Schauspielhaus Basel
Jede Bewegung ist ein Kampf – ein Tanz ins Verderben

Das Ballettensemble des Theater Basel überzeugt im Schauspielhaus mit Choreographien von Hofesh Shechter und Bryan Arias und bescherte den Zuschauern am Freitagabend zur Premiere keinen klassischen Ballettabend.

Mélanie Honegger
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Ein Gesamtkunstwerk: Hofesh Shechters Stück «The Fools».

Ein Gesamtkunstwerk: Hofesh Shechters Stück «The Fools».

Werner Tschan

Die Musik zu laut und zu wild, der Tanzstil zu ungewöhnlich, der Abend zu kurz und die Gäste zu wenig elegant gekleidet: Wer am Freitagabend zur Premiere von «Shechter/Arias» ins Schauspielhaus ging, der durfte keinen klassischen Ballettabend erwarten. Das Ballettensemble unter der Leitung von Richard Wherlock arbeitet für die aktuelle Produktion mit zwei auswärtigen Choreographen und löst sich so von traditionellen Tanzmustern: Hofesh Shechter und Bryan Arias sorgen für einen Abend der Gegensätze.

Besuch vom «enfant terrible»

Besonders der israelischstämmige Shechter ist bereits ein fester Begriff in der Tanzwelt. Er geniesst den Ruf als «enfant terrible» der Ballettszene. Kommt er zu Besuch, so verteilt das Theater Basel gern auch einmal Ohrstöpsel, so laut ist die Musik mitunter. Auch für sein bald zehn Jahre altes Stück «The Fools», den ersten Teil des Abends, wäre ein Gehörschutz durchaus angebracht. Das anfängliche Rauschen entwickelt sich schnell zum laut pulsierenden Trommelreigen, der im ganzen Körper zu spüren ist und nur ruckartig von Klaviersonaten durchbrochen wird. Shechter hat ein Gesamtkunstwerk geschaffen: Nicht nur die Choreographie, auch die Musik und die Kostüme stammen von ihm. Entstanden ist ein Werk voller Kontraste, sowohl in der Musik als auch in den Farben und den Stimmungen. Letztere sind zuweilen äusserst düster: Mit dröhnenden Gewehrsalven in den Ohren fallen die Tänzer auf den Boden und zucken synchron. Jede Bewegung ist ein Kampf, ein Tanz ins Verderben.

Intimität durch Improvisation

Der Bruch folgt nach der Pause. Bryan Arias hat mit «This is everything» das Gegenstück zu Shechters energiegeladenem Werk geschaffen: In hellviolettem Licht tanzt das Ensemble geschmeidig zu sanft scheppernder Klaviermusik. Für das harmonische Stück hat der Choreograph aus Puerto Rico eng mit dem Ensemble zusammengearbeitet: Über Improvisationen der Tänzer und Tänzerinnen hat er eine intime Choreographie geschaffen, die von der geradezu zärtlichen Interaktion der Darstellenden lebt. Während die Musik einem leisen Flüstern weicht, stützen und tragen sich die einzelnen Paare, halten sich fest und geben sich neue Impulse. Die Konstellationen wechseln dabei ständig. So setzt sich Arias’ Stück aus einzelnen Bildern und Momenten zusammen, die fliessend ineinander übergehen. Dann verschmelzen die Paare plötzlich zum Kollektiv, das dem gleichen Rhythmus folgt. Irgendwann kehren sie zur Anfangschoreographie zurück, nehmen alte Muster auf und finden dann doch ein neues Ende: Der Abend, der so kriegerisch begonnen hat, schliesst mit einer langen, versöhnlichen Umarmung.

«Shechter/Arias» bis 30.11. im Schauspielhaus Basel.

Tickets und Infos unter www.theater-basel.ch.