Wieso haben Sie sich für eine Konzertreise nach Weissrussland entschieden?

Oliver Rudin: Wir sind einer Einladung nach Minsk, ans Chorfestival Lauda Anima, gefolgt. Es war für uns sehr spannend, in ein Land reisen zu können, in welches man normalerweise nicht geht. Das passt auch zur Philosophie der Knabenkantorei Basel. Wir sehen den Chor eher als Lebensschule denn als eine reine Chorschule.

Wie wichtig sind denn solche Konzertreisen?

Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Chorlebens. Vor allem für junge Knaben ist eine solche Reise eine Wahnsinnserfahrung. Dabei gehört es zur Tradition, dass man während der Reisen in Gastfamilien unterkommt. Auf diese Art und Weise kann man ein Land von innen kennenlernen. In Weissrussland wohnten die Knaben fünf Tage bei solchen Familien, wo sie Einblicke in die weissrussische Kultur und Lebensweise sammeln durften. Dass die Jungen auch mal an ihre Grenzen stossen, gehört zu einer solchen Reise dazu. So lernt man, mit neuen Situationen umzugehen.

Was waren die Highlights auf dieser zehntätigen Tournee?

Es war unglaublich, wie die Leute uns mit offenen Armen empfangen haben. Sie waren sehr dankbar, dass wir da waren und haben auch an den Konzerten toll mitgemacht. Ein Highlight war für uns sicher das Galakonzert an unserem letzten Tag in Minsk. Im Laufe des Festivals haben wir uns zu richtigen Publikumslieblingen entwickelt. Als das Konzert fertig, die Lichter schon gelöscht waren, wünschten sich die Helfer und Mitarbeiter nochmal ein Lied. Also gingen wir alle gemeinsam ein letztes Mal auf die Bühne und haben zusammen das Stück gesungen. Das war ein sehr schöner Moment.

Hatten Sie auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen?

Bei so vielen Knaben auf einem Haufen in einem unbekannten Land gibt es natürlich immer wieder schwierige und chaotische Momente. Wir haben beispielsweise einmal erfahren, dass das Konzert gar nicht an dem Ort stattfindet, an dem wir uns versammelt hatten. Eine schwierige Situation gab es auch am ersten Tag der Reise. Wir sind erst nach Polen geflogen, um von dort mit dem Bus nach Weissrussland zu reisen. Um 21 Uhr erreichten wir den Zoll, kamen aber erst um Mitternacht über die Grenze.

Das war vor allem für die Jüngsten eine schwierige Erfahrung. Ebenso gehört auf einer solchen Reise auch immer Heimweh dazu. Die Knaben müssen das essen, was sie kriegen. Damit hatten viele der Jungs zu kämpfen. Es ist jedoch toll, dass trotzdem alles so gut funktioniert hat. Die Stimmung untereinander blieb immer gut. Auch dann noch, als es mal hiess, dass es erst um 16.30 Uhr Mittagessen gibt.

Worauf haben Sie bei der Zusammenstellung des Programms Wert gelegt?

Als einziger westeuropäischer Chor am Festival war es mir ein besonderes Anliegen, ein weltoffenes, stilistisch vielfältiges Programm zu präsentieren. Unsere Auftritte überraschten auch mit unkonventionellen Aufstellungen im Raum und dynamischen Choreographien. Wir sahen uns als Botschafter der Schweiz.

Inwiefern?

Eine offene, vielfältige und innovative Schweiz mit einem Chor im Ausland vertreten zu dürfen, ist eine sehr schöne und dankbare Aufgabe. Es war uns eine Ehre, diese Werte repräsentieren zu dürfen, gerade in einem Land wie Weissrussland, dessen Politik sich stark von unserer unterscheidet.

Wo mussten Sie Vorurteile abbauen?

Zunächst wurden wir für das Konzert in der Red Church von Minsk gebeten, auf ein eher besinnliches und geistliches Programm zu setzen. Unsere eigene Version von «Baba Yetu» (swahili: «Unser Vater») mit viel Bewegung und Perkussion widersprach diesem Wunsch teilweise. Umso mehr freuten wir uns, dass sich das weissrussische Publikum nach dem Auftritt dieses Stück immer wieder wünschte und jeweils gar selbst mittanzte.

Was darf das Publikum am Abschlusskonzert in Basel erwarten?

Wir werden ein gefestigtes und sehr lebendiges Programm bieten. Der erste Teil des Konzertes wird eher nachdenklich und dreht sich um die Themen Krieg und Frieden. Im zweiten Teil entfaltet sich dann die Musik wie ein Schmetterling und geht zu fröhlicheren Tönen über.

 Sonntag, 12. Mai um 16 Uhr.

Abschlusskonzert Konzertreise, Kirche St. Clara, Basel.