Pilotprojekt
GPS-Tracker sollen Velodieben das Handwerk legen

Basel ist eine Velostadt. Wer gerne mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann hier nicht über fehlende Infrastruktur klagen. Doch ein grosses Problem ärgert die Zweiradfahrer: In Basel werden sehr viele Velos geklaut.

Céline Feller
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Unzählige Menschen stellen ihr Velo in der Stadt ab. Wenn sie zurückkommen, ist es oft verschwunden.

Unzählige Menschen stellen ihr Velo in der Stadt ab. Wenn sie zurückkommen, ist es oft verschwunden.

Daniel Nussbaumer

Nora Bertschi ist genervt. Ihr wurde das Velo geklaut. Nicht nur einmal, sondern «so oft, dass ich es nicht mehr nachzählen kann». Inzwischen kaufe sie sich nur noch «Schrottgöppel», weil diese weniger oft geklaut werden, so die Basler Grossrätin (Grünes Bündnis).

Bertschi hat sich so genervt, dass sie eine schriftliche Anfrage betreffend «GPS-Tracker für Fahrräder» eingereicht hat. In der Anfrage beschreibt sie Basel als velofreundliche Stadt, in der viel für Velofahrerinnen und -fahrer gemacht werde. «Einzig die vielen Velodiebstähle bleiben ein grosses Ärgernis.» Die Polizei erwische aber kaum Diebe.

Und tatsächlich: Jährlich werden schweizweit fast 40'000 Velos geklaut – im letzten Jahr wurden davon nicht einmal 500 Fälle aufgeklärt. Für Basel-spezifische Zahlen verweist die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt auf die Kriminalstatistik, in der jedoch keine Zahlen bezüglich Velo-Diebstähle zu finden sind.

Holland als Vorbild?

Auch ohne genaue Zahlen vorliegen zu haben, bietet Bertschi eine Lösungs-Methode: «In Städten wie Bern, Genf und Zürich, sowie im Ausland wurden deshalb bereits GPS-Tracker eingesetzt, um Diebe zu überführen.» In Holland habe die Polizei beispielsweise Lockvogelvelos mit GPS-Trackern ausgerüstet. Dank dieser Methode hätten sich die Velodiebstähle innert weniger Jahre fast halbiert, schreibt Bertschi.

Bereits im Januar hat die Regierung die schriftliche Anfrage der Grossrätin jedoch abgelehnt, worauf der Grosse Rat die Antwort der Regierung als nicht ausreichend erklärte und einen Anzug eingereicht hat. In diesem gehe es aber nicht um Lockvogelvelos, sondern «mein Vorstoss verlangt, dass die Polizei in Zusammenarbeit mit Unternehmen im Sinne eines Pilotprojektes GPS-Tracker für Velofahrer entgeltlich zur Verfügung stellt», sagt Bertschi.

Dieses Pilotprojekt solle mit einer Kampagne begleitet werden, sodass möglichst viele potenzielle Diebe abgeschreckt werden. Und Bertschi sieht durchaus Chancen auf eine Umsetzung in Basel: «Der Grosse Rat hat den Vorstoss überwiesen und wünscht damit seine Umsetzung. Die Regierung muss nun also einen Weg aufzeigen, wie dies in Basel-Stadt sinnvoll wäre.»

Während das Einsetzen von Lockvogelvelos rechtlich umstritten ist, und auch deshalb von der Regierung abgelehnt wurde, ist das Nutzen der GPS-Tracker von Privaten unbedenklich.

Durchaus finanzierbar

Den von der Regierung hervorgebrachten Punkt, dass die GPS-Tracker zu teuer seien, will Bertschi nicht stehen lassen: «Anders als von der Regierung vorgebracht wird, sind solche GPS-Tracker inzwischen sehr kostengünstig erhältlich». Die Regierung schreibt von «1000 Franken pro Stück.» Dass der «Personaleinsatz der Kantonspolizei kostenaufwendig und kaum bezifferbar» sei, komme noch hinzu.

Bertschi hofft nun, mit der Unterstützung des Grossen Rates etwas erreichen zu können. Sie wünscht sich, dass bei der Umsetzung des Projekts der Kanton Basel-Stadt mit anderen Kantonen zusammenarbeitet. Unsere Anfrage beim Kanton Luzern, bei dem ein Vorstoss zum gleichen Thema eingereicht wurde, versandete im Nichts. Der Kanton verwies an die Polizei, die Polizei an den Kanton und die Stadt und der Kanton wieder an die Polizei.

Solche Irrwege wird Bertschis Anfrage bei der Basler Regierung nicht mehr nehmen. Diese hat für die Beantwortung zwei Jahre Zeit, bis zum 21. Mai 2017. Bertschi hofft aber, dass die Beantwortung so schnell wie möglich erfolgt. Denn jeder Velodiebstahl nervt – selbst dann, wenn es sich nur um einen «Schrottgöppel» handelte.

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