Irreführung
Hier gibt es bald Kunst – aber keinen Kaffee

Das flaschengrüne «Coming Soon» führt in die Irre: An der Haltingerstrasse 13 wird keine neue Starbucks-Filiale eröffnet.

Michel Zumoberhaus
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Ein Fake-Starbucks Ecke Claragraben/Haltingerstrasse im Kleinbasel.

Ein Fake-Starbucks Ecke Claragraben/Haltingerstrasse im Kleinbasel.

Kenneth Nars

In der griechischen Mythologie haben Sirenen mit ihrem betörenden Gesang Seeleuten scharenweise den Kopf verdreht. An der Haltingerstrasse 13 lockt eine 44-jährige Dame mit den verführerischen Worten «Coming soon» die vorbeilaufenden Passanten an – die Starbucks-Sirene. Glaubt man den auffälligen Werbeplakaten, soll bald die sechste Filiale in Basel entstehen. Nun haben diese aber einen markanten Schönheitsfehler: Ein altes Logo ziert die Plakate. Seit 2011 präsentiert sich die Sirene nämlich ohne Schriftzug.

Dies stellt auch der Coffee Shop Store Manager Ahmed Shehata im echten Starbucks an der Rebgasse sofort fest. «Das kann nicht echt sein. Wir wären da informiert worden.» Auch nach telefonischer Rücksprache mit seinem Vorgesetzten konnte er seinen Verdacht bestätigen. Zudem entspricht die Lage überhaupt nicht den Standortfaktoren von Starbucks.

Die Haltingerstrasse ist eher eine ruhige Quartierstrasse. Die naheliegende und besser frequentierte Feldbergstrasse mit ihren leeren Räumlichkeiten wäre da für einen lebhaften Begegnungsort sicher attraktiver gewesen. Die Getränke mit den handlichen Namen wie «Coffee Frappucchino blended beverage» wird man weiterhin anderswo geniessen müssen als an der Haltingerstrasse.

Kunstausstellung «Trojan Horses»

Im Restaurant Concordia liegen auf einem Tisch zurzeit grüne Flyer, die exakt auf diese Räumlichkeit hinweisen. Diese werben für eine Kunstausstellung von Florence Jung und Thomas Moor mit dem Titel «Trojan Horses», die am Samstag um 19 Uhr stattfinden soll. Auch das trojanische Pferd ist eine Figur der Mythologie. Wie der Titel schon vermuten lässt, möchte sich der Veranstalter tarnen, wie das einst die danaischen Soldaten in dem hölzernen Pferd taten, um in die Stadtmauern Trojas zu gelangen.

Moor, Künstler und Organisator der Veranstaltung, hält sich dementsprechend über die Starbucks Plakate bedeckt. «Es wäre schade, jetzt schon zu viel zu verraten.» Starbucks selber wurde nicht informiert. Die Angelegenheit wird nun untersucht, da der Hauptsitz bis dato nichts von den Plakaten mitbekommen hat. Eines steht fest: Das Geheimnis wird nicht während eines Kaffeekränzchens, sondern während einer Cocktailparty gelüftet.

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