Gesellschaft
Gewalt ist nie privat! Heute ist internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

In der gesamten Schweiz finden ab heute Mittwoch Aktionen gegen Gewalt an Frauen statt. Denn noch immer gibt es auch in der Schweiz in allen Gesellschaftsschichten betroffene Frauen. Viele erstatten aus Angst keine Strafanzeige bei der Polizei.

Elena Manuel
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Am häufigsten wird die Gewalt vom Partner oder Ex-Partner ausgeübt.

Am häufigsten wird die Gewalt vom Partner oder Ex-Partner ausgeübt.

KEYSTONE

Wer denkt, dass Gewalt an Frauen nur in unteren Gesellschaftsschichten ausgeübt wird, täuscht sich. Weltweit erlebt mehr als jede dritte Frau in ihrem Leben häusliche oder sexuelle Gewalt — egal, aus welcher sozialen Schicht oder Kultur sie stammt. Es kann die Nichte, ihre Nachbarin, die Chefin, die Journalistin oder die Leserin selber treffen.

Auch in Basel ist häusliche und sexuelle Gewalt ein Problem. Das Frauenhaus meldet dazu in seinem Jahresbericht 2014 einen traurigen Rekord: Die Nachfrage an Unterstützung und Schutz für Gefährdete ist 2014 gestiegen. 102 Frauen und deren 77 Kinder konnten im letzten Jahr von den 10 Plätzen im Frauenhaus Anspruch nehmen. Ein Jahr zuvor waren es noch 76 Gewaltbetroffene gewesen, die eine sichere Unterkunft vor ihrem gewalttätigen Partner suchten.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Das Bedürfnis nach Schutz ist in den dreissig Jahren, in denen das Frauenhaus bald besteht, unvermindert gross. «Wir sind froh, dass so viele Frauen unser Angebot nutzen und nicht alleine mit ihrem Problem bleiben», sagt die Betriebsleiterin Rosmarie Hubschmid.

Da die Anzahl Schutzsuchender im Frauenhaus gestiegen ist, könnte man annehmen, dass die Fälle häuslicher Gewalt generell zugenommen haben. Das stimmt laut Jahresbericht der Basler Polizei aber nicht. Gemäss ihrer Statistik haben die Straftaten im Bezug auf häusliche Gewalt im Vergleich zum vorletzten Jahr um ein Prozent abgenommen.

Es sei schwierig zu eruieren, weshalb die Nachfrage im Frauenhaus gestiegen ist, sagt Hubschmid, und wieso die Polizei weniger Fälle registriert hat. Vermutlich ist noch heute mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen. Auch ist es so, dass nicht jede Frau, die im Frauenhaus unterkommt, die Polizei einschaltet und Strafanzeige einreicht. Die Zunahme im Frauenhaus ist gleichwohl ein gutes Zeichen: Die verschiedenen Anlaufstellen für Betroffene sind in Basel bekannter geworden.

Damit die häusliche Gewalt in den eigenen vier Wänden nicht unbemerkt bleibt und in naher Zukunft sogar ganz verschwindet, wird jährlich der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen zelebriert. Eine 16-tägige Kampagne wird ab heute mit Vorträgen, Podien, Filmvorführungen und Theaterstücken in der gesamten Schweiz ins Leben gerufen, um Lösungsvorschläge und Hilfestellungen für Betroffene und ihr Umfeld zu leisten; und natürlich auch, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Denn: Gewalt ist nie privat.

Film und Theater gegen Gewalt

In Basel wird morgen hierzu im Schmiedenhof eine Solidaritätsveranstaltung veranlasst, in dem die Referentin Madeleine Winkler ihr Frauenprojekt in Zentralafrika vorstellt und einen Vortrag mit anschliessender Diskussion zum Thema «Das Schicksal Afrikas auf den Rücken der Frauen» hält.
Im Ackermannshof wird vom 1. bis 3. Dezember mit dem preisgekrönten Theaterstück «Macho Men» der Fokus vom Opfer auf den Täter verlegt. Das Stück ist eine theatralische Dokumentation aus Serbien, das sich mit dem Thema Männlichkeit in der heutigen Zeit auseinandersetzt und Männer und Jungen ermutigt, kulturell auferlegte Normen zu überwinden und gegen Gewalt einzustehen. Sie befragen sich auf der Bühne, was es braucht, um ein richtiger Mann zu sein — ob Muskeln, Selbstvertrauen und Mut alles sind, was Männlichkeit auszeichnen?

Ebenfalls auf der Bühne zeigt die Theaterfalle auf interaktive Weise in «E Gwalts-Überraschig», wie Gewalt funktioniert. Auf der Leinwand im Kultkino wird schliesslich die Vorpremiere des Films «Köpek – Frauenidentitäten, geschlechtsspezifische Gewalt und das Recht auf Selbstbestimmung über den Körper» der türkischen Regisseurin Esen Isik gezeigt.

Das Programm finden Sie unter: www.cfd-ch.org

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