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Lifestyle-Treff statt Grössenwahn: So ist die geplagte Baselworld – und das sagt ihr Direktor dazu

Rundgang Baselworld 2019 mit Direktor Michel Loris-Melikoff

Rundgang Baselworld 2019 mit Direktor Michel Loris-Melikoff

Weniger Umschlagplatz, mehr Kommunikationsplattform: Der neue Baselworld-Direktor Michel Loris-Melikoff erklärt im Video-Interview, wie er die wertvollste Messe der MCH Group AG neu aufstellt und was die Neuerungen sind. 

Nur noch knapp 500 Aussteller: Die Baselworld erreicht einen historischen Tiefpunkt. Doch die Luxusmesse kommt 2019 angenehm luftig daher – und eine Zukunft zeichnet sich ab.

Nur weil die Swatch-Group nicht mehr an der Baselworld ausstellt, wird die Luxusmesse noch lange nicht von allen gemieden. Am Mittwochnachmittag etwa, dem «Press Day», präsentierte am Stand von Bulgari dessen CEO Jean-Christophe Babin persönlich die neuste Rekord-Uhr aus dem italienischen Hause, die Octo Finissimo Automatic Tourbillon, die dünnste vollautomatische Armbanduhr der Welt. Der Andrang war gross, Babin zeigte sich enthusiastisch, extra dabei war der Designer, der von der Herausforderung sprach, eine technische Unmöglichkeit in die Realität umzusetzen.

Die Grossen halten der seit vergangenem Jahr stark angeschlagenen Messe immer noch die Stange. Doch die geringere Anzahl an Ausstellern hat Folgen. Bespielt wird vor allem die Halle 1, der Vorzeigebau der Messe, deren Fläche allerdings redimensioniert wurde. Das Resultat: Es ist alles übersichtlicher. In der Qualität ist es nicht weniger luxuriös. Dass die Menge an gigantischen Bauten drastisch reduziert wurde, ist zumindest ästhetisch ein Gewinn. Die Exponate derer, die verblieben sind, kommen umso besser zur Geltung. Was auch daran liegt, dass sich die Messebetreiber etwas einfallen lassen mussten, um die Leere nach dem grossen Abgang der Swatch-Marken zu mindern.

Luxuswaren und Champagner-Bar

Der neue Messedirektor Michel Loris-Melikoff zeigte sich jedenfalls in guter Laune, als er gestern Nachmittag Medienauftritt um Medienauftritt absolvierte. Stets betonte er, dass die Messe stärker auf die verschiedenen Bedürfnisse der Nutzer eingehen müsse, so auch im Interview mit der bz. Aussteller hätten andere Bedürfnisse als Kunden, die wiederum andere Bedürfnisse hätten als die ebenfalls wichtigen Sammler und alles, was mit Medien zu tun hat: Blogger, Influencer, klassische Journalisten.

Die Baselworld sei nach wie vor ein Umschlagplatz für Luxuswaren, betonte Loris-Melikoff. Doch sie sei zunehmend auch eine Kommunikationsplattform, «eine Messe des Austauschs, der ohnehin 51 Wochen pro Jahr digital stattfindet und während einer Woche in Basel eben sehr persönlich.» Entsprechend sind die leeren Flächen nun mit Restaurationsbetrieben ausgestattet, von der Champagner-Bar bis zum weiss gedeckten Speisebereich.

Die Händlerstadt wird zum Showtempel

Ausgebaut wurde auch der Medienbereich, es gibt Showbühnen, sogar Kabinen für Fashion-Bloggers, die man für Gespräche mit professionellem Kameralicht buchen kann. Die Baselworld, einst eine Händlerstadt unter Hallendächern, wird nun zum Event- und Marketingzentrum für die Luxusbranche. Einflussreiche Publizisten – ob Internetphänomen oder konventionell orientiert – treffen hier auf die grossen Namen der Uhren- und Schmuckwelt.

Waren die unterschiedlichen Medien vorher eher die praktische Begleiterscheinung eines Marktes, der unter sich geschäftete, so sind sie jetzt zu einem zentralen Bestandteil der Messe geworden. Das liegt Loris-Melikoff, der bereits im Eventbereich seine unternehmerischen Sporen abverdient hatte, unter anderem mit der Gründung der Zürcher Street Parade. Kommenden Dienstag will er dann sein Konzept für 2020 enthüllen.

Doch der Direktor hat am Mittwoch kaum Zeit. Der Blick auf die schwarze Hublot am Handgelenk, ein strenges Wort seines Operations Directors, und er muss zum nächsten Termin. Loris-Melikoff gibt sich in der schlanken, kleineren, aber nicht weniger schicken Umgebung nahbarer als seine Vorgänger. Auf den Gigantismus folgt Kommunikation. Doch die Messe muss zu wirtschaftlicher Kraft zurückfinden; dafür ist sie zu wichtig im Portfolio der MCH Group AG. Dass dies mit dem Handel allein nicht mehr wie früher funktioniert, ist klar, da ist sich auch die Branche einig. Die Zeiten, als man sich die eigene Stadtwohnung durch Untervermietung für eine Woche vergolden lassen konnte, sind sowieso vorbei.

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