Pia Koller
Ihre Mode muss man sich leisten können

Die Schneiderin Pia Koller spricht mit ihren Kollektionen jene an, die es sich leisten können. «Eindrücklich» lautet der Name der Sommerkollektion ihres Ateliers Floesser.

Olivia Meier
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Im Atelier Floesser wird die Sommerkollektion bereit gemacht.
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Diese Woche veranstaltet sie zwei Modeschauen.

Im Atelier Floesser wird die Sommerkollektion bereit gemacht.

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Im Atelier ist es ruhig. Die Atmosphäre ist entspannt. Nicht so, wie man es am Tag vor der grossen Modeschau erwartet. Niemand redet durcheinander, nirgends hängen halb fertige Kleider. Es gibt kein Drama, etwa wegen fehlender Stoffe oder Models.

Die 26 Stücke der neuen Sommerkollektion, die Pia Koller heute Dienstag und am Samstag bei Modeschauen vorstellen wird, sind bereits fertiggestellt. Sie hängen an Ständern in Reih und Glied, alle wurden auf verschiedene Arten bedruckt. «Eindrücklich» lautet der Name der Sommerkollektion vom Atelier Floesser.

Architektinnen und Ärztinnen

Koller hebt verschiedene Kleider vom Ständer, die sie alle selbst entworfen hat: ein bunter Kimono, mit Digitaldruck gemacht. Ein grüner Rock mit auf Holz geschnitzten Mustern bedruckt. Ein rosa Kleid, bei dem die Formen mit Laser ausgeschnitten wurden. Alles Kleidungsstücke, die eher für ältere Frauen gemacht sind. «Meine Zielgruppe sind nicht nur junge Frauen, ich habe die älteren Damen sehr gerne.» Zu ihr kämen vor allem Frauen über 45 mit einem gewissen Anspruch wie Umwelt- und Sozialverträglichkeit, «Architektinnen, Frauen mit einem eigenen Geschäft oder Ärztinnen».

Und Geld brauchen die Kundinnen. Für ein Deux-Pièces bezahlt man beim Ateliers Floesser schon mal 3000 Franken. 40 Stunden arbeitet die Schneiderin daran. Meist nicht alleine. Bei Koller angestellt sind zwei weitere Schneiderinnen, zwei Lehrlinge und eine Künstlerin, die mal etwas anderes sehen wollte, als Pinsel und Leinwand.

Seit vier Wochen arbeiten die sechs Personen ausschliesslich an der Sommerkollektion. Am Montag, dem Tag vor der Show, werden noch die letzten Kleidungsstücke gebügelt, ein paar Knöpfe angenäht und die Fenster geputzt. Es wird leise geredet, ansonsten übertönt das Röhren des Bügeleisens alles andere. «Ich mag es eher ruhig und entspannt», so Koller.

Ihr ist es wichtig, dass ihre Mitarbeiter am Morgen gerne zur Arbeit gehen und das Atelier mit einem guten Gefühl wieder verlassen. Deshalb möchte sie auch nichts auf den letzten Drücker machen: Schon vor zwei Wochen kamen die beiden Models und haben die Kleider anprobiert. Auf dem Laufsteg werden sie verschiedene Kombinationen der Kollektion anhaben. «Vieles der Sommerkollektion ist leicht kombinierbar, das gefällt mir sehr gut.»

Die Inspiration für ihre Entwürfe nimmt Koller von den verschiedenen Stoffen. Mehrmals im Jahr macht sie sich auf und besucht die grossen Modemetropolen: Paris, Mailand, London. Dort findet sie dann die Stoffe, die ihr die Idee für die Kreationen geben.

Harte Jahre

Als Koller 2002 Pierre Floessers Atelier übernahm, blieb ihr auch die Stammkundschaft. «Ich kenne meine Kundinnen sehr gut.» Sie wisse oft, was im Kleiderschrank der Kundin hänge und was noch dazu passen würde. Zu einigen habe sie auch ein freundschaftliches Verhältnis. «Meist finde ich die Person ebenso spannend wie die Kleidung selbst.» Sie liebe es, mit der Kundin gemeinsam etwas zu erarbeiten und herauszufinden, was zu ihr passt.

Nur: Neue Kundinnen anzuwerben sei sehr schwer. «Pro Woche brauche ich vier Aufträge, um über die Runden zu kommen. Die letzten drei Jahre waren eher hart. Aber ich liebe die Couture und gebe bestimmt nicht auf», gibt sich die ruhige Frau stark.

Stark ist auch das Statement, das sie mit ihrer Kleidung aussenden möchte: Wir sind anders und gehen gegen den Trend. «Ich finde es schrecklich, wenn Menschen das Logo bekannter Modehäuser ganz gross auf der Brust tragen.» Koller ist es besonders wichtig, Kleider zu machen, die auch getragen werden, nicht einfach als teure Investition im Schrank verstauben. Die Frauen sollen sich durch ihre Kleider schöner fühlen, nichts soll zu eng sein, drücken oder streng wirken. Entspannt halt, wie bei ihr im Atelier.

Modeschau heute Dienstag in Basel im Atelier Floesser und am Sonntag in der Trotte in Arlesheim, Infos unter www.piakoller.ch

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