Leitbild
Handelskammer will das verlorenen Vertrauen zurückgewinnen

Auch der Handelskammer beider Basel ist es nicht entgangen: Im Verhältnis zwischen Wirtschaft und Bevölkerung stimmt etwas nicht. Und zwar nicht erst seit der Annahme der Minder-Initiative, sondern schon viel länger.

Stefan Schuppli
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Wirtschaft braucht Gegenseitigkeit: die Dreiländerbrücke zwischen Weil (D) und Huningue (F).

Wirtschaft braucht Gegenseitigkeit: die Dreiländerbrücke zwischen Weil (D) und Huningue (F).

Nicole Nars-Zimmer

An der Jahresmedienkonferenz wählte Handelskammer-Präsident Thomas Staehelin starke Worte. «Ein Graben hat sich aufgetan.» Ja er sprach gar von «Vertrauensbruch», wobei er offen liess, wer letztlich das Vertrauen gebrochen hatte. Doch es war ganz klar zu spüren, dass «die» Wirtschaft nicht ganz unschuldig war an dieser Situation. «Ja, vielleicht hätten wir mit der Leitbilddiskussion schon früher beginnen müssen», räumt Staehelin ein.

Die 24-seitige Broschüre mit dem Titel «Das Leitbild von der Wirtschaft für die Region» ist sehr allgemein gehalten. Vieles darin liest sich wie ein Motivationsschreiben für eine Bewerbung: «Wir können viel, und das gut. Und wo wir noch nicht so gut sind, werden wir besser!»

Offener und kreativer werden

In den Worten von Direktor Franz Saladin heisst das «vorausschauende Stärkepolitik», die auf den Kompetenzen der hiesigen Leitbranchen Pharma/Chemie und Logistik beruht. Allerdings mahnt er, dass an diesem Stärkeprofil gearbeitet werden müsse. «Wir müssen offener, fachkräftiger, erreichbarer, kreativer und handlungsfähiger werden», so Saladin. Das Leitbild sei kein Strategiepapier, in dem konkrete Ziele und Fristen genannt würden, sondern es sei eine Diskussionsplattform. Deshalb werde es die Handelskammer an andere Wirtschaftsverbände, kantonale Stellen, Gemeinden und Politiker verteilen. Der Verband hofft auf anregende Diskussionen.

Auch für die Handelskammer selbst sei die Diskussion im Rahmen der Erstellung des Leitbildes sehr wichtig gewesen. «Alle stehen dahinter», sagt Staehelin. Im Vorfeld seien verschiedenste Workshops abgehalten worden, mit Wirtschaftsfachleuten (BAK Basel, Prognos) und Schülern. «Denn diese Jugendlichen geht es, angesichts des Horizontes 2035, besonders an», sagt Saladin. So engagiert sich die Handelskammer vermehrt um Ausbildungsfragen. Im Auftrag der Kantone Basel-Stadt und Baselland kümmert sie sich um 300 Praktikumsplätze für Lernende der Wirtschaftsmittelschulen. 150 seien bereits gesichert, sagte Abteilungsleiter Andreas Meier.

Angesichts des knapper werden Bodens (und wohl auch wegen der frei werdenden Industrieareale wie etwa das der BASF) bleibt die Raumbewirtschaftung für den Wirtschaftsverband ein zentrales Thema. Genau diese Diskussion findet sich auch in der «Wirtschaftsoffensive» des Kantons Baselland wieder.

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