anfrage an, am Anfang der Pandemie hätten von den rund 12 200 Schweizer Novartis-Mitarbeitenden insgesamt rund 10 000 von zuhause aus gearbeitet. Zurzeit arbeiten täglich nach wie vor rund 7500 Mitarbeitende von zuhause aus, wie Unternehmenssprecher Satoshi Sugimoto sagt. Ebenfalls stark betroffen sind die Geschäftsreisen, von denen der Basler Tourismus und die Hotellerie stark profitiert haben.

Reisen nur, wenn es absolut unerlässlich ist

Dieses Jahr wird es voraussichtlich praktisch keine mehr geben. «Bei Novartis wurden Geschäftsreisen schon in einer frühen Phase der Covid-19-Pandemie bis Jahresende ausgesetzt und Reisen sind daher schon länger beinahe vollständig abgesagt», so Sugimoto. «Ausnahmen für Geschäftsreisen bedürfen einer Bewilligung des Senior Managements.» Meetings werden vorwiegend mittels Microsoft Teams und Skype virtuell abgehalten. «Wir glauben, dass dies in Zukunft zu einer neuen Balance zwischen persönlichen und virtuellen Meetings führen wird.»

Ähnlich sieht es wenige Kilometer östlich auf dem Campus von Roche aus. «Die Zahlen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen on-site in Basel und Kaiseraugst variieren von Tag zu Tag», sagt Unternehmenssprecherin Nina Mählitz. «Sie haben leicht steigende Tendenz. Aktuell befindet sich etwa ein Drittel der Mitarbeitenden wieder vor Ort.» Die Gesundheit der Mitarbeitenden habe höchste Priorität, daher empfehle Roche seit Beginn der Pandemie, auf alle Geschäftsreisen zu verzichten, «die nicht absolut geschäftskritisch sind.» Meetings finden vorwiegend digital statt.

Mit Hochdruck an Covid-19-Therapien

Die Ersparnis durch den Ausfall des Geschäftsverkehrs ist signifikant. Laut Hauspost soll Novartis einen hohen zweistelligen Millionenbetrag an Reisespesen eingespart haben. Produktiv ist das Personal umso mehr: Der Aktienkurs beider Unternehmen hat sich nach einem leichten Knick anfangs Lockdown nachhaltig erholt. Zum Geschäftsverlauf informieren beide Firmen Ende Juli im Rahmen der Halbjahreszahlen.

Klar ist auch, dass die zwei Konzerne in der aktuellen Gesundheitskrise mit Hochdruck an möglichen Therapien arbeiten. Die Nachfrage seitens der Regierungen ist gross. So hat Roche mehrere Medikamentenstudien in fortgeschrittenen Stadien am Laufen. Novartis schloss sich zwei branchenübergreifenden Forschungsinitiativen an und unterstützt separat auf Covid-19 bezogene klinische Untersuchungen mehrerer eigener Arzneimittel.

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