Fussball
Greenpeace-Protest: Man kann FC-Basel-Fan sein, aber Aktion Okay finden

Die Greenpeace-Aktion beim Basler Champions-League-Spiel in dieser Woche hat viele Reaktionen ausgelöst – auch von bz-Lesern. Der Protest zeigte auf, dass FCB-Fans die Aktion gutheissen, obwohl diese den Verein vielleicht teuer zu stehen kommt.

Bojan Stula
Drucken
Teilen
Mehrere Minuten hing das Protestplakat während des Matches zwischen dem FC Basel und Schalke 04.

Mehrere Minuten hing das Protestplakat während des Matches zwischen dem FC Basel und Schalke 04.

keystone

Mehrere bz-Leser haben sich nach dem Vorfall vom Dienstagabend darüber beschwert, dass wir die spektakuläre Greenpeace-Protestaktion prominent auf der Frontseite der Mittwochsausgabe gezeigt haben. Das würde nur die Urheber solcher Aktionen darin bestärken, auch künftig mittels illegaler Aktionen ihre Botschaften zu verbreiten. Da ist gewiss was Wahres dran. Die millionenfache Multiplikation des Protestschreis gegen den russischen Energiegiganten Gazprom war von Anfang Sinn und Absicht der Kletterpartie auf das Joggeli-Dach; die Aussicht auf weltweite Abdeckung via sämtlicher Medienkanäle fester Bestandteil der Strategie.

Ein Komplize von Greenpeace sind wir trotzdem nicht. Genauso wenig ermutigen wir Nachahmer und Trittbrettfahrer. Bereits die nächsten, die im Joggeli Ähnliches versuchen, werden nur noch ein müdes Abwinken ernten. Auch das ist nun mal fester Bestandteil unserer heutigen Medienrealität: die geringe Halbwertszeit des zunächst Aussergewöhnlichen.

Nicht nur darum stand es für die bz-Redaktion nie zur Diskussion, die Greenpeace-Protestaktion unter den Teppich zu kehren. Das Verschweigen unangenehmer Vorfälle, die sich vor Zehntausenden von Augenzeugen abspielen, können sich allenfalls die Staatsmedien totalitärer Regime erlauben. Wir berichten möglichst umfassend und mit der nötigen Distanz, damit sich unsere Leserschaft eine unabhängige Meinung bilden kann.

Greenpeace ist nicht Zewo-zertifiziert

Zur umfassenden Berichterstattung vom Dienstag gehört das Aufzeigen, dass bei jeder Aktion von Greenpeace das Selbstmarketing ebenso genau einkalkuliert ist, wie die eigentliche Protestbotschaft. Seit dem Ausstiegsentscheid aus der Atomkraft muss sich Greenpeace Schweiz neue Hauptbetätigungsfelder suchen, damit die Spendengelder auch weiterhin fliessen. Je spektakulärer die Aktion, desto lukrativer die Perspektive für die eigene Kampagnenkasse.

Laut Aussage der Schweizer Aufsichtsbehörden ist Greenpeace darum nicht Zewo-zertifiziert, weil ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Spendengelder in Marketing und Verwaltung fliesst; Greenpeace bestreitet das allerdings.

Mehrheit findet Greenpeace-Aktion gelungen

Auf der anderen Seite wurde im Nachgang zum Champions-League-Abend schonungslos analysiert, dass das beschwörende Pochen von Fussballfunktionären auf die Trennung von Sport und Politik nur schon deshalb illusorisch, um nicht zu sagen heuchlerisch, ist, solange Vereine und Verbände dubiosen Investoren Tür und Tor öffnen. Die eigentliche Ironie des Joggeli-Protests, dass Greenpeace mit dem FCB einen der wenigen weissen Transparenz-Ritter im von Halsabschneidern, Parasiten und Spekulanten wimmelnden Profifussball-Haifischteich hereinritt, wird die Basler teuer zu stehen kommen. Der Ärger von FCB-Präsident Bernhard Heusler ist darum mehr als verständlich.

Interessanterweise hat sich die Anhängerschaft, die sonst sehr allergisch auf Störungen im heilen FCB-Universum reagiert, anders verhalten. Laut einer Online-Umfrage dieses Portals fand eine Mehrheit die Greenpeace-Aktion gelungen und nötig, angesichts der umweltgefährdenden Aktionen von Gazprom in der Arktis. Diese nonkonforme Einschätzung mag zwar auf den ersten Blick überraschen, ist aber bezeichnend für eine, auch dank freier Medien, in ökologischen Fragen stark sensibilisierte Schweizer Öffentlichkeit.

Aktuelle Nachrichten