Tennis
Madeleine Bärlocher hat Roger Federers Karriere ins Rollen gebracht

In zwei Wochen finden die Swiss Indoors statt – mit Roger Federer. Als kleiner Junge trainierte er beim Tennis-Clubs Old Boys Basel. Dort haben wir seine erste Förderin getroffen.

Céline Feller
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Madeleine Bärlocher auf dem «Roger Federer Centre-Court», der zu Ehren des berühmtesten Spielers des Tennis-Clubs Old Boys so getauft wurde.

Madeleine Bärlocher auf dem «Roger Federer Centre-Court», der zu Ehren des berühmtesten Spielers des Tennis-Clubs Old Boys so getauft wurde.

Martin Töngi

Es ist der Sommer 1959. Auf dem Gelände des All England Lawn Tennis Clubs an der Church Road findet die 73. Auflage der Wimbledon Championships statt, einem der vier Grand-Slam-Turniere im Tennis-Zirkus. Am 3. Juli duellieren sich im Final des Herreneinzel ein gewisser Rod Laver, damals erst junge 18 Jahre alt, und der spätere Gewinner Alex Olmedo.

Am gleichzeitig stattfindenden Juniorenturnier nimmt eine Schweizerin, Madeleine Bärlocher, teil. «Die ganz grossen Spieler zu sehen und mit ihnen die Räume zu teilen, das hat mich schon beeindruckt», sagt die Baslerin 56 Jahre später. Damals konnte sie aber noch nicht ahnen, dass sie einst einen wichtigen Anteil haben würde an der Karriere eines noch viel grösseren Tennisspielers der Geschichte: Roger Federer.

Die aufgehalste Funktion

Madeleine Bärlochers Blick schweift ab. Immer wieder schaut sie nach oben, denkt nach. 13 Jahre alt sei sie gewesen, als sie das erste Mal mit Tennis in Berührung kam. «Wir haben gleich hier nebenan gewohnt», sagt sie, als wir sie im Clubhaus des Tennis-Clubs Old Boys Basel treffen. «Damals habe ich oft mit meinen Brüdern draussen gespielt, rund um den Club hier. Und dann haben wir angefangen, Bälle aufzulesen.»

Es war der Beginn einer langen Verbundenheit zum TC Old Boys, die bis heute anhält. Die damaligen Juniorenverantwortlichen beobachteten Bärlocher dabei, wie sie Bälle an die Wand schlug. «Sie haben gesehen, dass ich nicht untalentiert war. Also haben sie mich gefragt, ob ich Mitglied im Club werden möchte. Da habe ich natürlich Ja gesagt.» Ohne einen Mitgliederbeitrag zu bezahlen und mit einem geschenkten Racket fing sie an, regelmässig Tennis zu spielen.

Die heute 74-Jährige nahm an Juniorenturnieren teil, wurde Zentralschweizer Juniorenmeisterin und später Vize-Schweizer-Meisterin in ihrer Altersklasse. Auf den Sport setzen wollte sie aber nie. «Damals hat man gar nicht so weit gedacht.» So blieb die Teilnahme am Juniorenturnier in Wimbledon ihr sportliches Highlight. «Dieses Wimbledon, das war schon eine sehr prägende Sache. Aber wenn man zuvor noch nie auf Rasen gespielt hat, dann ist es ganz schwierig», so Bärlocher, die sich die Sandplätze des TC Old Boys gewöhnt war.

Statt auf Tennis zu setzen, schlug sie einen anderen Weg ein und wurde Sekretärin. Das Tennis spielte aber immer eine grosse Rolle. Sei es bei ihren Auslandaufenthalten in England oder Amerika, während ihrer Zeit in Genf oder zu Hause – Tennis hat sie immer gespielt. Zurück in Basel übernahm Bärlocher die Leitung der Juniorenabteilung des TC Old Boys. «Es wurde mir aufgehalst», sagt sie und lacht dabei.

In ihrer Funktion als Betreuerin der Junioren-Interclubteams und Koordinatorin der Trainings wurde sie dann eines Tages von einer gewissen Lynette Federer angefragt, ob sie ihren Sohn in der Jugendabteilung des TC Old Boys aufnehmen könne.

«Sie hatte mitbekommen, dass wir gute Trainings anbieten.» So spielte Klein Roger fortan nicht mehr mit seinen Eltern auf den Tennisplätzen der – damals noch – Ciba Geigy, sondern wurde von den Trainern des TC Old Boys in Privat- und Gruppen-Einheiten über den Platz gejagt. «Er war sechs oder sieben Jahre alt, als er zu uns kam, so genau weiss ich das nicht mehr. Aber wir haben schnell gesehen, dass er Talent hat.»

Als Verantwortliche für seine Trainings organisierte sie Sparring-Partner, zusätzliche Einheiten und Konditions-Trainings. Damit hat sie die grosse Karriere des erfolgreichsten Tennisspielers aller Zeiten ins Rollen gebracht. Der Rest ist Sportgeschichte. «Damals war mir das nicht bewusst.»

Entscheidende Verpflichtung

Rückblickend bezeichnet sie die von ihr getätigte Verpflichtung von Peter Carter als tollen Schachzug. Der Australier Carter war nicht nur Junioren-Trainer bei OB, sondern förderte besonders Federer jahrelang. Er hatte wesentlichen Anteil an seinem Werdegang und seiner Entwicklung. Also hat Federer seiner Juniorenkoordinatorin nur schon dafür viel zu verdanken, oder?

«Das weiss ich nicht», sagt Madeleine Bärlocher und lächelt verlegen. Ein erstes Mal ist der Anhänger ihrer Halskette zu sehen, die sie trägt: ein Tennisschläger. Bärlocher denkt nach, über ihre eigene Vergangenheit, über ihren Einfluss auf Federers Karriere. Sie blickt erneut nach oben. «Ich war auch ein grosser Fan von Wimbledon. Vielleicht hat das ein bisschen auf Rogi abgefärbt», sagt sie schliesslich und lächelt zufrieden.

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