Spalenvorstadt
Lotteriefonds-Gelder für Weihnachtsbeleuchtung stossen auf Kritik

Elektrounternehmer Daniel Hunziker hat grosse Pläne: Eine einheitliche Weihnachtsbeleuchtung für die ganze Stadt. Doch die Stadt Basel greift lieber auf Lotteriefonds-Gelder zurück und lässt mit Hilfe von diesen die Spalenvorstadt erleuchten.

Valentin Kressler
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Der 28. November ist ein Freudentag für die IG Spalenvorstadt. Beim Spalen-Brunnen wird die diesjährige Weihnachtsbeleuchtung um 19 Uhr mit einem Apéro offiziell eingeweiht. «Fürs uns ist das wie ein Weihnachtsmärchen», sagt der rührige IG-Präsident Beat Trachsler.

Dass es zu diesem Event kommt, ist alles andere als selbstverständlich. Wie die «bz Basel» im Oktober berichtete, hatte der Elektriker, bei dem die Weihnachtsbeleuchtung lagerte, diese entwendet. Zwei Monate vor Weihnachten standen die Spalenvorstädter plötzlich ohne Beleuchtung da. Als Retter in der Not trat Regierungsrat Hanspeter Gass (FDP) in Erscheinung. Ungewohnt unbürokratisch organisierte dieser 10000 Franken aus dem Lotteriefonds für eine Neuanschaffung. Auch in der Spalenvorstadt wird nun ein festlicher Glanz das für die Gewerbetreibenden wichtige Weihnachtsgeschäft ankurbeln.

Doch längst nicht alle sind glücklich über das regierungsrätliche Vorweihnachtsgeschenk. «Ich bin befremdet, dass die Regierung einem Quartier 10000 Franken à fonds perdu gibt», sagt der Kleinbasler Elektrounternehmer Daniel Hunziker zum «Sonntag». Einzelne Quartiere würden in der Regel kein Geld erhalten für die Beleuchtung. Weder vom Verein Basler Weihnacht noch vom Lotteriefonds. Hunziker weiss, wovon er spricht. Er ist Eigentümer und Geschäftsführer der Elektrofirma Moritz Hunziker AG, die auf Weihnachtsbeleuchtungen spezialisiert ist. Als Präsident des Fördervereins Weihnachtsbeleuchtung Kleinhüningen organisiert er die dortige Festbeleuchtung. Ohne Unterstützung öffentlicher Institutionen.

Eine Weihnachtsbeleuchtung ist eine kostspielige Angelegenheit. Die Materialkosten für die Beleuchtung in Kleinhüningen betragen zwischen 30000 und 40000 Franken. Dazu kommen jährliche Montagekosten von 6000 bis 8000 Franken. Es sei jeweils «sehr schwierig», das Geld aufzutreiben, sagt Hunziker, «wir treten bei der Bevölkerung und bei Firmen als Bettler auf.» Für die diesjährige Beleuchtung verschicken Hunziker und sein Geschäftsführer Roger Graf dreihundert Spendenbriefe.

Schirmherr über die weihnachtlichen Aktivitäten in Basel-Stadt ist der Verein Basler Weihnacht. Die Organisation hat ein Budget von 300000 Franken. Zwei Drittel der Gelder kommen vom Lotteriefonds. Der Verein kümmert sich hauptsächlich um Marketingmassnahmen. «Wir haben das Geld nicht, um die Beleuchtungen in den Quartieren zu finanzieren», sagt Präsident David Frey. Dass die Beleuchtung in der Spalenvorstadt zustande kommt, findet er «toll». Darüber hinaus möchte er die Angelegenheit «nicht kommentieren».

Hunziker ist aus einem weiteren Grund befremdet über die Lotteriefonds-Gelder für die Spalenvorstadt. Der Elektrounternehmer hat eine alte Weihnachtsbeleuchtung auf Lager, die er der IG nach dem Diebstahl gratis zur Verfügung gestellt hätte. Als er das Angebot unterbreitet habe, sei ihm aber umgehend eine Absage erteilt worden, sagt Hunziker. IG-Präsident Trachsler verteidigt das Vorgehen. «Wir hatten das neue Material schon bestellt. Wir mussten innerhalb eines Tages agieren», sagt er. Gemäss Trachsler haben sich mehrere Elektrogeschäfte gemeldet. «Die Hilfsbereitschaft hat mich berührt», sagt er.

Hunziker wälzt grosse Pläne. Ihm schwebt für die ganze Stadt eine einheitliche Weihnachtsbeleuchtung mit beleuchteten Baslerstäben vor. Vom Badischen Bahnhof bis zum Bahnhof SBB. Er habe deswegen Kontakt aufgenommen mit dem Verein Basler Weihnacht, sagt Hunziker. Von denjenigen Kreisen, die Basel gerne als «Weihnachtsstadt» propagieren, fordert er mehr Engagement. «Es passiert zu wenig.»

Vereinspräsident Frey begrüsst «die Dynamik, die Herr Hunziker an den Tag legt». Der Wunsch nach einer einheitlichen Weihnachtsbeleuchtung stehe seit Jahren im Raum, sagt er. «Um etwas Konkretes zu sagen, sind aber noch zu wenig Gespräche geführt worden.»

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