Konflikt

Lage beim Roche-Turm ist verfahren: Anwohner fühlen sich übergangen

Baulärm, Verkehr, Schatten: Die Bewohner des Wettsteinquartiers befürchten eine graue Zukunft. Juri Junkov

Baulärm, Verkehr, Schatten: Die Bewohner des Wettsteinquartiers befürchten eine graue Zukunft. Juri Junkov

Lärm, Schattenwurf, Verkehrsüberlastung, Wertverlust von Häusern: Die Bewohner rund um den Roche-Turm malen ein tiefschwarzes Bild ihrer Zukunft. Die Stadt möchte ihnen mit einer neuen Tramlinie entgegenkommen, stösst dabei aber auf Misstrauen.

Mit ihrem am Montag gegründeten Verein «Hauseigentümer und Anwohner Wettsteinquartier», kurz HEAW, möchten sich die Anwohner rund um den Roche-Turm persönlich um etwas Farbe kümmern. Man wolle sich um «konstruktive Lösungen» bemühen, hiess es in der bz vom Dienstag.

Interesse an solchen Lösungen hat auch die Stadt, wie Marc Keller sagt. Der Sprecher des Basler Baudepartements begrüsst die Vereinsgründung. «Sie ist eine legitime und aus unserer Sicht sehr verständliche Reaktion auf die Ankündigung, dass auf kleinstem Raum sehr viel gebaut wird.»

Umstrittene Verkehrsführung

Ein Punkt, in dem die Stadt direkt auf die Zufriedenheit der Quartierbewohnerinnen und -bewohner Einfluss nehmen kann, ist die Verkehrsführung. Die Stadt erarbeitet derzeit ein Konzept, wie die vielen zusätzlichen Roche-Angestellten künftig an ihren Arbeitsplatz gelangen sollen – derzeit sind es rund 7000, im Jahr 2030 sollen es 12'500 sein.

Der Roche-Tower wächst und wächst

Der Roche-Tower wächst und wächst

Das Konzept, das laut Keller noch in der Planungsphase ist, sieht vor, dass bis im Jahr 2020 zunächst eine zusätzliche Busverbindung eingerichtet wird. Mit ihr soll das Gebiet rund um die Roche-Türme mit dem ÖV in Richtung Frankreich erweitert werden. Sie soll gemäss Keller die dicht befahrene Grenzacherstrasse entlasten – mehrere Vorstandsmitglieder des Vereins HEAW wohnen dort.

Der interessanteste Punkt des städtischen Verkehrskonzepts ist aber ein anderer: Bis spätestens 2024 möchte die Stadt eine neue Tramlinie einrichten, die den Bahnhof SBB via Wettsteinplatz und Grenzacherstrasse mit dem Badischen Bahnhof verbindet. «Mit dem Tram, das mehr Menschen gleichzeitig befördern kann, möchten wir die Transportkapazität erhöhen», sagt Baudepartementssprecher Keller.

Tram soll Entlastung bringen

«Die Tramlinie ist unsere Vorstellung davon, wie wir das zusätzliche Verkehrsaufkommen auffangen können, ohne die Grenzacherstrasse stärker zu belasten», sagt er. Und fügt an: «Aus unserer Sicht müsste das im Sinn der Quartierbewohnerinnen und -bewohner sein.»

Deren Reaktion ist harsch: Eine Tramlinie durch die Grenzacherstrasse sei, wenn die Buslinien beibehalten würden, «ein öV-Overkill», sagt Niklaus Trächslin, Vorstandsmitglied des HEAW. Die Strasse sei bereits jetzt sehr dicht befahren. Dort noch eine Tramlinie hineinzubauen, führe zu einer «Überbelastung, die zwingend zu höheren Lärmemissionen führen wird».

Entschärfung durch Information

So befahren die Grenzacherstrasse ist, so verfahren scheint das Verhältnis zwischen deren Anwohnerinnen und Anwohnern und der Stadt. Um die Situation zu entschärfen, sollen sie in den Planungsprozess miteinbezogen werden, wie Keller sagt. Noch vor den Sommerferien sei eine Infoveranstaltung geplant, an der die Stadt einerseits «möglichst konkret» darüber informiere, wie die Verkehrsplanung aussehe, andererseits aber auch «Bedenken, Vorschläge, Anregungen und Ideen» der Quartierbewohnerinnen und -bewohnern entgegennehme.

Trächslin wiederum hält von diesen Infoveranstaltungen nichts, bezeichnet sie als «Farce» und «Alibi-Übung». Am Ende würde sich die Stadt dann doch «über den Willen der Betroffenen hinwegsetzen», auf Wünsche und Forderungen werde nicht eingegangen. Keller: «Wir kommen den Quartierinteressen dort entgegen, wo es uns möglich ist. Die Interessen einzelner Strassenzüge können nicht höher gewichtet werden als die der ganzen Stadt.»

Keine Einigung in Sicht

Voraussichtlich im Sommer werden das Verkehrskonzept der Stadt und der Bebauungsplan der Roche öffentlich aufliegen, in einem Jahr soll der Grosse Rat über das Geschäft beraten. Keller verweist auf die demokratischen und juristischen Möglichkeiten – die der Verein HEAW auch nutzen möchte. Trächslin: «Was es jetzt braucht, ist politischer und öffentlicher Druck.»

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