Hexenjagd

Käppelijoch: Ein Mahnmal für die Basler «Hexen»

Bis ins 17. Jahrhundert wurden in Basel Frauen der Hexerei bezichtigt und hingerichtet. Heute wird ihnen eine Gedenktafel gewidmet.

Hans Müller von Fürenfeld ist guter Dinge. Vor kurzer Zeit wurde er von einem Oberstknecht nach Basel gebracht, um die Stadt von jenen Frauen zu befreien, die sich auf den «Teufelscoitus» eingelassen haben und ketzerische Zauberei betreiben. Hexen also. Genau von Fürenfelds Metier. Der «Hexenmeister» ist ein selbsternannter Profi im Erkennen von solchen Teufelsweibern. Er könne am First eines Hauses sehen, ob sich eine Hexe darin befinde, pflegt er selbstbewusst zu behaupten.

Von dieser Fähigkeit macht er jetzt auch in Basel Gebrauch: Aufgrund seiner Aussagen werden gleich mehrere Frauen inhaftiert und gefoltert. Aber von Fürenfeld hat die Rechnung ohne Gret Fröhlicherin gemacht. Die wohlhabende Hebamme und Metzgersfrau sagt im Gefängnis gegen ihn aus und klagt ihn wegen Verleumdung an. Sie wird freigelassen und von Fürenfeld muss die Stadt verlassen. Ironischerweise findet er kurze Zeit später genau das Ende, in das er viele Frauen zuvor getrieben hat: Er wird in Strassburg wegen falscher Anschuldigungen ertränkt.

Auch für Gret Fröhlicher geht es nicht gut aus. Einige Jahre nach ihrer Inhaftierung trennt sie sich von ihrem Mann und zieht nach Pratteln, wo sie in einen heftigen Streit mit ihrer Schwiegertochter gerät. Als die Schwiegertochter kurz darauf krank wird, heisst es, Gret habe einen Schadenzauber ausgesprochen. Als geschiedene Frau, die einen Beruf ausübt, in dem es um Leben und Tod geht, hat sie keine guten Karten. 1458 wird sie vom Prattler Gerichtsherrn Hans Bernhard von Eptingen verurteilt und im Jahr 1458 als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Auf dem Marktplatz verbrannt

Die Geschichte von Gret Fröhlicher und dem Hexenmeister von Fürenfeld ist nur ein Schicksal in einer Reihe von 29 überlieferten Hinrichtungen, die zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert in Basel unter Anklage der Hexerei vollstreckt wurden. Sie ist exemplarisch für die Willkür dieser juristischen Entscheide: Die Frauen wurden oft grundlos (es heisst, die «Hexenmeister» hätten ihre Urteile durch blosses Anblicken gefällt) der Einlassung mit dem Teufel beschuldigt.

Sie wurden geschoren, um allfällige Teufelsmerkmale zu entdecken, und gefoltert. Auch wenige Männer waren darunter. Wer Pech hatte oder unter Folter seine Taten «gestand», wurde im Zuge eines öffentlichen Spektakels auf dem Marktplatz verbrannt oder wie die Kindsmörderinnen und Ehebrecherinnen auf die Mittlere Brücke zum Käppelijoch geschleppt und in den Rhein geworfen.

Heute ist von diesen grausamen Taten nichts mehr zu spüren. Am Gitter der Kleinstkappelle bringen Verliebte kleine Schlösser an, im Sommer springen junge Leute zum Plausch von der Brücke ins Wasser. Dass hier Dutzende von Frauen ihr Ende fanden – undenkbar.
Das ändert sich jetzt. Die Historikerin und ehemalige Basta-Grossrätin Brigitta Gerber hat das Anbringen einer Tafel initiiert, die den hingerichteten Frauen gedenken soll.

Eine Rehabilitierung im rechtlichen Sinne ist diese Aktion jedoch nicht. Für die gibt es laut Regierung zu wenig Dokumente aus der entsprechenden Zeit, die behilflich sein könnten, die Prozesse neu aufzurollen. Viele Urteile der damaligen Gerichtsvorfälle sind nicht mehr vorhanden. Gerber sieht das Problem auch in der Tatsache, dass die Hexenprozesse Jahrhunderte zurückliegen.

«Anders als bei den Verdingkindern oder dem Fall Grüninger sind keine Opfer mehr am Leben, die das Recht auf eine öffentliche Entschuldigung und Entschädigung einfordern können.» Das gäbe zwangsläufig weniger Antrieb für eine juristische Rehabilitation. Moralisch ist eine Stellungnahme jedoch möglich – und unbedingt nötig, so Gerber.

Davon sind auch die Aktivistinnen und Aktivisten des Frauenstreikkomittees überzeugt. Sie rufen zu einem Trauermarsch für die Hingerichteten auf, um die Einweihung der Gedenktafel zu ergänzen. Auf Facebook machen sie auf die universelle Bedeutung dieses Mahnmals aufmerksam: «Möge dieses prominent an der Mittleren Brücke angebrachte Schild Basler Einwohner*innen ermutigen, sich mit Zivilcourage und Vehemenz gegen jedwede Form von Diskriminierung und Marginalisierung aktiv einzubringen», schreiben sie.

«Wir wollen nicht länger zwischen Hure und Heiliger wählen müssen, im Rhein versenkt oder verheiratet werden. Wir sind beides und vieles gleichzeitig! Wir sind eigenwillig, eigensinnig und eigenständig.» Auch wenn es 600 Jahre dauern musste – Gret Fröhlicher wäre stolz auf sie.

Einweihung der Gedenktafel für die Opfer der Hexenverfolgung 22. März, 14 Uhr, Grossratssaal des Rathauses. Von dort Spaziergang zur Mittleren Brücke, wo die Gedenktafel enthüllt wird. Trauerumzug: 13 Uhr beim Käppelijoch, man kann in Trauerkleidung kommen und mitbringen, was man bei der Tafel niederlegen will.

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