Latein am Ende?
Immerhin: In Basel erlebt das Latein eine kleine Renaissance

Im Gegensatz zum Baselbiet ist Latein in Basel nicht nur lebendig. So stellt der Rektor des Gymnasiums am Münsterplatz gar eine Latein-Renaissance fest - in Gang gesetzt unter anderem von Expats, bei denen Latein als «Lingua franca» beliebt sei.

Matthias Zehnder
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Im Gymnasium am Münsterplatz erlebt das Latein eine Renaissance.

Im Gymnasium am Münsterplatz erlebt das Latein eine Renaissance.

Juri Junkov

Im Gymnasium am Münsterplatz steht Latein vor einem neuen Aufschwung. Das erhofft sich zumindest Rektor Eugen Krieger. Zwar sei in Basel - wie auch im Baselbiet - bei den OS-Abgängern ein Rückgang des Interesses am Latein festzustellen, das habe aber, vermutet Krieger, eher strukturelle Gründe, weil die OS demnächst auslaufe.

Hoffnung schöpft Krieger daraus, dass das Latein in der neuen Schulorganisation gestärkt wird. Denn Latein wird in der zukünftigen Sekundarstufe I zum Wahlpflichtfach: Schülerinnen und Schüler der Leistungszüge E und P müssen entweder das Wahlpflichtfach Lingua mit Bezugsfach Latein oder Italienisch oder das Wahlpflichtfach «Mint» (Mathematik, Informatik, Natur, Technik) belegen.

Aufwertung gegenüber der OS

Für Krieger ist das eine deutliche Aufwertung des Lateins: «In der OS war es so, dass Latein nicht in allen Schulhäusern angeboten werden konnte und nur als Wahlfach belegt werden durfte. Der Aufwand, für Latein in ein anderes Schulhaus zu wechseln, war vielen Schülern zu gross.» Als Wahlfach habe Latein zudem nur zu Randzeiten belegt werden können. Krieger ist überzeugt, dass das neue Wahlpflichtfach «Lingua Latein» die Situation für interessierte Schüler vereinfachen wird, weil es im Stundenplan eingebunden und in allen Schulhäusern angeboten werde. Das Fach «Lingua Latein» wird im Übrigen auch im Kanton Basel-Landschaft eingeführt. Da sind die Schüler aber nur im Leistungszug P der Sekundarstufe I verpflichtet, entweder Mint oder Lingua (mit Latein oder Italienisch) zu wählen.

Kombination mit Englisch

Laut Krieger trägt aber nicht nur die Sekundarstufe, sondern auch das Gymnasium selbst zu einer kleinen Latein-Renaissance bei. Denn das Fach Latein habe auch am Gymnasium am Münsterplatz eine Aufwertung erfahren: «Das Schwerpunktfach Englisch muss mit Latein oder Italienisch kombiniert werden», erklärt Krieger. Das werde bei den künftigen dritten Klassen wieder für eine grössere Popularität des Lateins bei den Schülern sorgen.

Auch ohne diese strukturellen Massnahmen, die zur Stützung des Lateinunterrichts im Kanton Basel-Stadt beitragen, macht sich Krieger keine Sorgen um die Existenz der alten Sprache. Latein sei als «Lingua Franca» der sprachlich-historischen Richtung gerade unter Expats sehr beliebt. «Nicht nur englischsprachige Zugezogene schwören auf Latein, sondern auch Schülerinnen und Schüler aus Deutschland.» In der Tat ist Latein auf der anderen Seite des Rheins nach wie vor recht beliebt. Aber auch in der Schweiz sei die Lateinische Sprache wieder populärer. «Das sind Wellen», meint Krieger. Ein Grund dafür könnte sein, dass auch in der Schweiz das Bewusstsein gestiegen ist, ein Teil Europas zu sein. Und die Römer waren die ersten Europäer, das Latein war die erste, gemeinsame Sprache Europas. Kurz: Lingua latina mortua non est.

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