Unterlinden-Museum
Herzog & de Meuron schlagen im Unterlinden-Museum Brücken

Herzog & de Meuron durften im von ihnen erweiterten Museum eine Ausstellung gestalten. Für die Wechselausstellung erhielten sie eine Carte Blanche. Es wurde eine Brücke geschlagen von historischer Sammlung zu zeitgenössischer Kunst.

Peter Schenk
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Herzog & de Meuron haben die Wechsel-Ausstellung im neuen Gebäude Ackerhof mitgestaltet. Die Vitrine mit den Stichen nimmt die Form des Raumes auf.

Herzog & de Meuron haben die Wechsel-Ausstellung im neuen Gebäude Ackerhof mitgestaltet. Die Vitrine mit den Stichen nimmt die Form des Raumes auf.

Das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron hat einen ausgezeichneten Ruf. «Seitdem die Leute wissen, dass sie das Unterlinden-Museum erweitert und erneuert haben, haben wir erheblich mehr Schweizer Besucher», freut sich die Direktorin Pantxika de Paepe.

In mehrjähriger Arbeit haben Herzog & de Meuron das alte Dominikanerkloster, in dem sich heute wieder der berühmte Isenheimer Altar von Mathias Grünewald befindet, in Zusammenarbeit mit einem Denkmalpfleger saniert und die Ausstellungsfläche des Colmarer Museums verdoppelt.

Ein unterirdischer Gang verbindet das alte Gebäude mit einem mit Ziegelstein und Kupfer ausgekleideten modernen Neubau, der das Volumen der mittelalterlichen Kirche wieder aufnimmt.

Der Bau heisst nach dem ehemaligen Hof des Kloster-Bauernhofs Ackerhof und verfügt über drei Ebenen. Am eindrücklichsten ist das für Wechselausstellungen vorgesehene oberste Geschoss des Neubaus – auch von innen muss man hier durch das Giebeldach mit seiner aussergewöhnlichen Höhe von 11,50 Meter unwillkürlich an die gegenüber liegende Dominikanerinnen-Kirche denken.

44 Millionen Euro kostete die Umsetzung des neuen architektonischen und museografischen Konzepts der Basler Architekten. Mitte Dezember wurde das neue Unterlinden-Museum eröffnet, am 23. Januar 2016 folgte ein Staatsakt mit dem Präsidenten François Hollande und seit 24. Januar ist im erwähnten obersten Geschoss des Ackerhofs bis 20. Juni die erste Wechselausstellung zu sehen. Für ihre Konzeption und Gestaltung wurde das Architekturbüro vom Museum angefragt.

Bipolarität «Handeln, betrachten»

Sie heisst «Handeln, betrachten», besteht aus 50 Werken wie Gemälden, Skulpturen und Arbeiten aus Papier vom 15. Jahrhundert bis heute und wird durch 33 Filme mit sieben Stunden Laufzeit und Performances ergänzt, die im ehemaligen Stadtbad aus dem 19. Jahrhundert gleich nebenan zu sehen sind.

«Diese Bipolarität hat sich durch die ganze europäische Kunstgeschichte hindurch bestätigt, vom Mittelalter und der Vita comtemplativa in den Klöstern bis zum heutigen Bildschirm-Zeitalter», heisst es im Pressedossier. «Handeln und Betrachten sind nicht zwei getrennte Wege der Kunst, sondern zwei Dimensionen, die in den meisten Werken in unterschiedlichem Verhältnis gemeinsam auftreten.»

Carte Blanche für die Architekten

Für die Wechselausstellung haben Herzog & de Meuron vom Museum eine «inhaltliche Carte Blanche» erhalten, wie Senior Partner Christine Binswanger berichtet. Als es um das Thema der Ausstellung ging, sei es Gesprächspartner der Kunsthistoriker Jean-François Chevrier und Elia Pijolet gewesen.

«Die einzige Bedingung – und auch unser Wunsch – war, dass darin Werke aus der Sammlung des Museums vorkommen. Unser gemeinsames Ziel war, eine Ausstellung zu denken und zu gestalten, die exemplarisch darlegt, wie mit der historischen Sammlung des Museums Brücken zur zeitgenössischen Kunst geschlagen werden können», berichtet Binswanger.

Die ursprüngliche Idee, die Ausstellung ausschliesslich aus den Beständen des Museums zu bestreiten, wurde fallengelassen. Direktorin Pantxika de Paepe ist voll des Lobes über die Zusammenarbeit mit den Architekten: «Es hat ausgezeichnet geklappt. Wenn wir auf eine Problem gestossen sind, haben sie das sofort begriffen und selber eine Lösung gesucht.»

Christine Binswanger ergänzt: «Nach der Konzeptphase hat sich Herzog & de Meuron vor allem mit der Präsentation der Werke im Raum beschäftigt.» Die Auswahl der Werke stammt von Chevrier.

Zu sehen sind der Tempelhof-Altar aus Bergheim von Jost Haller von 1445, Stiche von Schongauer und Dürer, aber auch jüngere Werke von Beckmann und Grosz oder der Nachbau des Velorads von Marcel Duchamp, das berührt werden darf.

Jeff Wall und John Coplans sind ebenso präsent wie Georges Brecht und das Lego-Haus von Herzog & de Meuron. Auch ein Werk ihres engen Freundes Rémy Zaugg ist zu sehen – eine eindrückliche Ausstellung in einem aussergewöhnlichen Raum.

Unterlinden-Museum Place Unterlinden, Colmar. Täglich ausser Di, 10–18 Uhr; Do bis 20 Uhr. www.musee-unterlinden.com

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