Basler Toastmaster

Im Klub der vifen Rhetoriker: Wortakrobaten mit Biss

Die Toastmasters treffen sich im Schülerfoyer des Lohnhofs Basel.

Die Toastmasters treffen sich im Schülerfoyer des Lohnhofs Basel.

Die Basler Toastmaster feierten ihr 20-jähriges Bestehen. Die bz hat einen ihrer neun Basler Clubs besucht.

Hier treffen sich also die Rhetoriker von morgen. Im Schülerfoyer des Lohnhofs, zu früher Stunde kurz vor 19 Uhr. Sie seien kein verstaubter «Klub der toten Dichter» oder gar die «Illuminati», wird gescherzt. Unsere Anwesenheit im sonst intimen Rahmen ist ungewöhnlich und wird mit Wortspielen kommentiert. Die Redekunst, sie wird zelebriert an diesem Abend.

«Wie erkläre ich meinem Kind den Anfang der Dinge?», fragt Robert Müller. Gespannte Stille. Einige nicken zustimmend. Der erfahrene Redner, der seit der Gründung 2006 dem Basler Rhetorik Klub treugeblieben ist, holt aus. Zu den Anfängen der Menschheit. Zu Adams Biss in den verbotenen Apfel und dem Erkenntnisgewinn, der in ihm den Wunsch nach Veränderung säte. Jedes Wort sitzt. Müller hält Blickkontakt, legt wirkungsvolle Pausen ein und nutzt bei seinen Gesten den Raum.

Der Füllwörtererzähler Rafael Gil scheint ob weniger «Ähs» gelassen. Von Heike Bockholt werden später stilistische Eigenheiten gelobt. Der Gesamtbewerter Gaetano Adornetto zeigt nach sechs Minuten die grüne Karte. Müller solle auf den Punkt kommen, klärt uns unser Sitznachbar auf. Wir sehen Rot – und die Rede endet mit einem Appell. Der wertschätzende Applaus im Anschluss wird nach jeder der drei Reden sowie den Bewertungen der Jury ertönen.

«Erst Routine macht einen geschliffenen Redner aus»

«Der Respekt für jedes Mitglied steht im Vordergrund», betont Saalmeisterin Sabine Schade. Jedes der Mitglieder übernehme Aufgaben; dies sei in 143 Ländern ein Teil der Statuten nach den Vorgaben von Gründer Ralph Smedley. Der amerikanische Rhetoriker, der die Toastmaster 1924 gründete, habe, nebst dem Aneignen von Rhetorik und zielführender Kommunikation viel Wert auf Führungsqualitäten gelegt, betont Schade. Schon so manche Interessierte, die kurz vor einer wichtigen Rede standen, hätten ihre Treffen aufgesucht, erzählt Präsident Markus Serafini. Darunter auch angehende Gemeindepräsidenten, Arbeitnehmer, die vor der Übernahme einer Führungsposition stünden oder aber auch Kurzentschlossene. Dann sei es meist zu spät, betont der Kleinbasler und fügt an: «Erst die Routine macht einen geschliffenen Redner aus.»

Besonders Schüler und Lehrlinge könnten enorm von ihrer geschützten Plattform profitieren, sagt Serafini. Er bedauert, dass er bei Basler Schulen bisher auf keinerlei Resonanz gestossen sei. «Manche Studenten holen sich bei uns ein Feedback, ohne Mitglied zu werden», sagt Gründungspräsidentin Erika Markl. Nach drei Besuchen tritt man ohne Auflagen in den Klub ein, der heute rund 30 Mitglieder zählt. Die Kursgebühr beträgt rund 200 Franken pro Jahr.

Von der beruflichen Ausrichtung auf fulminante Sprachkünste zu schliessen, sei jedoch irreführend, so Serafini. Maurer, Bauingenieure und Lehrer seien Teil des Klubs. «Alles, was zählt, ist, die Zuhörer mit Worten emotional abzuholen», sagt Müller und erzählt von dem Bier-Sommelier, der in seiner Brauerei mittlerweile für seine Kollegen Kommunikationsseminare anbietet.

Ehrgeizig sind sie, die Basler Toastmaster – etliche Termine für Wettbewerbe stehen bereits fest, dabei geht es um eine Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Mai in Paris. «Irgendwann kommt sie – die ganz grosse Gelegenheit», sagt der Sieger des Abends, Thomas Schneider, in seiner Rede. Nach der Pause laufen die Mitglieder bei den Stegreif-Reden, der Königsklasse, zur Höchstform auf – und auch die Journalistin wagt den Sprung ins kalte Wasser.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1