Euro-Airport

Lotsenmord: Staatsanwalt hüllt sich in Schweigen

Im elften Stock des Tower-Gebäudes wurde die Leiche des Fluglotsen gefunden.  Keystone

Im elften Stock des Tower-Gebäudes wurde die Leiche des Fluglotsen gefunden. Keystone

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mörder des Fluglotsen ebenfalls am Flughafen arbeitet.Ein terroristischer Hintergrund der Tat wird damit ausgeschlossen.

Nach dem Fund des durch Messerstiche getöteten Fluglotsen im Euro-Airport am Mittwochmorgen hüllte sich der ermittelnde Mülhausener Staatsanwalt Hervé Robin gestern in Schweigen. Auch über die Autopsie, die nach Angaben französischer Medien gestern in Strassburg durchgeführt worden sein soll, wollte sein Sekretariat gestern gegenüber der bz keine Auskunft geben. Erst für heute Vormittag ist eine Pressekonferenz in der Staatsanwaltschaft einberaumt.

Terroristische Tat ausgeschlossen

Kurz nach der Tat, die am Mittwoch zwischen 7.30 und 7.55 Uhr im elften Stock des Tower-Gebäudes erfolgt sein muss, konnten Robin und der zuständige Kommissar Christian Reeb bereits einige Spekulationen ausschliessen: «Ich bestehe darauf, dass das Opfer nicht im Kontrollraum des Towers getötet wurde», sagte Robin gegenüber «L’Alsace». Ein terroristischer Hintergrund der Tat sei damit ausgeschlossen. Reeb sah auch keinen Zusammenhang zwischen dem Mord und dem Beruf oder der Arbeit des Opfers. «Wir kennen das Motiv des Täters nicht», folgerte Robin laut «L’Alsace»; «aber er hatte den festen Willen zu töten. Für mich war es ein Mord.»

Was die Ermittler mit ziemlicher Sicherheit sagen können, ist, dass der Täter ein Mitarbeiter des Euro-Airports gewesen sein muss. Der Zutritt zum Tower-Gebäude ist laut Kommissar Reeb streng reglementiert und nur mit einem elektronischen Ausweis möglich. Deshalb wurden bereits am Mittwoch einige der 130 Arbeitskollegen des Opfers verhört. Ausserdem erhoffen sich Polizei und Staatsanwaltschaft weitere Hinweise von den Sicherheitsvideos in den Parkhäusern des Flughafens.

Keine Zeugen für die Tat

Nach ersten Erkenntnissen erlag das Opfer aus dem elsässischen Riedisheim drei bis sechs Messerstichen in den Hals und in die Brust. Die Flughafenfeuerwehr wurde durch zwei Anrufe alarmiert, konnte aber nur noch den Tod des Opfers feststellen.

Seit 1998 arbeitete der 34-jährige Vater eines Kindes am Flughafen, zuletzt als Erster Fluglotse. Er hätte am Mittwochmorgen um 8 Uhr seinen Dienst im Tower antreten sollen und war einige Minuten zuvor von seinem Kollegen entdeckt worden. Von der Tat selbst gab es laut Staatsanwalt Robin keine Zeugen. Allerdings «hat jemand wohl einen vagen Schrei gehört».

Kollegen psychologisch betreut

Von den Verantwortlichen des Flughafens war gestern ebenfalls niemand zu erreichen. Am Mittwoch sagte ein Sprecher gegenüber Agence France-Presse (AFP) jedoch, dass die Tat den Betrieb des Flughafens nicht gestört habe. Die französische Fluglotsengewerkschaft SNCTA versicherte den Kollegen des Opfers psychologische Betreuung zu. «Wir sind alle sehr geschockt von diesem Ereignis», sagte eine Sprecherin ebenfalls gemäss AFP.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1