Kommentar
In Basel ist Erasmus tot

Für Studenten der Uni Basel hat Erasmus von Rotterdam eine grosse Bedeutung: Die nach ihm benannten Auslandsemester sind äusserst beliebt. Nun steht das Austauschprogramm nach den vergangenen Abstimmungen auf der Kippe.

Matthias Zehnder
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Erasmus-Epitaph im Basler Münster. (Archiv)

Erasmus-Epitaph im Basler Münster. (Archiv)

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Im Nordseitenschiff des Basler Münsters steht ein mit goldenen Lettern beschriebener, roter Kalkstein: das Grabmal von Erasmus von Rotterdam. 1536 ist der niederländische Gelehrte in Basel gestorben. Erasmus arbeitete in England, den Niederlanden, Frankreich, Italien und längere Zeit in Basel. Er war ein international tätiger Wissenschafter. Sein Name steht deshalb für das europäische Austauschprogramm von Studenten und Forschern.

Auslandsemester haben immer schon zu wichtigen Stationen auf dem Bildungsweg eines Akademikers gehört. Bis 2011 war es für Schweizer Studenten aber ein administrativer Hürdenlauf, einen Platz an einer Uni im Ausland zu erhalten – und es konnte ganz schön teuer werden. Seit 2011 ist die Schweiz Mitglied von «Erasmus» und ermöglicht es jedes Jahr Tausenden von Studenten, ein Semester an einer Universität irgendwo in Europa einzulegen.

Gelehrte sind seit je eine internationale Gemeinschaft. Wissen kennt keine Landesgrenzen – im Internet-Zeitalter schon gar nicht. Dass die Schweiz nach dem Ja zur SVP-Initiative vor einer Woche jetzt wohl aus dem Erasmus-Programm ausgeschlossen wird, ist deshalb nicht nur tragisch für die Universitäten in der Schweiz, sondern auch symbolträchtig.

Wissenschaft kann nur ohne Grenzen funktionieren. Wer Grenzzäune hochzieht, wird aus der Gemeinschaft der Wissenschafter ausgeschlossen. Dass es die Studenten trifft, ist für die Schweiz besonders schlimm. Erstens ist die Jugend unsere Zukunft und zweitens ist Bildung unser Rohstoff. – Mir ist es zum ersten Mal etwas peinlich, dass Erasmus in Basel begraben ist.

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