Basler Fasnacht
Jetzt soll es Fasnacht in der Unterführung statt auf der Laterne geben – doch es gibt viel Skepsis

Der Kanton bietet Fasnachtskünstlern zwei Unterführungen zur Gestaltung an. Von Begeisterung ist noch wenig zu spüren.

Tobias Gfeller
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Das war einmal: Die Ladäärne-Ausstellung auf dem Münsterplatz. In diesem Jahr soll es aber eine Alternative dazu geben.

Das war einmal: Die Ladäärne-Ausstellung auf dem Münsterplatz. In diesem Jahr soll es aber eine Alternative dazu geben.

Roland Schmid

Im vergangenen Jahr kamen ihre Laternen nicht zum Einsatz, für dieses Jahr müssen sie gar nicht erst welche malen. Die Fasnachtskünstlerinnen und -künstler durchleben schwierige Zeiten. Das ist auch dem Basler Tiefbauamt bewusst. Es bietet ihnen deshalb die Unterführungen an der Zürcherstrasse im Breite-Quartier und beim Bäumlihof zur Gestaltung an. Die Idee dafür kam aus der Fasnachtsszene und stiess beim Amt auf offene Ohren, verrät Mediensprecherin Sarah Mesmer. Es sei auch ein Mehrwert für den Kanton und die Bevölkerung, wenn eine Unterführung farbig statt grau ist. «Eine Win-win-Situation.»

Schwache Resonanz und viel Skepsis

Mit der Idee gelangte das Tiefbauamt an das Fasnachts-Comité. Dieses wiederum informierte vor rund zwei Monaten die Cliquen, damit diese ihre Laternenmaler ins Bild setzen können. «In diesen schwierigen Zeiten ist es besonders wichtig, Verantwortung zu übernehmen», schrieb das Comité an die Obfrauen und Obmänner. Denn die Finanzierung der unterirdischen Kunstwerke muss von den Cliquen kommen.

Noch ist vieles unklar, wie die Kunstwerke technisch umgesetzt werden sollen.

(Quelle: Comité-Obfrau Pia Inderbitzin)

Die Motive sollen mit der Fasnacht zu tun haben und im Januar und Februar realisiert werden. Das Interesse bei den Laternenmalerinnen und -malern ist bisher aber gering. Nur gerade zwei Personen hätten sich beim Fasnachts-Comité gemeldet, sagt Comité-Obfrau Pia Inderbitzin. Sie glaubt, dass dies auch mit den Temperaturen zusammenhängt. «Die Farben reagieren auf die Kälte. Dazu braucht es Strom, Wasser und Leitern. Noch ist vieles unklar, wie die Kunstwerke technisch umgesetzt werden sollen.»

«Das sind ganz andere Techniken, die man da benutzt»

Laternenmaler Paul Bachmann begrüsst die Idee und schätzt die Unterstützung durch den Kanton. Er werde davon aber nicht Gebrauch machen. «Für mich als Kunstmaler ist das Laternenmalen eher ein willkommener finanzieller Zustupf, der zwar schon wichtig ist, aber von dem ich nicht abhängig bin.» Urs Degen gibt zu bedenken, dass Laternenmaler nicht automatisch Wandmaler sind. «Das sind ganz andere Techniken, die man da benutzt.»

Für mich als Kunstmaler ist das Laternenmalen eher ein willkommener finanzieller Zustupf.

(Quelle: Laternenmaler Paul Bachmann)

Für Pascal Joray kommt das Projekt zum falschen Zeitpunkt. «Ich finde die Idee aber grundsätzlich gut, dass der Kanton an öffentlichen Wänden für Kunst Hand bietet.» Auch Stephan Udry, im «normalen» Beruf Lehrer und an der Fasnacht Laternenmaler für die Seibi-Mysli, gefällt das Vorhaben, melden werde er sich aber nicht. Wie andere wird auch er von seiner Clique und anderen Institutionen mit kleineren Aufträgen unterstützt. Udry sieht in der Finanzierung des Unterführungsprojekts ein mögliches Hindernis. «Die Cliquen haben in dieser Zeit selbst zu kämpfen.»

Ausstellung auf dem Münsterplatz

Auch funktioniert der Informationsfluss nicht überall optimal. Grafikerin Mirjam Pierig von der Brainheart GmbH, die jedes Jahr Laternen für zwei Stammvereine malt, wurde von «ihren» Cliquen nicht informiert, erfuhr vom Projekt aber immerhin durch das Fasnachts-Comité. «Die Idee ist herzig und gut. Aber wer will jetzt schon bei diesen Temperaturen eine Unterführung bemalen?» Zudem wäre es toll gewesen, man würde die Unterführungen zusammen mit Kindern gestalten, um diese mit der Fasnacht in Kontakt zu halten.

Wenn man von Weltkulturerbe redet, sollte man auch die Laternenmalergilde unterstützen.

(Quelle: Laternenmalerin «Mimi» Pierig)

Für die Cliquen ist «Mimi» Pierig nicht nur Laternenmalerin, sondern auch Gestalterin und Ideengeberin für Fasnachtszüge. Sie wünscht sich von verschiedener Seite mehr Unterstützung – Kanton, Comité und Cliquen. «Wenn man von Weltkulturerbe redet, sollte man auch die Laternenmalergilde unterstützen. Wir leisten auch viel ehrenamtliche Arbeit, die scheinbar nicht wahrgenommen wird. Das ist schade.» Die Laternenmaler würden in der aktuellen Krise durch die Maschen fallen, wenn sie nicht von den Cliquen unterstützt werden.

Baugesuch ist hängig

Neben der Fasnachtskunst in der Unterführung plant das Fasnachts-Comité vom 14. Februar bis zum 6. März auf dem Münsterplatz eine Ausstellung mit sechs Monolithen, die Laternenseiten von alten Fasnachtslaternen zeigen. Ein Baugesuch ist hängig. Die Monolithen sollen Teil des Fasnachtsspaziergangs werden. Zusammen mit den Jungen Garden entwickelt das Comité einen Parcours mit diversen Stationen in der Stadt, um auch in Zeiten von Corona den Geist der Fasnacht spürbar zu machen.

Comité-Frau und Journalistin Christen tot

Als erste Frau wurde Corina Christen 1999 in das von Männern dominierte Fasnachts-Comité gewählt. Am 24. Dezember ist Christen nun im Alter von 74 Jahren verstorben. Dies meldete «Onlinereports». Für dieses Medium war sie als Kolumnistin tätig gewesen. Einer breiten Leserschaft war sie als Gerichtsreporterin der «Basler Zeitung» bekannt geworden. In der Kolumne «Angerichtet» hatte sie ausserdem über eher kuriose Gerichtsfälle geschrieben. Unter Fasnächtlern war sie vor allem als herausragende Schnitzelbänklerin bekannt. (map)