«Wir machen auf»
Gastro-Rebellion verpufft in der Region Basel am ersten Tag

Die Aktion «Wir machen auf» rief dazu auf, die Coronamassnahmen zu ignorieren und die Lokale zu öffnen. Doch in der Nordwestschweiz machten nur wenige Betriebe mit.

Helena Krauser
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Als die bz die Cafébesitzerin am Nachmittag kontaktiert, ist ihr Betrieb schon wieder geschlossen. Es seien «Männer vom Gesundheitsdepartement» vorbeigekommen, die sie angewiesen hätten, den Betrieb wieder zu schliessen, sagt sie.

Als die bz die Cafébesitzerin am Nachmittag kontaktiert, ist ihr Betrieb schon wieder geschlossen. Es seien «Männer vom Gesundheitsdepartement» vorbeigekommen, die sie angewiesen hätten, den Betrieb wieder zu schliessen, sagt sie.

Nicole Nars-Zimmer

Es sollte eine schweizweite Aktion werden, um den Protest gegen die aktuellen Coronamassnahmen sichtbar zu machen. Unter dem Motto «Wir machen auf» organisierten sich auf der Nachrichtenapp Telegram seit Tagen Unternehmer, Wirtinnen und Interessierte. Der Plan war, möglichst viele Betriebe trotz Verbot zu öffnen und somit zu signalisieren, dass es einen grossen Widerstand gegen die Massnahmen gäbe. Doch als die Organisatoren am Montag die lange versprochene Liste der offenen Betriebe auf der entsprechenden Website veröffentlichte, herrschte Chaos in den Telegram-Chatgruppen.

In der Liste stehen keine Namen der Restaurants oder Angaben zu den Standorten. Im Minutentakt fragen die User, welche Restaurants in ihrer Umgebung denn jetzt geöffnet hätten. Aber sie erhalten kaum eine Antwort. Viele schreiben wütende Nachrichten: Die Organisation sei schlecht und die Wirte wären feige. «Viel Blabla mal wieder um nichts, unglaublich. So zieht man sich auch den Ärger der Gäste zu», schreibt ein User. Aus anfänglicher gemeinschaftlicher Rebellion wurde schnell Missmut. Nur rund ein Dutzend Wirte geben detailliertere Angaben über ihr Lokal bekannt. In der Region Basel sind es zwei. Eine Cafébesitzerin aus dem Neubad und der Betreiber einer Bar an der Heuwaage.

«Es ging mir nicht darum ein Zeichen zu setzen, mir bleibt gar nichts anderes übrig»

Als die bz die Cafébesitzerin am Nachmittag kontaktiert, ist ihr Betrieb schon wieder geschlossen. Es seien «Männer vom Gesundheitsdepartement» vorbeigekommen, die sie angewiesen hätten, den Betrieb wieder zu schliessen, sagt sie. «Es ging mir nicht darum ein Zeichen zu setzen, mir bleibt gar nichts anderes übrig. Ich habe keine Existenzgrundlage mehr», so die Cafébesitzerin. Sie sei die Hauptverdienerin der Familie, ihr Mann sei mit den vier Kindern zu Hause. Die Ersparnisse habe die Familie schon im ersten Lockdown aufgebraucht. Anträge für Entschädigungen würde sie gar nicht einreichen, da sie die Anforderungen nicht erfülle. Die Signaletik der Bar in einem Obergeschoss an der Heuwaage kündigte um 17 Uhr weiterhin nur Take-Away Angebote an.

Regierungssprecher Marco Greiner gibt an, dass am Montag nur ein Betrieb, der trotz Verbot geöffnet war, kontrolliert wurde. Welche Konsequenzen in diesem Fall drohen, sei noch unklar. Sicher ist aber, dass Strafen nur die Betreiber und nicht die Besucher betreffen.

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