Spitalgruppe

Gescheiterte Spitalfusion kostete 27 Millionen Franken

Teure Träume: Thomas Weber (l.) und Lukas Engelberger (r.)

Weil die Spitäler unter Zeitdruck standen, wurden viele Vorbereitungsarbeiten für die geplante Spitalfusion bereits aufgegleist. Nach dem Nein ist unklar, was davon weiter genutzt werden kann.

Das deutliche Nein der Basler Stimmbevölkerung zur Spitalfusion vor einem Monat war für die Planer ein Schock. Ein ziemlich teurer, wie sich nun herausstellt. Denn das Universitätsspital Basel (USB) und das Kantonsspital Baselland (KSBL) erklärten gegenüber der bz, sie hätten in den letzten Jahren jeweils zwischen 13,5 und 14 Millionen Franken in die Vorbereitung für die gemeinsame Spitalgruppe gesteckt.

Rund die Hälfte der Kosten sind intern angefallen, also etwa Personalkosten durch Arbeits- und Projektgruppen oder Verwaltungsratssitzungen. Die andere Hälfte sind externe Aufträge, welche die Spitäler vergeben haben. Denn um 2020 pünktlich mit der neuen Spitalgruppe starten zu können, mussten eine Reihe von Themen bereits frühzeitig aufgegleist werden.

Gleichzeitig waren die verantwortlichen Planer bei den beiden Spitälern lange von einem Ja überzeugt. Teilweise wurde in die Verträge aber noch eine Klausel eingebaut, wie im Falle eines Nein weiter verfahren wird.

Das wohl prominenteste Beispiel ist der Name respektive das Logo der künftigen Spitalgruppe: Universitätsspital Nordwestschweiz hätte der Verbund heissen sollen, abgekürzt USNW. Wer nun glaubt, dass dieser Name schnell gefunden wurde, irrt. Rund 300 Namen seien dafür generiert, selektioniert und priorisiert worden, erklärte der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger vergangenes Jahr im Parlament.

Hohe Beratungskosten

Damit nicht genug: Die Projektgruppe zog zur «professionellen Begleitung der Findung einer Wortmarke» eine grosse Zürcher PR-Firma bei. Alleine deren Honorar belief sich auf 60 000 Franken. Die internen Personalkosten sind in dieser Rechnung noch nicht mit drin. Und das Logo und die gesamte Corporate Identity wurden dann in einem weiteren Auftrag nochmals ausgeschrieben.

In den letzten drei Jahren haben die Spitäler mit Blick auf die Fusionspläne eine Reihe grösserer Aufträge vergeben. Mehrheitlich handelte es sich um Beratungsmandate. Eine Antwort des Baselbieter Gesundheitsdirektors Thomas Weber im Landrat kurz nach der Abstimmung gibt einen Eindruck: Seit 2015 schlugen Beratungskosten beim KSBL mit insgesamt über vier Millionen Franken zu Buche. Das ist rund ein Drittel des gesamten Aufwands und nach den Personalkosten klar der grösste Posten. Da die Kosten paritätisch geteilt wurden, dürften die Zahlen in Basel ähnlich hoch sein.

Behandelt wurden dabei in erster Linie unternehmensorganisatorische und strategische Fragen: Kulturentwicklung und Change Management, Projektmanagement, Design des Leistungsangebots, Ressourcenplanung.

Eine detaillierte Aufschlüsselung der Kosten wollten die beiden Spitäler auf Anfrage der bz nicht öffentlich machen. «Die Budgetzahlen sind obsolet und deshalb nicht mehr von öffentlichem Interesse», sagt Thomas Pfluger, Sprecher des Universitätsspitals. Und die Jahresrechnung 2018 sei noch nicht abgeschlossen, weshalb diese Zahlen ebenfalls noch nicht publik gemacht würden.

«Ergebnisse weiterverwenden»

Klar ist: Viele teure Studien, Analysen und Konzepte sind mit dem Nein zu Makulatur geworden. Andere können teilweise oder anderweitig verwendet werden, etwa Unternehmensbewertungen oder Teambildungsprozesse. Auch Investitionen wie etwa in die IT oder die Infrastruktur, die mit Blick auf die Spitalgruppe getätigt wurden, können auch ohne Fusion genutzt werden.

«Wir sind überzeugt, dass wir verschiedene Ergebnisse der Projektarbeiten für das USNW weiterverwenden können», sagt Pfluger. «Die Ausarbeitung der USB-Strategie ist aber noch in Arbeit, und es ist noch nicht festgelegt, welche Ergebnisse wie genutzt werden sollen.»

Auch Sophie Thum vom Kantonsspital Baselland sagt: «Ein Grossteil der Arbeiten, die in den vergangenen Monaten geleistet wurden, können voraussichtlich vom KSBL weiter verwendet werden.»

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