Basilisk im Exil

Hingeschaut: Ein Basler Basilisk thront auf der Rippertschwand in Meggen am Vierwaldstättersee

Die Basilisk auf der Rippertschwand von hinten fotografiert.

Die Basilisk auf der Rippertschwand von hinten fotografiert.

Ursprünglich thronte er über dem Rhein, nun steht der eiserne Basilisk beim Vierwaldstättersee. Ein Basler kaufte 1935 das Ungetüm und brachte es nach Meggen.

Auf der Landzunge Rippertschwand blickt ein finsteres Ungeheuer den Schiffen auf dem Vierwaldstättersee entgegen. Das Basler Wappen schliesst jeden Zweifel aus: Beim Ungetüm handelt es sich nicht etwa um den Pilatusdrachen, sondern um einen Basilisken. Halb Hahn, halb Schlange tötet er der Legende nach mit seinem blossen Blick und vergiftet seine Widersacher.

Der Basilisk auf der Rippertschwand in Meggen.

Der Basilisk auf der Rippertschwand in Meggen.

Das typische Basler Geschöpf startete sein Leben auf der dortigen Wettsteinbrücke. Mit seinen drei Geschwistern wurde es 1880 vom Basler Bildhauer Ferdinand Schlöth und seinem Neffen geschaffen und auf den mächtigen Sockeln der noch jungen Brücke positioniert. Drei Meter hoch und fünf Tonnen schwer sind die gegossenen Skulpturen. Trotzdem sind sie nicht unverrückbar und mussten bei der Verbreiterung der Brücke im Jahr 1936 ihren Platz räumen. Drei davon blieben in Basel und sind heute an der Wettsteinbrücke,

© Nicole Nars-Zimmer

beim Tiergarten Lange Erle

© Nicole Nars-Zimmer

und beim Haus zum Basilisk anzutreffen.

© CH Media

Einen verschlug es aber nach Meggen.

Aus Basel nach Meggen

Dies hängt mit François Chappuis zusammen, einem Basler Bürger. Er erwarb im Jahr 1935 die Liegenschaft Rippertschwand mit seiner Immobiliengesellschaft. Laut dem Megger Archivar Beat Gähwiler kaufte der Basler spottbillig einen der Brücken-Basilisken und erkor die Liegenschaft am Vierwaldstättersee zu seinem neuen Standort. Der schwere Basilisk wurde mit einem Lastschiff zum Felsvorsprung transportiert und steht nun da, etwa 200 Meter von der 5,5 hohen Christusstatue am See entfernt.

Dass der Basilisk seinen giftigen Blick gegen den See hin richtet, macht durchaus Sinn. Das geflügelte Wesen ist nämlich nur von dort aus zu bestaunen, denn die Parkanlage befindet sich im Privatbesitz der Stiftung Rippertschwand, die sich für pflegebedürftige Menschen einsetzt. Dekorativ ragt der Basilisk zwei Meter über dem Wasserspiegel aus dem Gebüsch und hat sich scheinbar gut eingenistet an seinem Standort.

Die Basilisk auf der Rippertschwand von hinten fotografiert.

Die Basilisk auf der Rippertschwand von hinten fotografiert.

Aufgehübschtes Ungetüm

2007 wurde der Basilisk von Wolf Meyer zu Bargholz restauriert. Mit Hilfe einer gedeckten Arbeitsplattform über dem See behob er brüchige Stellen und erneuerte die Oberflächenbeschichtung. Der «Restaurator für Technische Kulturgüter» sagt, dass Baumwurzeln dem Fundament zusetzten und der Basilisk von Flechten und Mikroorganismen bedeckt gewesen sei. Diese Schäden behob er ebenso wie den Spannungsriss im Schwanz. Meyer zu Bargholz sagt, er sei von diesem Projekt so begeistert gewesen, dass er sich der Statue damals nebenberuflich trotz anderweitigem 100 Prozent Pensum annahm.

Für die Restaurierung der Statue im Jahr 2007 musste eine Plattform über dem See gebaut werden.

Für die Restaurierung der Statue im Jahr 2007 musste eine Plattform über dem See gebaut werden.

Trotz der offenbar guten Pflege in der Zentralschweiz fragt man sich auf der Website Basler Basilisken, ob sich die vier ehemaligen Brückenhüter nicht über eine Wiedervereinigung in ihrer Geburtsstadt freuen würden. Bestrebungen zu einem erneuten Umzug gibt es aber nicht – dies dürfte wohl auch am Gewicht liegen. Höchstwahrscheinlich bleibt der Basler seinem Exil Meggen also noch länger erhalten.

Meistgesehen

Artboard 1