Muba
Getrommel und Gepfeife mitten im April – Fasnächtler haben 300 Tage Fasnacht

Auch Fasnachtsexperte Felix Rudolf von Rohr braucht mal Fasnachtspause. Das erzählte er am heutigen «Basler Zmittag», das sich ganz um die «drey scheenschte Dääg» drehte.

Martina Rutschmann
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Fasnachtsurgestein Felix Rudolf von Rohr (links) und Plaketten-Hersteller Mike Müller diskutieren am bz-Talk an der Muba über – worüber wohl?

Fasnachtsurgestein Felix Rudolf von Rohr (links) und Plaketten-Hersteller Mike Müller diskutieren am bz-Talk an der Muba über – worüber wohl?

Kenneth Nars

Matthyas Jenny zuckt zusammen. Da trommeln und pfeifen sie doch tatsächlich den «Rossignol». Und das mitten im Frühling! Das Gedicht «Augenblick im April» von Hans Werthmüller passt da besser rein.

Aber nein, Poesie reicht nicht, es muss auch getrommelt werden. Damit nicht genug: Sie reden auch noch über Fasnacht, geschlagene zwanzig Minuten. Auf der Muba-Bühne, direkt hinter Jennys Poesie-Stand, sprechen sie aus, was der Nicht-Fasnächtler nicht hören will: Die Fasnacht dauert nicht drei, sondern etwa 300 Tage. Wobei das selbst Fasnachtsexperte Felix Rudolf von Rohr nicht glatt findet, auch er braucht mal Pause. Trommeln und Pfeifen, sagt er, das sei in Ordnung, da es nicht nur für die Fasnacht stehe. «Im Sommer ins Kostüm steigen jedoch ...» Kopfschütteln.

Im August fängt Plaketten-Stress an

Beim gestrigen «Basler Zmittag» von Pro Innerstadt und der bz ging es um die vielen Tage ausserhalb der «drey scheensten». Sujet suchen, Sujet finden, Kostüm nähen – und nicht zu vergessen: Blaggedde entwerfen und herstellen. Zuständig für Letzteres ist seit 2017 Mike Müller. In vierter Generation führt der 26-Jährige das Geschäft René F. Müller AG, besser bekannt als «Blaggedde-Müller». Jetzt geht es gerade, sagt er im Gespräch, jetzt hat er Luft. «Nach den Sommerferien fängt der Stress an.»

Für 60 Fasnachten im In- und Ausland stellt die Firma Plaketten her. Uff! Und was, wenn eine nicht gefällt? «Es gab mal eine, die gefiel mir nicht», gesteht Rudolf von Rohr. Damals sei er als Obmann des Fasnachts-Comités für Blaggedden zuständig gewesen, sein Einwand reichte aber nicht, um den Entscheid zu kippen. «Immerhin verkaufte sich die Blaggedde dann sehr gut», sagt er. Welcher Jahrgang das war, verrät er nicht. Genauso wenig, wie die Zahl, die jeder wissen will: Wie viele Plaketten verkauft das Comité pro Fasnacht? Mike Müller grinst, schweigt aber eisern. Es gibt genug anderes zu bereden.

«Poesie ist etwas, was danebensteht (...)», schrieb einst Dichter Manfred Gilgien. Korrekt! An der Muba steht (oder liegt in Form von Papier) die Poesie neben einer mobilen Siebdruckerei, einem Materialmarkt für kreative Wiederverwertung, Kistenvelos und Lederhandtaschen. Gestaltet ist die Halle im zweiten Stock im Industrie-Stil, nicht so Kaninchenstallmässig wie früher, als sich Stand an Stand reihte.

Wir wollen gelbe Schmetterlinge

Felix Rudolf von Rohr nickt. Mit allen Vor-und Nach-Sitzungen seien es für Eingefleischte 300 Fasnachtstage. Apropos Fleisch: Das Menü passte mit «Frikadelle auf Fasnachts-Kartoffelstampf mit Räppli» gut, wobei Rudolf von Rohr bemerkte, in Basel hiessen Frikadellen «Fleischkiechli». Geschmeckt hat es ihm trotzdem.

Und zack, wieder klingt es, als wäre es Februar oder allerhöchstens März. Pfeifer Kevin Klapka und sein «Naarebaschi»-Kollege mit der Trommel, Oliver Schürmann, bringen mit dem «Hofnarr» fasnächtliche Poesie in die Halle. So oft Felix Rudolf von Rohr aber auch betont, wie wichtig die Hofnarren-Rolle an der Basler Fasnacht sei, so konsequent beharrt er sinngemäss darauf: «Die Fasnacht hat im Sommer nichts verloren.» Seine Frau und er handhabten es mit fasnächtlichen Porzellan-Figuren wie mit Weihnachtskugeln: Ab in den Keller, wenn nicht gerade Saison ist. Oder um es in den Worten Hans Werthmüllers zu sagen: «Nach den vielen weissen Schmetterlingen des Winters der erste gelbe.»

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