Kunsthandel

Gigant bleibt: New Yorker Larry Gagosian eröffnet seine 17. Galerie in Basel

Eine Galerie fürs oberste Preissegment: Die Dependance der Top-Galerie Gagosian am Basler Rheinsprung.

Eine Galerie fürs oberste Preissegment: Die Dependance der Top-Galerie Gagosian am Basler Rheinsprung.

Auf Basel will sich Larry Gagosian länger einlassen. Das New Yorker Kunsthandels-Unternehmen lässt sich am Rheinsprung in Basel permanent nieder. Erst vor wenigen Tagen habe man den Mietvertrag unterschrieben.

Das kam überraschend: Eigentlich hatte der US-amerikanische Galerist Larry Gagosian nur eine Pop-Up-Location während der Art Basel angekündigt. In einem temporären Kunstraum zeigt die Galerie am Rheinsprung 1 bis Sonntag die kuratierte Ausstellung «Continuing Abstraction». Werke von Willem de Kooning, Mark Rothko, Donald Judd oder Roy Lichtenstein hängen an den weissen Wänden. Es sind die Blue Chips des weltweiten Kunstmarkts, die da zum Verkauf stehen. Und das abseits der Art Basel, jener Messe, an der Gagosian wie jedes Jahr auch an einem grossen, prominent platzierten Verkaufsstand vertreten ist.

Auf Basel will sich Gagosian länger einlassen, wie er im «Art Newspaper» bekannt gegeben hat. Das New Yorker Kunsthandels-Unternehmen lässt sich hier permanent nieder. Erst vor wenigen Tagen habe man den Mietvertrag unterschrieben.

Eine Top-Adresse für die Reichsten

Das Lokal vor der Mittleren Brücke gehört zur Spillmann-Liegenschaft, in der sich auch der Club de Bâle befindet. Gagosian nutzt die Räume, in denen einst das Geschäft Wein & Design eingemietet war.

Für den 74-jährigen Kunsthändler aus New York markiert die Lokalität am Rheinsprung die 17. Galerie in der zehnten Stadt. Er gilt als grösster Kunsthändler der Welt, der sich auch darauf spezialisiert hat, ganze Nachlässe zu vermarkten.

Angesichts der Tatsache, dass man in Basel in den vergangenen Jahren ein Galeriensterben beklagt hat und Zürich als Galerienstadt dank Top-Adressen wie Hauser & Wirth oder Eva Presenhuber international weiter vorne dabei ist, erstaunt es, dass sich Gagosian ausgerechnet hier für eine permanente Niederlassung entschieden hat. Warum?

Beyeler im Hinterkopf

Der Galerist selber schwärmt von Basels «vibrant history of collecting, evident in its world class museums, such as the Fondation Beyeler, Kunstmuseum and Maja Oeri’s Schaulager.» Die grosse Sammlungs- und Museumstradition beeindruckt ihn also – und diese lockt ja auch unter dem Jahr Kunstsammler an. Zudem sei er mit Ernst Beyeler eng befreundet gewesen. «Dessen Vermächtnis treibt Basel weiterhin an, Sam Keller führt die Geschichte weiter. Warum sollte ich nicht Teil davon sein?», lässt sich Larry Gagosian zitieren.

Die übrigen Antworten erhält man von seinen Mitarbeitern, aber nicht auf alle Fragen, die sich uns stellen: Welches Preissegment wird man am Rheinsprung anpeilen? Darüber wird geschwiegen. Immerhin: En passant erfahren wir, dass ein kleineres Bild von Cy Twombly für fünf Millionen Franken einen neuen Besitzer finden kann. Auch zum künftigen Programm ist noch nicht mehr zu erfahren, als dass dieses «dynamisch» sein soll.

Weniger Abgaben und Steuern

Wenn man sich in der Kunstszene umhört, so wird stets die Vermutung geäussert, dass Gagosian hier einen Testballon steigen lässt. Überlegt sich der Gigant am Ende gar, sich von der Messe loszulösen – so wie die Swatch-Group auf die Baselworld verzichtet und stattdessen ihre Kunden ausserhalb der Messe empfängt? Die Gagosian Gallery habe nicht vor, der Art Basel den Rücken zu kehren, heisst es auf Nachfrage der bz. Im Gegenteil, die Zufriedenheit mit der Kunstmesse sei gross, die Preise der Art Basel noch nie ein Thema.

Testballon-Charakter hat die neue Galerie dennoch: Gagosian möchte herausfinden, ob sich die Dependance in Basel, die zweite in der Schweiz nach Genf, lohnt. Die Nähe zum Hotel Les Trois Rois, wo viele (potenzielle) Kunden absteigen, ist attraktiv. «Allein schon an einer guten Lage einen Ort zu haben, kann während der Messen Sinn machen für eine so grosse Galerie», sagt der Basler Galerist Tony Wuethrich.

«Die Schweiz ist ein interessantes Land für Sammler, weil sie hier weniger Abgaben zahlen müssen als in anderen Ländern.» Nicht nur die tiefe Mehrwertsteuer könnte für Gagosian und seine Kunden interessant sein. Auch die Zollfreilager und die Tatsache, dass man bei uns im Unterschied zur EU kein Folgerecht kennt, das Kunstschaffende und deren Erben am Weiterverkauf ihrer Kunstwerke beteiligt.

Auch die Basler Galeristin Gilli Stampa erwähnt diese Vorteile. Wird sich Gagosians Schritt positiv auf die Basler Galerienszene auswirken? «Diese Galerie ist ein eigener Planet», sagt Gilli Stampa. «Was sie mit sich bringen wird, werden wir sehen.»

Übrigens, Mitarbeiter wird Gagosian mühelos rekrutieren können. Der renommierte Kritiker und Pulitzer-Preisträger Jerry Saltz schrieb Gagosian auf Instagram an: «Can I have a job at your Basel gallery? I love Switzerland. Just want an apartment & salary.» Na, wenn das kein Angebot ist.

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