Strafgericht
Gangster-Rapper steht in Basel vor Gericht wegen Marihuana-Handels

Er gibt sich als krasser Ganster-Rapper «L-Montana», doch nun steht der Serbe und ein Komplize wegen Handels mit Marihuana und diversen Strassenverkehrsdelikten vor Gericht.

Patrick Rudin
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Gangster-Rapper «L-Montana» in seinem Videoclip.

Gangster-Rapper «L-Montana» in seinem Videoclip.

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«L-Montana» lautet sein Künstlername, und eigentlich ist der Rapper ein richtig cooler Bad Boy: In seinen Videos inszeniert er sich als Pate und Boss. Seit Dienstag sitzt der 22-Jährige zusammen mit einem gleichaltrigen Kumpel vor dem Basler Strafgericht, weil sie einen florierenden Marihuanahandel betrieben und sich mit der Polizei mehrere Verfolgungsjagden geliefert haben.

Die Autos waren wichtig: Der Rapper fuhr einen Mercedes CLK320, sein Kumpel einen Audi A3. Doch ganz so wählerisch war man nicht immer: Einen Renault sowie einen VW lieh man sich von der Schwester, einen Seat vom Kumpel oder den Mercedes vom eigenen Vater. Drogengeschäfte liefen meistens übers Mobiltelefon, dafür verwendeten die beiden auch eine SIM-Karte der Mutter.

Dreh- und Angelpunkt war ein inzwischen geschlossener Kleiderladen in der Ryffstrasse, dessen Buchhaltung allerdings auf wenig Kleiderumsatz schliessen liess. Der Rapper betreibt heute einen anderen Kleiderladen, vor Gericht beteuerte er, dieser sei völlig legal und er handle nicht mehr mit Drogen.

Zu den Drogenvorwürfen meinten beide Angeklagten, sie hätten nur für sich etwas Stoff gehabt, sprachen aber auch von Kumpeln, zwischendurch gaben sie zu, durchaus auch gehandelt zu haben. Manche Teilgeständnisse aus früheren Aussagen haben sie wieder zurückgezogen. «L-Montana» hatte in der Untersuchung bestätigt, im Jahr 2011 in drei Monaten rund 15'000 Franken mit Drogen verdient zu haben.

Gerichtspräsident René Ernst wies beide Angeklagten mehrmals deutlich daraufhin, dass sie sich mit ihrem Aussageverhalten vollends unglaubwürdig machen würden. Auf einen entsprechenden Hinweis von Ernst, er habe früher anders ausgesagt, meinte «L-Montana» cool, das sei eben schon zwei Jahre her.

Auch bei ihren Raserfahrten äusserten sie sich widersprüchlich: Auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle rasten sie einmal mit über 100 Stundenkilometer durch die Gartenstrasse und hängten ihre Verfolger ab, der Kumpel des Rappers sass dabei am Steuer. An der Heumattstrasse kletterten sie in den Garten der BIZ und versteckten Mobiltelefon und Geld in einer Dachrinne. Vor Gericht betonten sie, von den gefundenen 1600 Franken seien höchstens 300 Franken Drogengeld gewesen.

Ein anderes Mal sind sie aufgefallen, weil sie ein ziviles Fahrzeug der Polizei rechts überholt haben, einmal ist einer der beiden ohne Benzin auf der Autobahn bei Muttenz liegengeblieben. Fahren ohne Führerausweis ist sozusagen ihr Hobby.

Der Rapper ist allerdings nicht nur ein Grashändler: Im Juni 2010 wurde er unter anderem wegen Freiheitsberaubung, Entführung und Körperverletzung verurteilt, die 18 Monate bedingt wurden mit einer fünfjährigen Probezeit verbunden, was darauf schliessen lässt, dass die Richter schon damals am Ende ihrer Geduld waren.

Staatsanwalt Oliver Urbatus forderte einen Widerruf dieser Bewährungsstrafe sowie eine unbedingte Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten für den Rapper sowie 3 Jahren und 6 Monaten für dessen Kumpel. Beide seien gerade im Strassenverkehrsbereich unbelehrbar. Die drei Richter fällen ihr Urteil am Mittwoch.

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