Klinikum 2

Kein Geld für den Unispital-Neubau: Nach der gescheiterten Spitalfusion liegt das Projekt auf Eis

Es ist fraglich, ob das Projekt «Arcadia» wirklich umgesetzt werden kann.

Es ist fraglich, ob das Projekt «Arcadia» wirklich umgesetzt werden kann.

Die gescheiterte Spitalfusion zwischen dem Universitätsspital Basel (USB) und dem Kantonsspital Baselland hat Konsequenzen. Mit der Rendite, welche das USB derzeit erreicht, kann der Neubau des Klinikums 2 am Petersgraben nicht gebaut werden.

Nächstes Jahr will das Basler Universitätsspital (USB) mit dem Bau des neuen Klinikums 2 beginnen. Eigentlich. Doch es fehlt das Geld. Denn es besteht kein Grund anzunehmen, dass das Unispital in den nächsten Jahren an die benötigten Mittel kommt.

Gemäss einer gut informierten Quelle aus dem Gesundheitsdepartement ist das Projekt schon sistiert worden.

Die Spitalverantwortlichen hatten auf die Fusion mit dem Kantonsspital Baselland gehofft. Der Zusammenschluss hätte Prognosen zufolge die sogenannte Ebitdar-Marge, also das Betriebsergebnis vor den Aufwendungen, wie etwa die Steuern, auf über zehn Prozent gehoben.

2017 lag das Unispital bei 6,2 Prozent, der Geschäftsbericht für das vergangene Jahr erscheint erst im Mai. Doch bei rückläufigen Zahlen im stationären Bereich ist nicht anzunehmen, dass das Unispital das angepeilte Betriebsergebnis im Alleingang erreichen wird.

Thomas Pfluger, Leiter Kommunikation beim Unispital, bestätigt, dass die Zehn-Prozent-Marke erreicht werden müsse, «um die Gesamtinfrastrukturen erneuern und erhalten zu können». Darunter fällt auch der rund 730 Millionen Franken teure Klinikum-2-Neubau, der 2013 den Zuschlag erhielt. Pfluger sagt: «Kann die Marge nicht erreicht werden, braucht es andere Finanzierungsformen oder eine Revision der Pläne.»

Zahlt die Pharma?

Die angesprochenen «anderen Finanzierungsformen» dürften nicht einfach zu finden sein. Seit der Revision des Krankenversicherungsgesetzes, das 2012 in Kraft trat, müssen die Spitäler ihre Investitionen selber tätigen.

Wenngleich über die Gemeinwirtschaftlichen Leistungen Schleichwege bestehen, um die staatseigenen Spitäler zu alimentieren, wäre eine staatliche Subvention des Klinikums 2 in Basel kaum durchsetzbar. Der Aufschrei der starken Privatspital-Lobby wäre gewiss.

Auch Pfluger räumt ein. «Das USB muss seine Investitionen aus eigener Kraft finanzieren.» Anne Tschudin, die Sprecherin des Gesundheitsdepartements, bekräftigt, dass die Investitionen des Universitätsspitals ein Thema seien beim Kanton. Doch: «Unser aktuelles Modell sieht vor, dass das USB die Investitionen selber finanziert.»

Die zweite Möglichkeit besteht darin, die Baserates, also die Basispreise für stationäre Eingriffe, zu erhöhen. Angesichts der ohnehin schon hohen Baserates am Unispital dürfte dies bei den Krankenkassen auf Widerspruch stossen.

Gesundheitsökonom Willy Oggier bezeichnet die dritte Möglichkeit als die vielversprechendste, den Neubau des Klinikums 2 am Petersgraben doch noch zu retten: ein Spendenaufruf. Dies in Anlehnung an das neue Kinderspital in Zürich. 100 der 625 Millionen Franken sollen über Fundraising eingenommen werden. Bisher läuft es schleppend.

Seit drei Jahren, schrieb der «Tagesanzeiger» diese Woche, ist von der Fundraisingabteilung des Kinderspitals die gleiche Antwort zu hören. Der Stand der Spenden habe einen zweistelligen Millionenbetrag erreicht.

Das Unispital Basel hingegen könnte auf die Pharma hoffen, wie Oggier sagt. Die ansässigen Multis Roche und Novartis werden ein Interesse haben, dass die Spitzenmedizin in Basel die modernste Infrastruktur vorfindet.

Instandsetzungsarbeiten nehmen zu

Von modernster Infrastruktur ist insbesondere das sanierungsbedürftige Klinikum 2, das in den 70er-Jahren gebaut wurde, weit entfernt. Pfluger sagt deshalb dezidiert: «Das USB benötigt den Neubau des Klinikums 2.»

Bereits, als der Basler Regierungsrat 2015 den Ratschlag zum Neubau vorlegte, sprach dieser davon, dass das Gebäude die Lebensdauer überschritten habe. Die Bau- und Planungskommission führte in ihrem Kommissionsbericht aus: «Das Universitätsspital kann den gestiegenen Anforderungen an die Effizienz und Produktivität interner Abläufe und Prozesse im bestehenden Gebäude mittelfristig nicht mehr gerecht werden.» Immer wieder müssten aufgrund der Alterserscheinungen Instandsetzungsarbeiten vorgenommen werden.

Pfluger ergänzt: «Das Klinikum 2 wird nicht jünger. Die Instandsetzungsarbeiten nehmen zu, da es durch das Alter mehr Ausfälle von Anlagen gibt, zum Beispiel bei den Rolltreppen.» Offiziell hält das USB am Zeitplan fest. Dieser sei «noch aktuell», wie Pfluger sagt. Sollte aber nicht innert Kürze Geld aufgetrieben werden können, werden 2020 noch keine Bagger auffahren. Auch eine etappenweise Sanierung sei nicht möglich, hält der Medienchef fest.

Notfallzentrum ist am Anschlag

Scheitert die Finanzierung des Klinikums 2, würde demnach auch das jüngste Bauprojekt sistiert: Im vergangenen Frühjahr hatte das Universitätsspital eine Ausschreibung für einen Neubau an der Schanzen- und Klingelbergstrasse getätigt. Hier sollten das interdisziplinäre Tumorzentrum sowie ein Provisorium des Notfallzentrums Platz finden, während der Neubau des Klinikums 2 im Gang ist.

Gerade bei der Notfallaufnahme herrscht dringender Handlungsbedarf: Das Zentrum am Petersgraben ist baulich und personell am Anschlag, wie Patienten und Mitarbeiter berichten. Auch sie müssen hoffen, dass das Universitätsspital unverhofft an Geld für den Neubau kommt.

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