Wirtschaft

MCH Group mit heftiger Kritik eingedeckt ++ dennoch keine Statutenänderung und keine Offenlegung der Bücher

Die Basler MCH Group ist unter Beschuss seitens Aktionäre: Eine Investorengruppe verlangte die ausserordentliche GV zu Geschäftsverlauf und Strategie. Das durch schleppende Messegeschäfte angeschlagene Unternehmen verantwortet sich.

Das angeschlagene Basler Messeunternehmen MCH Group richtet sich nach den Krisenjahren seit 2016 neu aus. Künftig sollen vier Geschäftsfelder im Zentrum der Strategie stehen: Die internationalen Messen wie Art Basel und Baselworld, die lokalen Messen, der Infrastruktur-Bereich «Venues» sowie das Segment «Live Marketing Solutions». Letzteres entwickelte sich in den vergangenen Jahren sukzessive durch internationale Zukäufe vom hauseigenen Standbauer zum Produzenten für weltweite Live-Events.

Am Mittwoch musste sich der Verwaltungsrat allerdings vor einer ausserordentlichen Generalversammlung verantworten. Grund für die Einberufung war ein Antrag von Aktionären um die Zürcher Investorengruppe AMG von Erhard Lee, die gut zehn Prozent Aktienanteil hält. Lee verlangte eine Statutenänderung, um die Vertreter der Kantone Basel-Stadt, Baselland sowie Kanton und Stadt Zürich im Verwaltungsrat zu entmachten. Zudem forderte er die Offenlegung von Geschäftsbüchern wegen vermuteter Unregelmässigkeiten sowie eine Sonderprüfung zur Strategie. Dazu reichte Lee 39 Fragen ein. Diese beantwortete der Verwaltungsrat bereits am Montag. Dabei wurde publik, dass die einmalige Luxusautomesse Grand Basel 2018 mit einem Verlust von 34,6 Millionen Franken zu Buche schlug. Auch das Engagement der MCH Group in Lausanne riss über zehn Jahre ein Loch von insgesamt 50,7 Millionen in die Messebilanz.

Direkter Angriff auf Kantonsmehrheit

An der Generalversammlung legte Lee noch einmal nach und formulierte auf die Antworten hin erneut einen Fragekatalog, den Verwaltungsratspräsident Ueli Vischer entgegennahm. Die erneuten Fragen sollen in den kommenden Tagen schriftlich beantwortet werden. Lee nutzte die Gelegenheit, um eine Vielzahl von Vermutungen zu Unregelmässigkeiten im Rahmen der Erweiterung der «Live Marketing Solutions» zu äussern. Zudem stellte er mehrfach die historisch begründete Kantonsmehrheit im Verwaltungsrat infrage und betonte, dass ein Verkauf der «Live Marketing Solutions» keine Option sein dürfe.

Obwohl Lee Unterstützung von mehreren Kleinaktionären erhielt, lehnte die Versammlung sämtliche seiner Anträge mit über 70 Prozent der Stimmen ab. Die Messegesellschaft wird keine Sonderprüfung zur Strategie durchführen, die sich ohnehin erst in Entstehung befindet. Die Geschäftsbücher bleiben geschlossen und eine Statutenänderung gibt es nicht. Zumindest noch nicht: Die Messe braucht Kapital, um ihre geplante Digitalisierung und Internationalisierung durchzuführen. Dafür soll entweder ein Grossinvestor gewonnen werden – weswegen die Kantone dann ihre Beteiligungen ohnehin überdenken müssten – oder die MCH Group würde die «Live Marketing Solutions» verkaufen. Laut Vischer befinden sich zurzeit sämtliche Optionen in Prüfung.

MCH Group ao GV

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