Lehrplan 21
Initiative: Das Volk soll die Kunst-Fächer retten

Eine Initiative will den Schülern die freie Wahl zurückgeben. Im Zeichen der Kunst und gegen die Stundentafel der neuen Sekundarschule.

Jasmin Schraner
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Die Stadt stimmte über den Bundesverfassungsartikel zur Förderung der musikalischen Bildung ab (Symbolbild).

Die Stadt stimmte über den Bundesverfassungsartikel zur Förderung der musikalischen Bildung ab (Symbolbild).

Keystone

Bald sind sie nur noch Geschichte: die Orientierungs- und Weiterbildungsschule. Und mit ihnen die Klassen mit erweitertem Musikunterricht, kurz Emos. Ersetzt werden sie in den kommenden Jahren durch die neue Sekundarschule mit den drei Leistungsstufen A, E und P. Im P-Zug sollen die Schüler auf das Gymnasium vorbereitet werden. Das sei in den musischen Fächern zu wenig möglich, mahnen die Verbände der Musik- und Kunstlehrer. Sie haben die neue Stundentafel bereits früher kritisiert. Eine Reaktion des Erziehungsdepartements blieb aus — dieses setzte eine andere Priorität, nämlich die gemeinsame Stundentafel für Stadt und Land. Jetzt wollen es die Verbände auf politischer Ebene versuchen mit einer Initiative. Getragen wird diese von der Freiwilligen Schulsynode, den Verbänden Schulmusik, Schweizerische Lehrerinnen und Lehrer Bildnerische Gestaltung sowie der Gewerkschaft VPOD. Die Unterschriftensammlung für die «Initiative für eine freie Wahl aller Wahlpflichtfächer in der Sekundarschule» hat bereits begonnen.

Nur noch als Wahlfach

Zurück ins Jahr 2012 zur Ursache der Verstimmung: Die umstrittene Stundentafel des Lehrplans 21 wurde in Basel verabschiedet. Im gleichen Jahr stimmte die Stadt über den Bundesverfassungsartikel zur Förderung der musikalischen Bildung ab: mit 82 Prozent Jastimmen. Seither sorgt die neue Rolle der musischen Fächer für Misstöne. Das Problem: In der achten und neunten Klasse sind die Fächer Musik, Bildnerisches Gestalten, Technisches und Textiles Gestalten keine Plichtfächer mehr, sondern wurden in den Wahlpflichtbereich verlegt. Dies sei bereits inakzeptabel, eine weitere Abwertung sei unhaltbar.

Insgesamt vereint der Wahlpflichtbereich sieben Fächer in zwei Gruppen. In der ersten Gruppe stehen Latein, Italienisch und Mint (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Die Zweite umfasst die musischen Fächer.

Entmündigte Schüler

Die Schüler aus den Stufen A und E dürfen ihre Wahlpflichtfächer frei wählen. Anders ist das für die Schüler der Stufe P. Sie müssen mindestens ein Fach aus beiden Gruppen wählen. Das wollen die Initianten nun ändern. «Alle Schüler der Sekundarschule sollen die Möglichkeit haben, ihre Wahlfächer so zu wählen, dass sie für die schulische Laufbahn Sinn machen», sagt Beat Kunz vom Verband Schulmusik Basel-Stadt. Es solle also auch möglich sein, zwei Fächer im Bereich Kunst belegen zu können. «Betroffen ist ausgerechnet der P-Zug, der in der Regel in das Gymnasium übertritt. Wenn sie dort bildnerisches Gestalten oder Musik im Schwerpunktfach wählen, müssen sie zwei Jahre verpassten Stoff nachholen.»

Die Initianten kritisieren neben der Diskriminierung von musischen Fächern und der ungenügenden Vorbereitung auf das Gymnasium auch die ungleiche Behandlung der Schüler. Es werde die Urteilsfähigkeit der Jugendlichen untergraben. Im Alter von 14 Jahren sei es möglich, Entscheidungen wie diese selbst zu treffen.

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