Tennis
Mama Federer: «Jeder Ball landete dort, wo er sollte»

Lynette Federer spricht über Weg ihres Sohnes an die Spitze des Welttennis. Schon als Zweijähriger sei sein Talent aufgefallen. Aber Talent alleine reiche nicht. Und deshalb musste auch Federer in seiner Jugend die ungeliebte Kondition büffeln.

Georges Küng
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Starker Rückhalt: Lynette Federer und ihre Sohnemann Roger am Champions Dinner 2005 in London. KEY

Starker Rückhalt: Lynette Federer und ihre Sohnemann Roger am Champions Dinner 2005 in London. KEY

Wenn an einem frühen Samstagnachmittag rund 150 Interessierte in den schmucken Holzsaal des Kutschenmuseums strömen, muss etwas Spezielles anstehen. Sie alle wollten mehr über Roger Federer erfahren. Auch wenn man das Gefühl hat, dass man alles über den vierfachen Weltsportler «Rodscher» weiss.

Auf dem Podium hatte Lynette Federer, die Mutter von Roger, Platz genommen. Dazu Beni Linder, Headcoach Kondition bei Swiss Tennis, Thomas Beugger, Leiter Sportamt Baselland, Cornel Hollenstein, stellvertretender Leiter Spitzensport Swiss Olympic sowie PD Dr. Lukas Zahner, Mitglied der Institutsleitung, ISSW der Universität Basel. Die gut einstündige Diskussionsrunde, mit anschliessender Fragestellung, wurde von Benjamin Schmid, Leiter Abteilung Sport bei Telebasel, moderiert.

Bewegungsarmut unter Kindern

«Bei Roger stimmte bereits mit den ersten Schritten die Balance und Motorik. Das ist mir bei ihm schon im Alter von knapp zwei Jahren aufgefallen. Jeden Ball, den er mit dem Fuss trat oder mit der Hand warf, landete dort, wo er auch sollte», so Mama Federer. «Zwar hat jedes Kleinkind einen, wenn auch unterschiedlich ausgeprägten Bewegungsdrang. Andererseits stellen wir heute fest, dass die meisten Kinder unter Bewegungsarmut leiden. Viele können keinen Ball fangen, einige sogar nicht einmal Velo fahren», fügte Lukas Zahner bei.

«Weil mein Mann und ich klubmässig Tennis spielten, kam Roger mit auf die Tennisanlage. Und er konnte stundenlang gegen eine Wand spielen. Andererseits haben wir ihn nie aufs Tennis fokussiert. Er wäre auch ein guter Fussballspieler geworden. Er liebte das Skaten in der Halfpipe, er spielte Basketball und Tischtennis und mit seinem Vater ging er squashen. Erst mit acht Jahren trat er dem TC Old Boys Basel bei, doch er spielte weiterhin parallel Fussball beim FC Concordia. Sein Kollege Marco Chiudinelli spielte beim FCB; und die Duelle zwischen Rot-Blau und Congeli waren für meinen Sohn immer spezielle Partien», so Frau Federer. Erst mit elf Jahren musste sich Roger Federer definitiv für Tennis und Fussball entscheiden. Er traf die richtige Wahl.

«Simples Kondition büffeln war ihm ein Greuel»

«Auf den Weg an die Spitze ist der Support der Eltern sehr wichtig; oftmals scheitert das Kind, mag es noch so talentiert sein, am Druck und der hohen, vielleicht sogar irrealistischen Erwartungshaltung seiner Eltern», führte Sportamt-Leiter Beugger auf.

Keine Neuigkeit war, dass «Roger in jedem Training spielerische Elemente bevorzugt und einbaut. Simples Kondition büffeln war ihm schon in der Jugend ein Greuel», so Beni Linder. Andererseits wurde der heutigen ATP-Nummer 1 doch auch bewusst, dass «Talent alleine nicht reicht. Ihm wurde klar, dass es auch Disziplin, Kondition und Konstanz braucht», so Lynette Federer. Erst als ihr Filius bei den Junioren Wimbledon gewann, «wurde mir bewusst, dass aus Roger einmal ein ganz Grosser werden kann».

Doch die letzten Mosaiksteine auf den Weg zum Olymp musste Roger Federer selber legen. Und alle waren sich einig, dass der Baselbieter «in allen Bereichen eine absolute Ausnahmeerscheinung» ist, wie kürzlich Gian Gilli, Sportdirektor von Swiss Olympic, sagte.

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