Umbau
Keine Spur von der «Kuppel» im Nachtigallenwäldeli

Eigentlich sollte die «Kuppel» gemeinsam mit der Eröffnung des umgestalteten Nachtigallenwäldelis wiedereröffnet werden. Doch Betreiber Simon Lutz lässt Termine weiter verstreichen und Versprechungen platzen.

Christian Mensch
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Am Birsigufer, wo die Bagger stehen, hätte bis Mai das neue Ausgehlokal stehen sollen. Doch nicht einmal ein Baugesuch ist eingereicht.

Am Birsigufer, wo die Bagger stehen, hätte bis Mai das neue Ausgehlokal stehen sollen. Doch nicht einmal ein Baugesuch ist eingereicht.

Kenneth Nars

Während der Baselworld ist in der Regel Highlife im Nachtigallenwäldeli. Vor einem Jahr stieg im Anschluss an die Uhren- und Schmuckmesse eine grosse Kehraus-Party in der «Kuppel». Kurz darauf fuhren die Bagger auf und zerlegten das Providurium, das seit 1988 Generationen von Jugendlichen in das Nachtleben einführte.

Endlich schien sich der Neubau zu realisieren, den Gastrounternehmer Simon Lutz seit Jahren versprochen hatte. Dieser betreibt nicht nur die «Kuppel», sondern an gleichem Orte das Restaurant «Acqua», den Club «Garage/Provisorium» sowie im Winter die «Baracca Zermatt». Auf dem Margarethenhügel gehört das «Schällenursli» zu seinem Reich und auf dem Rhein der Club «Nordstern».

Die Finanzierung des 7-Millionen-Franken-Neubaus sei gesichert, verkündete Lutz. Im Februar 2016 wurde die Stiftung Kuppel gegründet, in der ein Geldgeber anonym seine 5-Millionen-Spende einbringen wollte. Im März bewilligte der Grosse Rat zum zweiten Mal einen 1,7-Millionen-Franken-Zuschuss, um im Untergeschoss Band-Probelokale einzurichten. Das Basler Parlament hatte den Betrag bereits im Jahr 2011 (!) ein erstes Mal gesprochen. Da das Projekt jedoch nicht innerhalb von drei Jahren realisiert wurde, musste er erneut legitimiert werden. Das Vertrauen der Politiker in die «Kuppel»-Pläne war jedoch ungebrochen; der Kredit wurde mit 84 Stimmen bei einer Enthaltung und nur einem Nein bewilligt.

Die Stadtgärtnerei, die für die Umgestaltung des Birsigtalbodens vom Zoo bis zur Heuwaage verantwortlich zeichnet, hatte zwei ideale Zeitfenster eingeplant, in denen die alte «Kuppel» spätestens abgerissen und die neue gebaut werden sollte. Bei der Demontage im März 2016 hielten sich die «Kuppel»-Macher an die Vorgabe, schliesslich hatte der Staat versprochen, die Abrisskosten zu übernehmen. Die Frist, bis Mai 2017 die neue «Kuppel» zu erstellen, wird jedoch ungenutzt verstreichen. Wenn am 10. Juni das Nachtigallenwäldeli feierlich eröffnet wird, verweist nur eine Brache auf den versprochenen Bau.

Lutz, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, hatte 2015 noch versprochen, die neue «Kuppel» zusammen mit dem Park einzuweihen. Mit der Gründung der Stiftung verschob er die Eröffnung auf Frühjahr 2018. Auf diese Ankündigung verweist auf Anfrage weiterhin Tobit Schäfer, Stiftungsrat der Kuppel Stiftung. Allerdings war dieser Premierentermin gekoppelt an die Ansage, im Herbst 2016 mit den Bauarbeiten zu beginnen. Dafür müsste jedoch zuerst eine Baueingabe gemacht sein, wofür es keine Anhaltspunkte gibt.

Der Zoo würde profitieren

Eine neue und nochmals andere Version verbreitet Stephan Werthmüller im FCB-Fanblatt «Rotblau». Der FCB-Verwaltungsrat, ein langjähriger Weggefährte von Lutz und Mitbegründer der Stiftung Kuppel, erklärte in einem Interview: «Wir hoffen, dass wir die neue Kuppel 2019 eröffnen können.» Dann soll jedoch mit einer grösseren Kelle angerichtet werden: «Parallel zu den ‹Kuppel›-Bauarbeiten werden wir wohl noch einen Relaunch des nebenliegenden ‹Acqua› vornehmen».

Im Parlament hatte ein Grossrat gespottet, vielleicht werde er dereinst mit dem Rollator zur «Kuppel»-Einweihung anfahren. Innerhalb des Baudepartements wird spekuliert, ob es überhaupt zu einer Baueingabe kommen werde. Schmerzlich scheint der Veranstaltungsort nicht vermisst zu werden; das Wehklagen der Clubszene, die seit einem Jahr ohne «Kuppel» auskommt, hält sich jedenfalls in Grenzen. Freuen würde sich der Zoo. Wenn die «Kuppel» nicht gebaut wird, fällt das Vermögen der damit überflüssig werdenden Stiftung gemäss Statuten an den Tierpark.