Kriminalität
In Basel nimmt die häusliche Gewalt weiter zu

Das Sicherheitsdepartement hat die rund 860 Straftaten, die 2011 im häuslichen Rahmen begangen wurden ausgewertet. Der Schluss ist klar: Es ist noch viel zu tun, vor allem in den Bereichen Opferschutz und Unterstützungsangebote für Kinder.

Nicolas Drechsler
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Häusliche Gewalt (Symbolbild)

Häusliche Gewalt (Symbolbild)

Keystone

Es harzt bei der Umsetzung des Wegweisungsartikels, der Strafverfolgung von häuslicher Gewalt und vor allem beim Schutz der Opfer. Das ist das Fazit aus der Studie zur häuslichen Gewalt in Basel-Stadt, die Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass gestern den Medien präsentierte. Im letzten Jahr sind in Basel-Stadt 471 Täter wegen 860 Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt angezeigt worden. Diese reichen von Beschimpfungen bis zu Tötungsversuchen und Vergewaltigungen.

Laufende Überwachung der Lage

Im Rahmen des Monitorings sind alle Fälle von einem Projektteam genauer untersucht worden. Dabei wurde unter anderem klar, dass es bei rund 320 dieser Straftaten um nicht-physische Gewalt geht. Es folgen 400 Tätlichkeiten und einfache Körperverletzungen. Aber es kam auch zu weit schwereren Delikten, wie 13 Vergewaltigungen, 13 schweren Körperverletzungen und versuchten Tötungen, sowie zu einer Tötung. Die Deliktgruppe der häuslichen Gewalt hat im Vergleich zu 2010 um 16 Prozent zugenommen, das ist eine höhere Steigerung, als die der übrigen Straftaten, die um 11 Prozent zunahmen. Was der Projektgruppe rund um ihren Leiter Thomas Frauchiger aber vor allem Kopfzerbrechen bereitet, ist, wie mit diesen Taten umgegangen wird. «Der Opferschutz ist immer noch lückenhaft und das Unterstützungsangebot für betroffene Kinder ist nicht ausreichend», sagte Frauchiger an der heutigen Medienkonferenz.

Zwangsmassnahmen mangelhaft

Aber auch die Sofortmassnahmen, die die Polizei einleitet, geben Anlass zur Sorge. In fast drei Viertel der Fälle kam die Polizei vor Ort, beruhigte die Lage und ging wieder. In 41 Fällen wurde der Täter polizeilich für 12 Tage weggewiesen. Die Wegweisung wurde ausser in einem Fall von einer weiteren Massnahme begleitet, also einer Festnahme, oder einem Polizeigewahrsam. Das zeigt, dass die Wegweisung ihre Funktion als «Zwischenschritt» zwischen momentaner Intervention und Festnahme nicht wirklich erfüllt.

Gravierender ist aber, dass die Staatsanwaltschaft 80 Prozent der eingeleiteten Strafverfahren wieder einstellt. Den grössten Teil, weil das Opfer darum bittet. Wie Catherine Jobin, Co-Leiterin der Interventionsstelle gegen Gewalt sagt: «Der Rückzug des Opfers erfolgt oft unter Drohung mit weiterer Gewalt». Diese Bedrohungslage liesse sich aber nur selten beweisen, fügte der Leiter des Kriminalkommissariates, Beat Voser an. Denn bei häuslicher Gewalt sind Täter und Opfer meist alleine und so keine Zeugen zu finden.

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