Wenn die italienische Tricolore mit dem Schweizerkreuz kombiniert und als Secondo-Fahne gehisst wird, dann weiss das Basler Publikum, wo es gelandet ist: An einem Abend der Pelati Delicati. So heisst die Bühnenformation des Schauspielers Andrea Bettini und des Musikers Basso Salerno.

Zusammen mit Regisseur Christian Vetsch proben sie derzeit im Barakuba auf dem Gundeldinger Feld, vor leeren Rängen, für einen Anlass, der nach der Fasnacht kommt: Ihre grosse Retrospektive auf zehn Bühnenjahre. Ein Jubiläum, vier Programme, 16 Auftritte.

Inspiriert von Fo und Benigni

Am Anfang war das Experiment. Andrea Bettini, Mitglied des Schauspielensembles am Theater Basel, nutzte die Möglichkeit, die ihm das Nachtcafé bot: Mal was Eigenes ausprobieren. Er stellte sich als Clown auf die Bühne und erzählte Geschichten. Inspiriert von Dario Fo und Roberto Benigni, unterstützt vom Regieassistenten Christian Vetsch.

Nach der Feuertaufe entschied sich Bettini, die Clownnase abzustreifen und seine eigenen Lebenserfahrungen mit Humor zu überziehen. So folgte er inhaltlich seiner Lebensgeschichte, jener des Secondos aus Zürich-Höngg, der in den 1960ern in einer Blocksiedlung aufwuchs und dabei nicht nur eine fremde Sprache lernen musste, sondern auch, wie man sich als «Tschingg» mit Meitlinamen (Andrea!) in dieser Schweiz behauptet.

Die Erfahrungen eines Secondos

«Ich kenne beide Mentalitäten in- und auswendig», sagt Bettini. «Io faccio Schwizerdütsch rede», heisst das dann auf der Bühne, wenn er die zwei unterschiedlichen Seelen in seiner Brust zum Thema macht. Dort das sympathische Chaos, hier die strengen Regeln, mit denen man schon von klein auf auf die «schweizerdemokratische Mittelmassbandbreite» getrimmt wird, so Bettini. Bereits in der Schule verinnerlichte er, was der Schweiz Stabilität verleiht: «Freundlich sein, fleissig sein, sauber sein, leise sein.»

Man müsse sich anpassen, das habe er rasch begriffen. All diese Erfahrungen dramatisiert er in seinen Programmen auf wunderbare Weise, untermalt dabei die Unterschiede dies- und jenseits der Alpen mit Musica leggera, die Sehnsüchte transportiert und die Stimmung zum Fliegen bringt («Volare», what else?!).

Was dabei nicht fehlt, ist eine gesunde Portion Selbstironie. Davon zeugt allein schon der Name, den das Projekt annahm, nachdem Bettini in Basso Salerno, einem im Baselbiet gelandeten Süditaliener, einen musikalischen Kompagnon fand. Mit dem Akkordeonisten und Gitarristen teilt er nicht nur das Alter und die Liebe zu Canzoni, sondern auch den Mangel an Haarpracht. Bettini zeigt auf seinen Kopf und sagt: «Pelati Delicati heisst ja die delikat Geschälten.» Wir verstehen: Pelati ist nicht nur der Sugo aus der Küche, sondern auch Synonym für Kahlköpfe. Mit diesen Signori darf gelacht werden!

Ein grosser Geheimtipp

Das stellte auch das Basler Publikum fest. Was im Nachtcafé seinen Anfang nahm, wurde zum grossen Geheimtipp. Die Mund-zu-Mund-Propaganda zeigte zunehmend Wirkung, bald füllten die Pelati Delicati sogar das Schauspielhaus, und das nicht nur einmal.

Etwas Vergleichbares erlebte man am Theater Basel letztmals ums Millennium, als sich ebenfalls aus dem Schauspielensemble heraus «Abba Jetzt!» entwickelte: Ein ebenso witziger Musiktheaterabend der beiden Schauspieler Hanno Friedrich und Tilo Nest, begleitet vom Pianisten Alex Paeffgen.

Die Pelati Delicati reihten sich in diese Tradition ein und brachen ebenfalls aus: 2010 holten sie den Publikumspreis am Secondo Festival in Bremgarten, seither haben sie fast 400 Auftritte gegeben. Da war alles dabei: von der kleinen Pizzeria bis zum grossen Kongresssaal. «Und doch haben wir noch kein überregionales Rennommée», sagt Andrea Bettini. «Noch nicht.» Schwingen da etwa Ambitionen mit? «Ja, klar, unser Ziel ist es, noch häufiger in anderen Städten aufzutreten.»

Waren die ersten Produktionen im geschützten Rahmen des Theater Basel entstanden, so sind die Pelati Delicati mittlerweile davon losgelöst: Bettini hat sein Pensum halbiert, um dem eigenen Projekt mehr Raum geben zu können. Während er am Theater in die Rollen anderer Autoren schlüpft, so liegen ihm die Texte, die er bei den Pelati auf die Bühne bringt, besonders nahe am Herzen: Es sind ja auch seine eigenen.

 

10 Jahre Pelati Delicati. Die Jubiläumsvorstellungen finden im Theater Fauteuil in Basel statt (zwischen 19.3. und 7. April) sowie im Neuen Theater Dornach (16. Mai-28. Mai).
Infos: www.pelati.ch