BVB-Pläne
«Keine Ahnung vom Service public»: Harsche Reaktionen auf den BVB-Kahlschlag

Der von den Basler Verkehrs-Betrieben geplante Automaten-Kahlschlag verärgert Politiker und Verbände – die Regierung beschwichtigt.

Jonas Hoskyn
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Die Billettautomaten sind nach wie vor der grösste Verkaufskanal für Tram- und Bustickets

Die Billettautomaten sind nach wie vor der grösste Verkaufskanal für Tram- und Bustickets

Nicole Nars-Zimmer

Jeder dritte Billettautomat in Basel soll in den nächsten Jahren abgebaut werden. Diese internen Pläne der Basler Verkehrsbetriebe machte die bz publik. Offiziell wiegeln die BVB ab, man sei erst in einer Auswertung. Doch interne Unterlagen zeichnen ein anderes Bild: Um die Kunden zum Umsteigen auf den Ticketkauf via Smartphone zu bewegen, plant das öV-Unternehmen einen eigentlichen Kahlschlag bei den Automaten. Bis 2020 soll deren Anzahl von aktuell 450 auf 300 gesenkt werden.

Die Pläne sorgen für Kritik. Denn die BVB hat einen Service-public-Auftrag. «Ein solcher Abbau kommt nicht infrage», sagt Michael Wüthrich. Der grüne Grossrat ist Präsident der für die BVB zuständigen Kommission für Umwelt, Verkehr und Energie. Wüthrich spricht von «blödsinningen Sparmassnahmen» mit Blick auf das umstrittene Effizienzsteigerungsprogramm Avanti. «Niemand hat den BVB gesagt, sie müssten 20 Millionen sparen.» Die Direktion würde die Verkehrsbetriebe nicht mehr als Dienstleistungs- sondern nur noch als Profit-Unternehmen leiten. «So macht man systematisch den öV kaputt.» Er fordert von der Geschäftsleitung, dass diese transparent ausweisen, was ein Upgrade der Automaten oder eine Neubeschaffung kosten, bevor abgebaut wird.

«Betagte brauchen Automaten»

«Ein Ticketautomat gehört im Moment noch zum Service public dazu», sagt Wüthrich. Gerade die ältere Bevölkerung komme nicht klar mit der Smartphone-App, «und gerade die haben oftmals auch kein U-Abo.»

Diese Einschätzung teilt auch Remo Gysin. Der Co-Präsident der Grauen Panther Nordwestschweiz sagt: «Die Bevölkerung und insbesondere Betagte sind auf die Automaten angewiesen.» Vielleicht könne man durchaus den einen oder anderen abbauen, «aber sicher nicht in dieser Grössenordnung». Offenbar herrsche bei den BVB immer mehr ein Denken, welches die Effizienz statt Dienstleistung zum obersten Gebot mache.

Für den früheren sozialdemokratischen Regierungs- und Nationalrat liegt das Problem aber tiefer: «Die Verselbstständigung der BVB funktioniert nicht», sagt Gysin. «Im Verwaltungsrat und in der Direktion sitzen Leute, die vom Service public keine Ahnung haben.» Auf der anderen Seite bekunde die Regierung offenbar grösste Mühe, eine Eignerstrategie zu definieren, welche den Ansprüchen an die BVB und den Bedürfnissen der Bevölkerung genüge, so Gysin.

Auch beim Behindertenforum sieht man die Pläne der BVB mit Skepsis. «Für jemanden im Rollstuhl oder mit einer Sehbehinderung ist jeder zusätzliche Aufwand eine Belastung», sagt Geschäftsführer Georg Mattmüller. Allerdings sehe er in den Abbauplänen weniger eine behindertenspezifische Diskriminierung als vielmehr eine allgemeine Reduktion des Service public.

Wessels stellt sich hinter BVB

Beim zuständigen Bau- und Verkehrsdepartement von Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) hat man Vertrauen in die BVB: «In der Eignerstrategie wird festgehalten, dass der Eigner Kundenfreundlichkeit und Effizienz will. Aber nicht, mit welchen und wie vielen Billettautomaten dies zu bewerkstelligen ist», schreibt das Departement. Gleichzeitig wird festgehalten: «Der Kanton erwartet, dass die BVB ihre Vertriebskanäle kundenfreundlich organisieren, sodass alle Kunden bequemen Zugang haben und dass der Aufwand für den Verkauf verhältnismässig bleibt.» Wie die BVB diese beiden Ziele übereinander bringen, sei ihre Sache. Vor dem Hintergrund des rasch zunehmenden Einsatzes moderner Zahlungsmittel, digitaler Vertriebsmöglichkeiten und der hohen Kosten für neue Automaten mache es Sinn, dass sich die BVB überlegen, welche und wie viele Automaten es künftig braucht.

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